Der Wahlkampf in Iran ist voll im Gang: Reformkandidat Moussawi wirbt verzweifelt um Stimmen - doch der Amtsinhaber Ahmadinedschad hat mächtige Verbündete.
Der Herr im weiten Umhang wirft das Netz des professionellen Menschenfischers am Morgen aus: Die Sonne ist kaum aufgegangen, da läuft Mehdi Karroubi schon über den Heldenfriedhof, bettet Gladiolen auf die Grabsteinplatten, dreht den Kopf zu den Kameras.
Bild vergrößern
Eine Anhängerin des ehemaligen iranischen Premierministers Mir-Hossein Moussawi hält während einer Wahlveranstaltung sein Foto. Dem Präsidentschaftskandidaten werden jedoch wenig Chancen eingeräumt. (© Foto: Reuters)
Anzeige
Ein Besuch auf dem Ehrenfriedhof, welcher persischen Stadt auch immer, ist Wahlkämpfer-Pflicht: Das Gedenken an das Acht-Jahre-Gemetzel mit dem Nachbarland Irak gehört, wie der ständige Lobpreis der Islamischen Revolution, zum Pflichtrepertoire jedes Politikers in Iran.
Der Geistliche Karroubi sichert den Sitz seines Turbans, rafft den Mullah-Mantel, rollt im Wahlkampfbus zur nächsten Station: Eine Märtyrerfamilie. Karroubi reicht einem alten Mann die Hände: Der Alte hat neun Söhne im Krieg verloren. Jetzt stehen Kulturzentrum und Universität auf dem Programm des Herausforderers - neben fotogerechter Gesten bedarf der Wahlkampf der Argumente. Also sagt der Kandidat: "Die Zeit von Präsident Ahmadinedschad ist vorbei!"
Der Wahlkampf in Iran ist voll im Gang. Am 12. Juni bestimmen die Wähler, welcher Präsident ihr Land die nächsten vier Jahren führt. Da ist der Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad, bekannt als unnachgiebiger Islamist und persischer Nationalist. Ein Mann, der kein Reizthema auslässt, um die internationale Gemeinschaft vor den Kopf zu stoßen - sei es die lustvoll zur Schau gestellte Härte in der Atompolitik oder die Leugnung des Holocaust.
Und da sind die Herausforderer: Ein Konservativer und zwei Reformer, die die internationale Isolation des Landes beenden wollen, die im Atomstreit auf Kompromisse setzen. Das Problem der Reformer - neben Karroubi tritt Ex-Premierminister Mir-Hossein Moussawi an - ist aber offensichtlich: Sie sind zweite Wahl.
Nur der Ersatzmann
Denn abgestimmt wird über einen Mann, der nicht antritt: Über den Reformer und Ex-Präsidenten Mohammed Chatami. Der schiitische Geistliche war bekannt geworden als das sympathische Gesicht des iranischen Revolutionsregimes. Bereit zum "Dialog der Kulturen" zog er zwischen 1997 und 2005 um die Welt. Trotz zweier Amtszeiten scheiterte er an den Betonköpfen im Revolutions-Establishment: Der allmächtige "Revolutionsführer" Ayatollah Ali Chamenei war einer davon. Chamenei soll jetzt klargestellt haben, dass er eine erneute Kandidatur des Reform-Propheten nicht wünschte, weshalb Moussawi sich als Ersatzmann zur Verfügung stellte.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
UN-Tourismusorganisation