Präsidentschaftswahl in Venezuela Wahlbehörde will alle Stimmen überprüfen

Eigentlich soll Chávez-Nachfolger Nicolás Maduro heute Abend seinen Amtseid als neuer Präsident Venezuelas ablegen. Doch kurz vorher hat sich die Opposition mit ihrer Forderung nach einer Überprüfung aller Wahlurnen durchgesetzt.

Venezuelas Nationale Wahlbehörde hat der Forderung der Opposition zugestimmt und wird alle Stimmen der Präsidentschaftswahl vom vergangenen Sonntag überprüfen. Bislang wurden bereits 54 Prozent der abgegebenen Stimmen kontrolliert, nun sollen auch die restlichen 46 Prozent überprüft werden, sagte die Vorsitzende des Nationalen Wahlrats (CNE), Tibisay Lucena.

Nicolás Maduro, Wunschkandidat des verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez, hatte nach amtlichen Angaben mit nur etwa 1,7 Prozentpunkten Vorsprung gegen den rechtskonservativen Präsidentschaftskandidaten Henrique Capriles gewonnen.

Capriles, der Maduros Sieg nicht anerkennt, begrüßte die Entscheidung des Wahlrats. Auf einer Pressekonferenz sagte er, die Überprüfung werde "die Wahrheit zeigen". Nach der Wahl war es zu gewaltsamen Protesten der Opposition gekommen, bei denen nach offiziellen Angaben acht Menschen getötet wurden. Eine manuelle Auszählung der Stimmen hatte ein Gericht bereits am Mittwoch abgelehnt.

Maduro teilte mit, er werde jede Entscheidung der Wahlkommission akzeptieren. Er will am Freitag seinen Amtseid als Präsident ablegen. Sein Vorgänger Hugo Chávez, der die Präsidentschaftswahl im Oktober 2012 klar gewonnen hatte, war am 5. März nach langer Krebskrankheit im Alter von 58 Jahren gestorben. Zur Amtseinführung Maduros werden in Caracas unter anderen Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner, Boliviens Staatschef Evo Morales, Uruguays Präsident José Mujica und Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erwartet.