Zwischen Illegalität und Immunität: Private Militärfirmen erleben einen weltweiten Boom. Die Söldner kämpfen in einer rechtlichen Grauzone. Die Toten erscheinen in keiner offiziellen Statistik.
Bei einer Anhörung im US-Kongress zum Fall Blackwater stellte der demokratische Abgeordnete Dennis Kucinich eine im Kern einfache Frage: "Ist das Verteidigungsministerium bereit, strafrechtliche Schritte gegen Angehörige von Mitarbeitern privater Militärfirmen einzuleiten, die im Verdacht stehen, einen Zivilisten in gesetzeswidriger Weise getötet zu haben?"
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Rekruten der Akademie der privaten Sicherheitsfirma Blackwater (heute Xe) im Jahr 2006 bei der Ausbildung. Die rechtliche Lage des Söldner-Einsatzes privater Militärfirmen ist umstritten. (© Foto: dpa)
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Die Antwort des leitenden Pentagon-Mitarbeiters fiel sehr knapp aus: "Ich kann diese Frage nicht beantworten." Kucinich antwortete: "Sehr interessant. Diese privaten Einsatzkräfte kommen demnach bei Mord ungeschoren davon. Sie unterstehen also nicht dem Gesetz, sondern haben einen Freibrief für ungesetzliches Handeln."
Der Dialog liegt ein paar Jahre zurück, aber das Problem ist geblieben: Der Einsatz privater Sicherheitsfirmen in Kriegsgebieten spielt sich oft in einer völkerrechtlichen Grauzone ab. Im Zeitalter des Outsourcing des Krieges ist an vielen Orten auch die Zuständigkeit für Recht und Gesetz ausgelagert worden. Gleichzeitig wird das staatliche Gewaltmonopol von Staaten ausgehöhlt, die auf private Eingreiftruppen setzen.
Immunität vor dem Gesetz
Krieg als Geschäft ist nichts Neues. Söldner kämpften schon für die alten Römer. Erst mit der Geburt der Nationalstaaten verschwanden die Söldnerheere allmählich. Heute gilt die Haager Landkriegsordnung: Nach Artikel 1 ist es nur Streitkräften, Milizen und Freiwilligenverbänden erlaubt, unmittelbar an Kampfhandlungen teilzunehmen. Sie sind Kombattanten, sofern sie einer verantwortlichen Führung unterstehen, Erkennungszeichen und Waffen offen tragen und sich an die Gesetze des Krieges halten. Was aber als unmittelbare Teilnahme zu gelten hat, ist umstritten.
Angehörige privater Militärfirmen sind nicht in die militärische Kommandokette eingegliedert, gehören nicht den Streitkräften an und haben eigentlich den Status von illegal an Kampfhandlungen teilnehmenden Zivilisten. Als Nichtkombattanten unterstehen sie nicht den Militärgerichten. Im Irak gilt für Militärfirmen wie auch für US-Streitkräfte Immunität vor dem irakischen Gesetz.
Weltweiter Boom
L. Paul Bremer hatte als Zivilverwalter des Irak im Jahr 2004 mit der Order 17 den privaten Militärs im Irak völlige Straffreiheit zugesichert. Blackwater wiederum reklamierte als Teil der Gesamtstreitmacht zivilrechtliche Immunität in den USA. Firmenchef Erik Prince erklärte, seine Söldner seien nur "unserem Land gegenüber verantwortlich". Zwar wurde 2007 bei einer Gesetzesvorlage der Passus eingeführt, dass private Militärfirmen in Kriegsgebieten den Militärgerichten unterstellt würden, doch das US-Militär hat nur selten Überblick über die Lage.
Private Militärfirmen (PMF) erleben weltweit einen Boom. Angeblich gibt es mehr als 2200 private Militärunternehmen, ihr Jahresumsatz soll bei 220 Milliarden Euro liegen. Diese Zahlen sind grobe Schätzungen. Gegner wie Befürworter der PMF haben ein Interesse, möglichst große Zahlen zu verbreiten. Die rechtliche Grauzone ist systemimmanent. Mitglieder solcher Eingreiftruppen sollen in staatlichen Statistiken nicht erscheinen. Ihre Toten sind keine toten Soldaten, ihre Morde sind keine normalen Morde. Und Recht ist nicht Recht.
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(SZ vom 13.01.2010)
Bundespräsident Gauck
Wir lernten in der Schule, daß von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen darf.
Inzwischen ist Deutschland zum weltweit drittgrößten Waffenexporteur geworden. Im Jahre 2007 lieferte die Bundesrepublik Waffen in die Welt im Werte von 3,3 Milliarden US-Dollar (SIPRI).
Die Firma Heckler-und-Koch entwickelte unter anderem ein Leichtgewehr Kindersoldaten,welches leicht transportierbar ist (MG4).
Nach meinem Verständnis fördert unser Land mit derartigen Produktionen den Krieg in anderen Ländern.
Finden Sie das angesichts der Krisen in der Welt in Ordnung?
Was kann die Politik dagegen machen?
Stimmt es, daß die Mächtigen unseres Landes von einer Wirtschaftsekte unterwandert sin?
Ich habe gerade gelesen, daß statistisch alle 14 Minuten ein Mensch auf dieser Erde durch einen Kugel aus dem Lauf einer Heckler-und-Koch Waffe getötet wird (Publik-ForumNr.20,23.Oktober 2009,Seite 10).
Warum wird über derartige Hintergründe kaum in unseren etablierten Medien gesprochen?
http://www.onlinekunst.de/november/Celan_Todesfuge.htm
Freundliche Grüße von Helga Müller aus Thüringen
Viele private Dienstleister sind durchaus auch patriotisch motiviert bw. Soldaten sind auch an den materiellen Vorzuegen des Militaerdienstes (Krankenversicherung, College etc.) interessiert.
