Ein unentweger Zuhörer sein - das ist die Aufgabe eines Priesters. Das Zölibat soll ihm dabei helfen, diese Funktion zu erfüllen.
Katholische Priester müssen ehelos leben. Diese verpflichtende Ehelosigkeit, der Zölibat, ist wieder ins Gerede gekommen. Manche meinten, die Missbrauchsfälle könnten damit im Zusammenhang stehen. Diese Vermutung wird allein schon dadurch widerlegt, dass die große Mehrheit der Täter Menschen sind, die eben nicht zölibatär leben; Familienangehörige, Nachbarn, Lehrer und so weiter. Doch allein die Äußerung dieser Vermutung hat die Diskussion um die Sinnhaftigkeit eines zölibatären Lebens neu entfacht.
Der Zölibat soll katholischen Priestern ermöglichen, sich voll und ganz ihrem Glauben zu widmen. (© Foto: ddp)
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Was dabei am meisten verwundert: Auch viele Katholiken, die fest zur Kirche stehen, sehen keine Notwendigkeit mehr, von den Weltpriestern eine solche Lebensweise zu fordern. Sie meinen, es sei an der Zeit, die Pflicht zum Zölibat abzuschaffen und den Priestern eine Ehe zu ermöglichen.
Plausible Begründung
Vielfach weisen sie auf das Faktum hin, dass in den mit Rom vereinten Ostkirchen durchaus verheiratete Priester Dienst tun. So zeigt sich die Pflicht zum Zölibat als eine kirchenrechtliche Regelung, die grundsätzlich verändert werden könnte. In diesem Kontext fällt es nicht leicht, Gründe für den Zölibat des Weltpriesters zu finden, die heute noch einigermaßen plausibel erscheinen.
Das Neue Testament überliefert Jesu Wertschätzung eines ehelosen Lebens: "Denn es ist so: Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht, und manche haben sich selbst dazu gemacht um des Himmelreiches willen", heißt es im Matthäus-Evangelium, Kapitel 19, Vers 12.
Der Grund dafür, dass es in der Kirche grundsätzlich zölibatär lebende Menschen geben muss, liegt also auf der Hand: Es soll bewusst bleiben, dass das Gottesreich nahe ist. In jeder Generation, so interpretiert es die Kirche, muss es Menschen geben, denen Gebet, geistlicher Dienst und Einsatz im Sinne des nahen Gottesreiches so wichtig sind, dass sie nicht heiraten und die ansonst für eine Ehe und Familie einzusetzenden Kräfte in den Dienst Gottes stellen - sei es in Gebet, sei es in diakonischen Werken.
In Zeiten, in welchen Ehe und Sexualität in erster Linie aus ihrer Ausrichtung auf Nachkommen verstanden wurden, war dies ein signifikantes Zeichen dafür, dass jemand für sich und sein Handeln nicht eine irdische Zukunft sichert, sondern ganz auf die jenseitige vertraut.
Muss dies aber vom Weltpriester heute noch gefordert werden? Ordensleute mögen ehelos leben, so die allgemeine Meinung. Bei ihnen gibt es feste Strukturen für diese Lebensweise: Sie leben in Gemeinschaft, kennen eine Klausur, haben feste Gebetszeiten und arbeiten weithin in klar umrissenen Bereichen.
Die Weltpriester aber sind so sehr ins bürgerliche Leben eingebunden, dass es vielen Menschen schwer fällt, in der zölibatären Lebensweise einen Vorteil zu erkennen; zumal die einzelnen oft in dem Bemühen allein gelassen werden, sich konkret zu organisieren. Die alten Modelle der Haushaltsführung und der gesellschaftlichen Einbindung gibt es kaum noch: Früher führte oft eine Schwester oder eine Tante dem Priester den Haushalt; heute aber gibt es kaum noch unverheiratete Schwestern, die für diese Stellung in Frage kämen.
