Priestermangel Wer alles fehlt

Der Zölibat ist ein Problem. Aber nur eins von mehreren.

Von Matthias Drobinski

Erotisch und abenteuerlich ist der Zölibat, er macht schlank und glücklich. Der Journalist und Ex-Mönch Hans Conrad Zander hat vor bald 20 Jahren "Zehn Argumente für den Zölibat" in einem wunderbaren Buch versammelt, gegen alle schnellen Erklärungen. Und es stimmt: Es ist nicht nur die Pflicht zum ehelosen Leben, die in Deutschland die deprimierende Leere in den katholischen Priesterseminaren verursacht hat. Auch der evangelischen Kirche fällt es schwer, Pfarrer zu finden. Es wirken die Volkskirchen insgesamt nicht so, dass junge Leute sich sagen: Wow, da muss ich hin.

Und doch muss man, wenn man an einer zukunftsfähigen katholischen Kirche interessiert ist, auf den Zölibat schauen, den diese Kirche ihren Priestern vorschreibt. Heraus kommt oft das Leben eines einsamen reisenden Sakramentenspenders, der sich in immer größeren Gemeinden aufreibt, der Chef eines Dutzends Angestellter sein muss, Prediger, Psychologe, Künder von Gottes Wort. Es ist ein Leben, das weite Teile des Lebens ausschließt: die weibliche Hälfte der Menschheit, jenen Teil, der Kinder hat. Dabei gehört doch alles dies zu einer strahlenden Gemeinschaft, zu der einer sagt: Wow, da gehe ich mal hin.

Daran muss die katholische Kirche dringend etwas ändern, die Bischöfe, der Papst, von dem es heißt, er erkenne die Tiefe des Problems. Der Zölibat ist ein Teil davon.