Prism-Enthüller Snowden verlässt Moskauer Flughafen

Er ist auf russischem Boden: Mehr als einen Monat nach seiner Flucht hat der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden die Transitzone des Moskauer Flughafens Scheremetjewo verlassen. Seinem Anwalt zufolge erhält er vorläufiges Asyl in Russland.

Nach mehr als einem Monat hat der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden die Transitzone des Moskauer Flughafens Scheremetjewo verlassen. Ein Vertreter des Flughafens sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Snowden sei nach Russland eingereist. Er soll sich seinem Anwalt Anatoli Kutscherena zufolge an einem sicheren Ort aufhalten.

Snowden habe ein entsprechendes Dokument der russischen Migrationsbehörde erhalten, sagte Kutscherena der Agentur Interfax zufolge. Sein Mandant bekomme ein Jahr Asyl in Russland. Die Enthüllungsplattform Wikileaks bestätigt diese Information. Laut Anwalt Kutscherena verließ Snowden den Flughafen alleine, die Enthüllungsplattform Wikileaks behauptete hingegen, die Aktivistin Sarah Harrison begleite den Whistleblower.

"Er ist die meistgesuchte Person der Welt und seine Sicherheit hat höchste Priorität", zitiert der englischsprachige Nachrichtensender Russia Today den Snowden-Anwalt auf seiner Webseite. Wo in Russland Snowden wohnen werde, werde nach einem Gespräch mit seinem Vater und dem amerikanischen Anwalt entschieden, heißt es bei Russia Today weiter.

Snowdens Vater hatte seinem Sohn am Mittwoch empfohlen, in Russland zu bleiben. "Ich denke, dass Russland fest entschlossen und in der Lage ist, meinen Sohn zu beschützen", sagte Lon Snowden dem Fernsehsender Rossija 24. "Wenn ich an seiner Stelle wäre, würde ich in Russland bleiben." Snowdens Vater werde den Whistleblower bald besuchen, zitierte Russia Today Anwalt Kutscherena in einem Tweet.

Laut Kutscherena gibt es außerdem keine Pläne, Snowden nach Lateinamerika auszufliegen. Sein Mandant werde vorerst in Russland bleiben, sagte der Anwalt am Donnerstag der Agentur Itar-Tass zufolge. Der 30-Jährige habe ihm gegenüber angedeutet, dass irgendwann sein nächstes Reiseziel in Europa liegen könnte, sagte Kutscherena. "Die Entscheidung trifft allein er."

Für den Kreml "eine unbedeutende Angelegenheit"

Das vorläufige Asyl für Snowden wird nach Hoffnung des Kremls die Beziehungen zu den USA nicht belasten. Es handele sich um eine "ziemlich unbedeutende Angelegenheit", sagte der außenpolitische Berater des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Juri Uschakow, am Donnerstag der Agentur Interfax zufolge. Zugleich betonte er, es gebe keine Hinweise aus Washington, dass US-Präsident Barack Obama einen für Anfang September geplanten Besuch in Moskau nun absagen werde. Russland lehnt die von den USA geforderte Auslieferung Snowdens strikt ab.

Das Weiße Haus in Washington hat sich hingegen "äußerst enttäuscht" über Russlands Entscheidung gezeigt, dem früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden Asyl zu gewähren. Es handele sich "nicht um eine positive Entwicklung", sagte der Präsidentschaftssprecher Jay Carney.

Indes hat der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, die Aufnahme des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters in Deutschland angeregt. Deutsche Behörden könnten von Snowdens Wissen über die Abhörpraktiken ausländischer Geheimdienste profitieren, sagte Schaar dem Kölner Stadt-Anzeiger. Er könne sich außerdem vorstellen, dass der Generalbundesanwalt Snowden dann direkt vernehme, sagte Schaar.

Auch Hans-Christian Ströbele, Bundestagsabgeordneter der Grünen, sieht in Snowden eine wichtige Quelle für Deutschland. "Die Bundesregierung sollte nun endlich versuchen, sich von ihm als Zeuge informieren zu lassen. Er hat schließlich alle Informationen und Dokumente", sagte er zu Süddeutsche.de.

Snowden hat die NSA-Spähaffäre enthüllt und wird von den USA wegen Geheimnisverrats gesucht. Er hielt sich seit dem 23. Juni auf dem Moskauer Flughafen auf. Er konnte den Transitbereich nicht verlassen, da die USA seine Reisedokumente für ungültig erklärten. Deshalb hatte er in Russland sowie mehreren anderen Staaten Asyl beantragt.