Gewandelter gesellschaftlicher Kontext
Auch sieht man am Beispiel der evangelischen Amtsträger, dass sich ein theologischer Beruf durchaus mit einer Familie verbinden lässt. Das evangelische Pfarrhaus war lange ein Ort hoher Kultur und beispielhafter Frömmigkeit - in der nachreformatorischen Zeit hat es gar, wie manche sagen, das Kloster als Modell christlicher Frömmigkeit abgelöst.
Zudem herrscht heute eine andere Sicht von Ehe und Sexualität vor. Es geht nicht mehr allein um Nachkommen. Partnerschaft zum einen und Sexualität zum anderen gelten als vorzügliche intime, individuelle Lebens- und Glücksquellen, welche einen Großteil der Lebensqualität ausmachen. Vielen ist dies so wichtig, dass sie sogar die Dauerhaftigkeit einer Beziehung für sich vom Gelingen beider Bereiche abhängig machen.
Beziehung und Sexualität sind so persönlich und betreffen nur die beiden (beziehungsweise jeden von beiden), dass sich die Gesellschaft nicht darum zu kümmern hat. Partnerschaft und Sexualität gehören in den absolut privaten Bereich und sind vom Dienst im Beruf abzukoppeln.
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Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
Ich meine, dass Professor Dr. Mödl und viele Priester den Zölibat überbewerten.
Mir drängt sich der Eindruck auf, dass Gründe in den Zölibat hineingedeutet, wenn nicht gar hineingedeutelt werden, die der Realität nicht entsprechen und von ihr widerlegt werden.
Überhaupt kommt es mir oft vor, dass die Priesterschaft die von ihnen ge- bzw. erfundenen "heiligen" Zeichen und Rituale wichtiger nehmen als die originären Glaubensbotschaften. Es geht ihnen mehr um die Form als um den Inhalt.
Klingt ja alles sehr plausibel, was Professor Mödl da schreibt.
Mir tut er aber leid. Anspruch und Wirklichkeit klaffen doch weit auseinander. Dass er daran nicht verzweifelt?
Wenn selbst Theologen, die Professor Mödl intensiv auf die Priesterweihe vorbereitet hat, für sich entscheiden, dass der Zölibat nicht dazu beiträgt, "unentwegt zuhören zu können" und "alle Kraft für die Gemeinde" einzusetzen, dann läuft da wohl etwas falsch. Entweder Professor Mödl ist es nicht gelungen, den Zölibat und das, was dahinter steckt, überzeugend an den Mitbruder weiterzugeben, oder die katholische Kirche und mit ihr Professor Mödl sind auf dem Holzweg.
ups:Beiträge sind auf 2500 Zeichen begrenzt,hier die Fortsetzung:
Sicher ist davon auszugehen, dass Jesus in der Naherwartung des Reich Gottes gelebt hat. Allein: nach 2000 Jahren müssen wir konstatieren, dass er sich darin geirrt hat. Naherwartung als Begründung für den Zölibat von einem in dieser Position lehrenden Priester: ich schwanke zwischen lächerlich und skandalös!
Als Argumente bleiben: wir haben hier keine Heimat, ein bleibendes Gottesreich ist aber verheißen. Ja genau: was soll ich mich um die Welt kümmern, was stört es den Armen, dass er hungert. Wenn er verhungert, kommt er ja an beim Vater und findet Nahrung in Fülle.
Außerdem sei der Zölibat "ein Gegenmodell zu Entwicklungen in der Gesellschaft (wie die so leicht gemachte Trennung von Eheleuten)... Das zölibatäre Leben signalisiert also die Dominanz der Beziehung zum Ewigen." Das "also" simuliert eine Folgerung, die sich überhaupt nicht aus dem voraufgehenden ergibt. Die einzige Logik die in dem Absatzt steht ist, dass der Zölibatäre sich nicht scheiden läßt. Hallo?? Das ist doch grober Unfug!
