Was Sahra Rahnaward bewegt: Nie zuvor ist die Frau eines Würdenträgers der Islamischen Republik in ähnlicher Weise hervorgetreten wie die von Ahmadinedschads Widersacher Mir Hussein Mussawi.
"Kennen Sie diese Frau?" So fragte Mahmud Ahmadinedschad im Fernsehen, vor den Augen der Nation, seinen Widersacher Mir Hussein Mussawi. Listig lächelnd zog der Präsident aus seinem Dossier ein Foto hervor und hielt es in die Höhe. "Sie zeigt sich mit Ihnen im Wahlkampf." Gelassen erwiderte Mussawi, "das ist meine Frau", und wies die Unterstellung Ahmadinedschads zurück, sie sei Dekanin eines Instituts für Politische Wissenschaften geworden, ohne ein dafür notwendiges Examen zu haben.
Sahra Rahnaward und ihr Mann, der Präsidentschaftskandidat Mir Hussein Mussawi, bei einer Wahlkampfveranstaltung in Iran. (© Foto: AP)
Anzeige
Sahra Rahnaward selbst forderte dann den Präsidenten in ihrer nächsten Versammlung auf: "Halten Sie Ihre Dossiers besser in Ordnung!" Und sie drohte ihm mit einem Prozess, falls er sich nicht entschuldige. Rahnaward hat nämlich gleich mehrere Universitäts-Abschlüsse und war schon Präsidentin einer Universität, als erste Frau im Land.
Dies ist allerdings nicht so ungewöhnlich. An iranischen Hochschulen sind Studentinnen seit langem in der Mehrheit. Revolutionär ist, dass Sahra Rahnaward ihren Mann während seiner ganzen Kampagne aktiv unterstützte und ihn - Hand in Hand - begleitete. Nie zuvor ist die Frau eines Würdenträgers der Islamischen Republik in ähnlicher Weise hervorgetreten. Ahmadinedschads Frau leitet eine höhere Schule. Aber niemand weiß, wie sie aussieht.
Mit ihrer Kleidung rebelliert Mussawis Frau keineswegs gegen die islamische Sittsamkeit. Sie trägt einen schwarzen Tschador, aufgelockert durch ein farbig geblümtes Kopftuch. Vor der Revolution zeigte sie ihr Haar offen und trug westliche Kleidung. Sie ist auch als Malerin bekannt. In ihren Bildern mischen sich traditionelle Motive mit expressionistischen und abstrakten Elementen. Für ihre Skulpturen benutzt sie Stein, Holz und Metalle.
Ahmadinedschads missglückter Spott könnte sich als Eigentor erweisen, denn die Attacke sah wie ein Versuch aus, den Frauen generell eine öffentliche Rolle abzusprechen. Sein Vorstoß wirkte mobilisierend, sodass bei Mussawis Kundgebungen Frauen mit grünen Schals oder Kopftüchern bald optisch die Mehrheit bildeten. Ganz allgemein fühlte sich die Jugend von dem Bild der Gleichberechtigung angesprochen, das Mussawi und Sahra Rahnaward darstellten.
Bald darauf erklärte ein anderer Kandidat, Mehdi Karrubi, im Falle seines Wahlsiegs werde er die ehemalige Abgeordnete Dschamileh Kadiwar als Kultur- oder Erziehungsministerin in sein Kabinett aufnehmen. Sie ist derzeit Professorin für Politische Wissenschaften an der Frauen-Universität Al-Zahra, wo Rahnaward lange Präsidentin war. Der Mann von Dschamileh Kadiwar ist Ayatollah Mohadscherani, der Kulturminister des Reform-Präsidenten Mohammed Chatami. Dschamileh Kadiwar wäre die erste Frau, die in der Islamischen Republik Ministerrang erreichen würde.
Auch Mussawi wollte nicht zurückstehen. Er versprach ein Programm zur Revision aller Gesetze, die Frauen gegenüber unfair seien. Bisher gab es in Iran zwei Vizepräsidentinnen, jeweils zuständig für Umweltfragen unter Chatami und Ahmadinedschad.
- Atomprogramm in Iran Dürre Antwortschreiben 12.06.2009
- Politik kompakt Illegale Waffe bei Kurras gefunden 12.06.2009
- Wahl in Iran Getwitter in Teheran 12.06.2009
- Irans Hauptstadt Teheran Stadt der Gegensätze 12.06.2009
- Iran: Präsidentschaftswahl Der grüne Tsunami 11.06.2009
(SZ vom 12.06.2009/af)
Bundespräsident Gauck
Das stimmt Hannibal ist tot und Karthago liegt in Trümmern. Das ist einerseits schade, gibt aber andererseits Hoffnung, dass noch ganz andere Dinge vergänglich sind, Staaten zum Beispiel, die die eigene Bevölkerung unterdrücken.
karthago ist gefallen
und hannibal schon tot
die berichten von SZ sind habe ich lezte woche noch einmal erfahren
hatte ich das blatt in der hand
seite 9 ein bericht über das morden von CIA handlagern wärend der pinoset diktatur
und ein wenig moralische reinwäschung des eigenes schweigens (SZ)aus weltpolitischen gründen damals.
seite 10 jubel berichte über angebliche dorfbewohner angriff auf mutmaschlichen taliban dorfbewohner in pakistan
also reinpropaganda und hochjubeln über der von CIA herbeigeführten burgerkrieg
in pakistan gutgeheisst aus weltpolitische gründen,
selbverständlich wird dann ,nach 40 jahren die SZ ein kritische bericht schreiben über das verschleppen und morden für den weltprofit
auch gegen den willen von us politik
und es sind wirklich freie wählen
das ist kein regime
als regime kann man ruhig us regierungen bezeichnen
da sind die presidenten nur marionetten des militär-kapital komplexes
Heute wird im Iran gewählt und auch die in Deutschland lebenden Iraner können in Bonn oder Frankfurt ihre Stimmen abgeben.
Viele wollen die Wahl boykottieren, weil sie das Regime ablehnen und keiner der vier Kandidaten das System an sich ablehnt, weil der amtierende Präsident die Wahl manipulieren wird, der iranische Präsident, eingerahmt von Wächterrat, Schlichtungsrat und oberstem Rechtsgelehrten, ohnehin eingeschränkte Macht hat.
Die Präsidentenwahl im Iran zu boykottieren ist so, als ob man einer Party fernbleiben würde zu der man nicht eingeladen ist. Auch die Befürchtung das Regime durch Abgabe seiner Stimme zu legitimieren ist fruchtlos. Das Regime ist jetzt dreißig Jahre alt. Es wird sich nicht hinwegleugnen lassen, aber man kann es ändern.
Selten hat man die Möglichkeit durch eine Wahl so massiv die Weichen für die Zukunft einer Nation zu stellen, wie die Iraner heute.
Siegt der Amtsinhaber heute, schlägt der Iran in Zukunft denselben Weg ein wie Nordkorea, Vietnam, Kuba oder Burma, außenpolitische Isolation, gesellschaftliche und wirtschaftliche Verdorrung. Siegt der Herausforderer, hält der Iran sich den Weg offen mit Reformen, durch ständigen Druck das System allmählich zu überwinden.
Paging