Bolivien Regierungsfreunde kaufen Medien

Andere Journalisten sind bereits tot oder spurlos verschwunden. Von dem TV-Journalisten Osvaldo Mariscal Calvimontes fehlt den Reportern ohne Grenzen (ROG) zufolge seit Januar 2014 jede Spur. 2012 wurden die Radiojournalisten Verónica Peñasco und Victor Hugo Peñasco ermordet, 2008 traf es Carlos Quispe, den Besitzer eines Radiosenders. Auf einen weiteren Sender gab es 2012 einen Brandanschlag.

Zwar forderte Präsident Morales hin und wieder, die Taten müssten bestraft werden. Die meisten von ihnen sind aber bis heute ungeklärt. Laut ROG werden die Ermittlungen bewusst von den Behörden verschleppt.

Journalisten sagen, sie betrieben Selbstzensur

Andere Journalisten haben ihren Job verloren. Zwei TV-Moderatoren wurden nach regierungskritischen Äußerungen im Mai und Juli 2015 gekündigt, eine weitere Moderatorin gab ihren Job freiwillig auf. Zur Begründung sagte sie, ihrem Sender sei von der Regierung gedroht worden. In einer Studie sagten zudem 59 Prozent der teilnehmenden Journalisten, sie betrieben Selbstzensur.

Als erschreckend bewerten Organisationen wie ROG zudem, dass einige kritische Fernsehsender und Zeitungen von regierungsfreundlichen Geschäftsleuten übernommen wurden. Dazu zählen etwa die wichtige Tageszeitung La Razón und die Sender PAT, Full TV und ATB. Nach dem Buch eines kritischen Journalisten sollen die Inhaber der Medien von Regierungsvertretern zu den Verkäufen gedrängt worden sein. Morales' Stellvertreter Álvaro García Linera soll eine zentrale Rolle gespielt haben. Die Regierung wiederum bestreitet die Vorwürfe.

Jeden fünften Tag stirbt ein Journalist bei der Arbeit

700 Berichterstatter seien seit 2006 weltweit getötet worden, meldet die Unesco. In einigen Regionen sind die Morde besonders zahlreich. mehr...

Vizepräsident Linera war bereits in der Vergangenheit mit Schmähungen gegenüber Journalisten aufgefallen. Medien, die "lügen" oder "Parteipolitik betreiben" werde er die staatlichen Werbeaufträge entziehen, sagte er im August.