Firmen wie DynCorp, Triple Canopy, Blackwater/ Xe, HART oder Aegis beschaeftigen zum Grossteil Operator, die jahrzehnte im Militaer gedient haben. Diese Leute sind in der Regel alles andere als Trigger-happy und haben in jedem Fall mehr Erfahrung als ein junger Marine nach der Grundausbildung. Allerdings gibt es bei PSCs ebenso wie im Militaer immer Fehlverhalten (die Anzahl bewegt sich relativ auf gleichem Niveau).
Accountability: Ein Punkt den Sie zurecht bemaengen. Allerdings gab/ gibt es zahlreiche Gesetze die Anwendung finden koennen (z.B. MEJA, UCMJ). Allerdings war hier das groesste Problem ein Mangel an politischen Willen. Mittlerweile gibt es jedoch eine steigen Zahl von Faellen in denen Contractor (auch security contractor) zur Verantwortung gezogen werden.
Mit freundlichem Gruss
Dr. Ulrich Petersohn, Chatham House, London
Sehr geehrter Herr Leyendecker,
Mir faellt es ein wenig schwer Ihren Artikel einzuordnen. Er klingt eher nach einem Op-ed, als nachem ein Bericht. In jedem Fall moechte ich empfehlen, die Fakten etwas genauer zu ueberpruefen. Wie im Blog schon angesprochen, gilt Order 17 nicht mehr, Blackwater heisst jetzt Xe und, sollten Sie sich mit dem Mord vorwurf auf Nisour Square beziehen, dann sei hinzugefueg, dass voluntary manslaughter (dazu hat sich einer der damaligen Blackwater-Mitarbeiter bekannt) etwas anderes als Mord. Auch waere es hilfreich etwas genauer zwischen Security Providern und dem breiten Feld der Militaerfirmen (alle Firmen die Combat Support und Combat Service Support erbringen) bzw. dem noch breiteren Feld der Dienstleistungen, die fuer das Militare von privaten Firmen erbracht werden (vom Rasenmaehen bis hin zur Putzkolonne) zu unterscheiden. Zieht man letztere ab, dann erhaelt man eine weitaus realistischere Zahl von bewaffneten Sicherheitsdienstleistern, die fuer das DoD und DoS arbeiten (im Irak ca. 10.000). Hinzu kommt noch weiteres bewaffnetes Sicherheitspersonal, das fuer Nichtregierungsorganisationen, irakische Institutionen, Internationale Organisationen etc. arbeiten (alle insgesamt zw. 25.000 und 30.000).
Ihr Argument Angestellten dieser Firmen sind Soeldner und ihre Taetigkeit hoehlt das Gewaltmonopol aus: Diese Meinung laesst sich sehr wohl vertreten, dennoch waere es angebracht die Facetten des Sachverhalts mehr zu wuerdigen. Dieses Forum ist kaum der Ort, um extensive in die Diskussion einzusteigen. Dennoch ein paar kurze Argumente:
Paradoxerweise koennen diese Firmen durchaus zur Stabilisierung von Staaten und Etablierung eines Gewaltmonopols beitragen (Siehe Angola und Sierra Leone).
Wenn Sie dies Aufgaben lieber vom Militaer wahrgenommen wissen wollen, dann sei darauf hingewiesen, dass ein Teil der militaerischen Ausbildung mittlerweile von privaten Firmen erbracht wird.
Soeldner: Geht man von dem allgemeine gaengigen Soeldnerbegriff aus non-national to a party to the conflict, hired to fight in a particular conflict and motivated by financial profit, dann fallen viele Angestellte dieser Firmen nicht unter diesen Begriff. Sie sind entweder Iraker, Afghanen, US-Amerikaner oder britische Staatsbueger (Third Country Nationals koennten diese Definition jedoch erfuellen). Laesst man die Nationalitaet aussen vor und geht es nur um den erhofften finanziellen Profit, wird die Sache nicht einfacher. Viele pri
... dass: "Im Irak gilt für Militärfirmen wie auch für US-Streitkräfte Immunität vor dem irakischen Gesetz."
Seit der Ratifizierung des SoFA (Status of Forces Agreement) gilt ab 01.01.2009, dass private Sicherheitsfirmen den irakischen Gesetzen und der irakischen Rechtsprechung unterliegen, ... von wegen Immunität! Nur leider kommt das für die Gangster des Nisur-Platz Massakers zu spät, die werden sich wohl ins kriminelle Fäustchen lachen können. (www.nytimes.com/2008/12/01/world/middleeast/01contractors.html)
In Afghanistan sind inzwischen rd. 121.000 U.S. "Contractors", derzeit fast doppelt so viel, wie die 68.000 uniformierten Killer der US-Streitkräfte, und mensch hört so, dass bereits in Pakistan tausende der Xe-Services (früher Blackwater) Halunken ihr Unwesen treiben -- ein Karachi-Bombenanschlag soll nachweislich (nach pak. Quellen) auf deren Konto gehen.
Ja, ja, wo immer die USA auftauchen scheinen Mord und Totschlag zu folgen, natürlich alles im Namen der Freiheit und der Verbreitung der amerikanischen Farce von Demokratie.
Nö, wir haben es nie verlasen! Söldnertruppen haben zahlreiche Vorteile, derer man sich problemlos bedienen kann - zu jeder Zeit, an jedem Ort, mit allen Mitteln. Wie einfach das geht, sieht man ja hier.
Und glauben Sie bloss nicht, dass wäre die einzige Söldnerarmee.
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