Originell versucht die Financial Times Deutschland mit "Deutschland wählt sich einen Wulff" zu titeln, um dann, wie die meisten anderen Medien, die "schwere Schlappe für Merkel" anzusprechen. Sowohl die Kanzlerin als auch der neue Bundespräsident seien nun politisch kräftig angeschlagen. Für beschädigt hält auch die Neue Presse (Hannover) Wulff.

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Da hält Welt online allerdings dagegen: "Gewählt ist gewählt." Wulff nun als beschädigtes Staatsoberhaupt zu sehen, sei falsch.

Bei dem Versuch, die Motivation der Gauck-Wähler aus dem Regierungslager zu analysieren, kommen die Zeitungen zu sehr unterschiedlichen Schlussfolgerungen. So kommentiert Die Welt, die Abweichler hätten nicht der eigenen Regierung einen Denkzettel verpassen wollen. Vielmehr hätten viele Konservative und Liberale eben auch Sympathien für Gauck gehabt. Laut Stuttgarter Zeitung war es allerdings eine "heimliche Lust am Untergang", die christlich-liberale Delegierte in zwei Wahlgängen für Gauck stimmen ließen.

Wie der sachliche Titel fallen auch die Kommentare in der FAZ aus der Reihe: Einen Schatten hätten verdiente Altpolitiker auf die Bundespräsidentenwahl geworfen. Allerdings gilt die Kritik diesmal weniger den Gauck-Wählern im Regierungslager, als jenen in der SPD und bei den Grünen, die Joachim Gauck gegen ihre Überzeugung gewählt hätten, "um die Regierungskoalition in Verlegenheit zu bringen".

Gauck, heißt es dort, könnte Kandidat der Herzen bleiben. "Das schwerere Los hat Wulff getroffen."

Als Merkels Retter gelten bei Focus online die Linken, die schließlich mit einer Wahl von Joachim Gauck den Kandidaten von Schwarz-gelb hätten verhindern können. Die Linkspartei, so kommentiert taz.de, sei "großer, vielleicht der größte Verlierer der Wahl". Sie hätte "einem rot-rot-grünen Bündnis eine realpolitische Perspektive und mit Joachim Gauck ein kluges und glaubwürdiges Gesicht" geben können. Diese Chance habe die Partei vertan und verantworte damit "fünf Jahre Wulff als ersten Mann im Staate".

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(sueddeutsche.de/liv/woja)