Die Wahllokale in Iran sind zu, nun wird heftig spekuliert: Amtsinhaber Ahmadinedschad will die Wahl gewonnen haben - sein stärkster Herausforderer behauptet dasselbe.

Noch vor dem offiziellen Ende der Präsidentenwahl im Iran haben sich die beiden Favoriten zum Sieger erklärt. Die amtliche Nachrichtenagentur IRNA meldete am Freitagabend, Präsident Mahmud Ahmadinedschad sei wiedergewählt worden. Ahmadinedschads reformorientierter Herausforderer Mir Hossein Mussawi erklärte dagegen auf einer Pressekonferenz, er habe "definitiv die Wahl gewonnen".

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Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad (links) und sein reformorientierter Herausforderer Mir Hossein Mussawi - beide reklamieren den Wahlsieg (© Foto: dpa)

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Weder aus der IRNA-Meldung noch aus Mussawis Äußerungen ging hervor, worauf sie ihre Angaben begründeten. Mussawi fügte lediglich hinzu, seine Siegeserklärung beruhe auf "allen Anzeichen aus dem ganzen Iran". Offizielle Ergebnisse wurden nicht vor Samstag erwartet.

Wegen des Massenandrangs der Wähler wurde die Abstimmung um sechs Stunden verlängert, die Wahllokale schlossen erst um bis Mitternacht Ortszeit (21.30 Uhr MESZ).

Am späten Abend meldeten die Nachrichtenagenturen dpa, AFP und Reuters übereinstimmend, Amtsinhaber Ahmadinedschad führe ersten Hochrechnungen zufolge. Demnach erzielte er 69 Prozent nach Auszählung von etwa einem Fünftel der Stimmen. Allerdings kamen die ersten ausgezählten Stimmen fast ausschließlich aus ländlichen Stimmbezirken, in denen die Unterstützung für Ahmadinedschad besonders hoch ist.

Der in Medien und Internet erbittert geführte Wahlkampf zwischen Ahmadinedschad und Mussawi hatte am Freitag die Wähler mobilisiert: Mehr als 80 Prozent der 46,2 Millionen Wahlberechtigten wollten Schätzungen zufolge ihre Stimme abgeben. Eine Rekordbeteiligung wurde erwartet.

Die Wähler entscheiden darüber, ob der konservative Amtsinhaber Ahmadinedschad mit seinem Konfrontationskurs gegen den Westen oder der liberale frühere Regierungschef Mussawi das höchste per Wahl besetzte Staatsamt im Iran bekommen. Allerdings ist die Macht des Präsidenten durch den großen Einfluss des Obersten geistlichen Führers, Ayatollah Ali Chamenei, und die ihm unterstellte Revolutionsgarde begrenzt.

Alle Kundgebungen verboten

Der vierwöchige Wahlkampf wurde von harten Auseinandersetzungen zwischen Mussawi und Ahmadinedschad geprägt. Der 67-jährige Mussawi, der in den 80er Jahren Ministerpräsident war, warf Ahmadinedschad vor, er lenke den Iran in eine Diktatur.

Die Revolutionsgarde warnte das Reformlager am Mittwoch, sie werde jede "Revolution" der "grünen Bewegung" Mussawis zerschlagen. Das Innenministerium gab unterdessen bekannt, dass alle Kundgebungen und politischen Versammlungen bis zur Bekanntgabe der Ergebnisse am (morgigen) Samstag verboten waren.

Der geistliche Führer Ayatollah Ali Chamenei rief die Wähler am Freitag zur Ruhe auf. Wenn einige Spannungen schaffen wollten, dann würde dies dem Volk nur schaden, mahnte Chamenei, der offiziell keine Präferenz für einen der vier Kandidaten erkennen ließ. Neben Ahmadinedschad und Mussawi sind dies der Reformer und frühere Parlamentspräsident Mahdi Karrubi sowie der konservative ehemalige Kommandeur der Revolutionsgarden Mohsen Resaei.

Letzeren wurden nur geringe Chancen eingeräumt. Sie könnten die jeweils führenden Kandidaten ihres Lagers jedoch um die absolute Mehrheit bringen, so dass eine Stichwahl erforderlich würde. Diese würde am 19. Juni stattfinden.

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(sueddeutsche.de/dpa/AFP/AP/Reuters/aho)