Deutsche und österreichische Zeitungen kritisieren den schnellen Prozess gegen Dieter Althaus - und empfehlen ihm den Rückzug aus der Politik. Ein Blick in die Zeitungen.

Nach Meinung der Salzburger Nachrichten weckt der kurze Prozess gegen den thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus Zweifel an der Gleichbehandlung aller Bürger durch Österreichs Justiz:

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Er war die Hauptperson des Prozesses - nicht das Opfer Beata C. Das findet die "Neue Presse". (© Foto: ddp)

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"Ein Urteil binnen 40 Minuten. Und ein Quasi-Ausschluss der Öffentlichkeit in einem Verfahren, das die Beobachter außerhalb des Verhandlungssaales im obersteirischen Bezirksgericht Irdning wohl interessiert hätte: Viele Menschen sind ja der Meinung, Politiker und Prominente würden vor Gericht anders behandelt als die 'normalsterblichen' Bürger in derselben Situation."

Auch die Neue Presse aus Hannover kritisiert das überraschend kurze Verfahren: "War das wirklich Rechtsprechung? Noch nicht mal einen Nachmittag nahm sich das Bezirksgericht in Irdning, um über den Unfalltod der Beata C. zu befinden - möglicherweise weil die Hauptperson nicht das Opfer, sondern der prominente deutsche Angeklagte war. Im Eiltempo rauschte Dieter Althaus gestern durch das tiefste Tal seiner Politkarriere - man könnte sagen, schneller ist er nur auf der Piste: ein bisschen Schuld eingestehen, dann Geldstrafe wegen fahrlässiger Tötung und etwas Schmerzensgeld an die Angehörigen und nun bald wieder zurück in Amt und Würden?"

Nach Meinung der Frankfurter Rundschau hat sich Dieter Althaus mit dem Blitzprozess für eine Rückkehr in die Politik disqualifiziert: "Es mag verständlich sein, dass jeder Mensch, der am Tod eines anderen tragische Mitverantwortung trägt, das Verfahren schnell hinter sich bringen will. Hier aber drängt sich der Verdacht auf, dass die politische Agenda den Umgang mit der persönlichen Tragödie bestimmte. Althaus hat agiert wie in der Politik: strategisch geschickt und kühl. Genau deshalb hat er sich für eine Rückkehr in die Politik nicht qualifiziert."

Auch die Berliner Zeitung empfiehlt Althaus den Rückzug: "Dieses dubiose Eilverfahren trägt nicht dazu bei, die in jeder Hinsicht angeschlagene Position des Ministerpräsidenten zu stärken, im Gegenteil. (...) Schon die Anklage ließ Zweifel an seiner Eignung als Spitzenkandidat zu. Dieses Urteil bestärkt sie noch. Dieter Althaus sollte dem unwürdigen Spiel jetzt ein Ende bereiten und sich zurückziehen."

Und die Neue Westfälische urteilt hart: " Althaus hat einen menschlichen Fehler gemacht. Der Fehler war tödlich für die Mutter dreier Kinder. Es gibt Makel, die Ministerpräsidenten nicht haben dürfen."

Auch die Thüringer Allgemeine aus Erfurt zweifelt daran, dass der verurteilte Politiker erneut kandidieren wird: "Ein Sportunfall ist kein Kapitalverbrechen. Aber nach dem gestrigen Urteil tritt die Thüringer CDU mit einem verurteilten Spitzenmann zur Wahl an. Das ist ein Novum in der politischen Kultur des Landes. Ob das funktionieren kann, ist ebenso unklar wie der tatsächliche Zustand von Dieter Althaus."

Dass die Thüringer CDU trotz der Verurteilung ihres Ministerpräsidenten auf Althaus setzt, hat für die Neue Osnabrücker Zeitung einen "argen Beigeschmack": "180 Tagessätze sind kein symbolisches Urteil, sondern ein hartes. Das Strafmaß verlangt nach deutschen Kriterien den Eintrag als Vorstrafe ins Führungszeugnis. (...) Gut möglich, dass schon ein kleiner Beamter damit Probleme bekäme. Auch ohne Vorsatz sollte sich also die Frage nach einer Zukunft als Spitzenpolitiker zumindest für diese Wahl und in diesem Jahr aus moralischer Sicht von selbst beantworten."

Die Hannoversche Allgemeine Zeitung erklärt, warum die CDU krampfhaft an Dieter Althaus festhält: "Doch weil der Thüringer CDU alle Umfragen den Verlust der absoluten Mehrheit vor aussagen, klammert sich die Partei umso mehr an ihren Ministerpräsidenten. Wer für den Menschen Dieter Althaus das Beste tun wollte, müsste ihn entbinden von seiner Verantwortung. Das Gegenteil passiert: Die Partei überhöht ihn in ihrer Not zum leuchtenden Übervater, setzt ihre ganzen Hoffnungen in diesen Mann und überfordert ihn damit erst recht."

Die Lübecker Nachrichten ziehen die Paralle zu einem anderen Politiker, der in einen Unfall verwickelt war: "Dieter Althaus hat durch sein Fehlverhalten ein Leben ausgelöscht, diese Erinnerung wird bleiben. Das ist eine schwere Bürde - ob Althaus unter diesen Umständen noch ein hohes politisches Amt bekleiden kann, ist die eigentliche Frage, die sich nach dem schnellen Urteil stellt. In Bayern wurde Otto Wiesheu wenige Jahre nach einem von ihm in betrunkenem Zustand verursachten Unfall mit Todesopfern ausgerechnet Verkehrsminister - das ist das falsche Beispiel."

Mitgefühl für den schuldig gewordenen Politiker zeigt die Braunschweiger Zeitung: "Das Mitgefühl gilt der Familie des Opfers - aber es gilt auch dem Mann, dessen Leben nun für immer mit dem Tod eines Menschen belastet ist. Andere Überlegungen, zumal wahlkampfstrategische, verbieten sich."

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(sueddeutsche.de/AP/dpa/AFP/liv/ihe)