Ganz sicher wird der Zölibatäre nicht "geitbegabter", "weil er nicht durch eine Familie in Beschlag genommen wird". Bitte? Welche Erfahrungen muss Mödl mit Familie oder Beziehung gemacht haben, dass dies sein abschließendes Argument wird. Dem halte ich abschließend entegegen: In einer geglückten Beziehung erfährt der reife Mensch angelthaft die Geborgenheit des Reich Gottes und wird befreit zu einer Persönlichkeit, die geistbegabt mit der Gemeinde daran arbeiten kann, das Reich Gottes in der weltlich gewordenen Welt ganz wenig, anfänglich, bruchstückhaft aber doch erfahrbar zu machen.
Unabhängig von den sexuellen Missbrauchsfällen ist es ein Fakt, dass der Zölibat vielen normalen Priestern und auch Ordensfrauen psychisch (schwer) zu leiden gibt. Vornweg mal ein passendes (s.u.) Bibelzitat: "Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei." Gen 2,18-19 Ob der Zölibat nun zu sexuellem Missbrauch führt oder nicht, ist er doch ein Machtmittel der Kirche, entstanden, um das Vermögen der Kirche zusammenzuhalten.
Während er nun - dessen bin ich sicher - vielen schweren Schaden zufügt (und zwar vor allem den Aufrechten, die sich nicht damit "arrangieren" und eben unerlaubt eine Beziehung unterhalten), wird er nirgends auch nur im Ansatz vernünftig begründet (1 Petr 3, 15). Das unqualifizierte Gefasel des Herrn Mödl, der immerhin Spiritual im Münchner Priesterseminar ist - also die Priesteramtskandidaten spirituell auf ihr Amt vorbereiten soll - ist ein Beispiel für die Sinnlosigkeit des Ganzen Unterfangens.
Ausgehend von Gen 2 ist zuerst einmal zu unterstreichen, dass die sexuellen Seite des reifen Nicht-Zölibatären fast vernachlässigbar ist. M.E. geht es nicht darum, sondern darum dass der Mensch darauf angelegt ist ein allernächstes Du zu haben. Wer behauptet, dieses Du könne Gott oder Jesus (bei einigen Zölibatären Männern ist es auch Maria) sein ist doch Augenwischerei. Gott offenbart sich eher selten und bestimmte z.B. meditativ erzielte Gefühle als Offenbarung zu deuten scheint mir auch nicht gerade seriös. Abgeklärte Zölibatäre wie Mödl sollten in diesem Zusammenhang einmal die Tagebuchnotizen von Mutter Teresa zur Hand nehmen und sich über die Seriosität Ihrer religiösen Gefühle Rechenschaft ablegen! Sie erfährt doch genau und eben weil sie uns spirituell so weit voraus war, dass man tatsächlich leben müsse etsi deus non daretur - und sie hat schwer gelitten unter ihrer Einsamkeit.
Was Mödl treibt ist lächerlich und theologisch ganz unseriös. Er steigt mit Mt 19, 12. Ich habe nicht untersucht, ob es sich historisch-kritisch um ein Jesuswort handelt (im Gesamtkontext steht die Selbstverstümmelung aber eher singulär und recht befremdlich da). Das Zitat endet bemerkenswerter Weise mit der für Fundamentalisten typischen Formel: "Wer es fassen kann, der fasse es". Jedenfalls geht es nicht darum, dass Jüngerinnen und Jünger zölibatär leben können, wenn sie wollen, um des Reich Gottes willen. Sondern Jünger können sich - wenn sie wollen - kastrieren (eunouchoi oitines). Dabei viel Spaß Herr Mödl.
Sicher ist davon auszugehen, dass Jesus in d
die Heilige Katholische Kirche kennt sieben Sakramente: Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Ehe, Weihe und Sterbesakrament.
Allerdings kann kein Mensch zu Lebzeiten alle sieben empfangen: Ehe und Priesterweihe schließen sich aus. Wenn nun Priestern die Ehe erlaubt wäre, wären sie in der Lage, alle sieben Sakramente zu Lebzeiten zu empfangen, was sie tatsächlich zu höherwertigen Menschen machen würde gegenüber Laien.
Das kann ja wohl kaum der Anspruch einer "gerechten" Gesellschaft sein!
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