Joachim Gauck hat kein Amt, das ihm Präsentationsanlässe frei Haus liefert - er hat nur seine Reputation. Er muss grandiose Reden halten wie am Dienstag im Deutschen Theater in Berlin, um zu zeigen, was er kann und der andere nicht. Und er hat aufrechte Konservative wie den CDU-Altministerpräsidenten Kurt Biedenkopf, die sich gegen die Verhackstückelung der Präsidentenwahl durch die aktuelle Machtpolitik wehren. Das macht Gauck zur Inkarnation des Guten.

German presidential candidate Joachim Gauck delivers a speech in Berlin Bild vergrößern

Ein Mann der großen Worte: Joachim Gauck bei seiner Rede im Deutschen Theater in Berlin. (© Reuters)

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In Hannover durfte er sich nicht im repräsentativen Leibniz-Saal des Landtags den Abgeordneten vorstellen, es gab für ihn nur die Wandelhalle - dafür sorgte der Landtagspräsident von der CDU. Von wegen kein Wahlkampf! Gauck ist gefährlich gut geworden in den Tagen nach der Nominierung. Die Christdemokraten und die Liberalen ignorierten denn auch den Besuch des Gegenkandidaten, alles gemäß der bekannten Devise: Und führe uns nicht in Versuchung!

Auch bei Gauck wirken Medien-Helfer im Hintergrund. An der Spitze seines achtköpfigen Teams steht mit Johann Legner ein alter Bekannter, der von seinem Job als Chefredakteur der Lausitzer Rundschau kurzzeitig freigestellt ist. Er war unter Gauck jahrelang Sprecher der Stasi-Unterlagenbehörde. Mit an Bord sind außerdem der ehemalige BND-Chef Hansjörg Geiger, Ex-Gauck-Behördensprecher David Gill und die Publizistin Helga Hirsch. Sie und Gauck waren einmal ein Paar, seine jüngst erschienene Autobiographie schrieben sie zusammen.

Zwei Tage nach der Nominierung Gaucks verkündete Zeitungsmann Legner in seinem Twitter-Account: "Dabei im Team Gauck - und das ist gut so." Der nächste Eintrag nur vier Tage später: "Noch immer dabei im Team Gauck - und das macht sogar Spaß." Das provisorische Büro in der SPD-Zentrale ist inzwischen eingerichtet.

Zahlen, die Eindruck schinden

Mit den erfolgreichsten Kampagnen hat Politik-Journalist Legner jedoch nichts zu tun: Die Internetgemeinde steht hinter Joachim Gauck. Auf der Website www.mein-praesident.de haben bereits etwa 1400 Fans ein Bild von sich hochgeladen und in 160 Zeichen erklärt, warum der DDR-Bürgerrechtler ihr Favorit ist. 9500 Gauck-Anhänger bekannten sich auf www.wir-fuer-gauck.de zum ostdeutschen Theologen. Und immerhin 1200 junge Freunde hat Gauck auf www.studivz.de. Eine Petition an den Deutschen Bundestag mit der Bitte um die Wahl Gaucks haben knapp 9000 User virtuell unterschrieben. Und schließlich zählt eine Facebook-Gruppe namens "Joachim Gauck als Bundespräsident" mehr als 34.000 Mitglieder, deren Gründer Christoph Giesa der FDP angehört.

Der Liberale hat auch www.demos-fuer-gauck.de initiiert: Hier werden Gauck-Solidaritätskundgebungen in vielen deutschen Städten organisiert. Der Zuspruch auf öffentlichen Plätzen ist gering, was FDP-Mann Giesa auf die relativ kurze Vorlaufzeit schiebt. Das "Volk" entschied sich von zu Hause aus mehrfach per Abstimmung auf diversen Internetseiten pro Präsident Gauck. Der Rivale aus Hannover findet in den Medien hingegen kaum statt. Nils Minkmar, Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, im NDR-Magazin Zapp: "Sie müssen ja dann mit so einem Bundespräsidenten auch eine Weile leben, und was wollen Sie über Christian Wulff fünf Jahre lang schreiben?"

Die Weisheit der vielen im Netz konterte Wulff mit einem Video-Chat im Internet. Er versucht sich an Beschwörungen: "Wenn sich die drei Parteien CDU, CSU und FDP von Anfang an auch für den ersten Wahlgang auf einen Kandidaten verständigen, ist das ein hohes Gut, eine Chance für Geschlossenheit, und das sollte jedem Beteiligten bewusst sein." Bei Facebook hat der wackere Christdemokrat allerdings erst 3600 Fürsprecher.

Gaucks Online-Erfolge machen Eindruck, am Ende aber sind sie für die Präsidentenwahl unerheblich. Sicher, der Rhetor aus Ostdeutschland absolviert mit Bravour seine Vorstellungsrunde in den Fraktionen der Landtage, doch er gibt bereits vorsorglich zu Protokoll, rechnen zu können.

Rechnerisch haben die anderen die Mehrheit. Also gilt die alte Sponti-Devise: Du hast keine Chance, also nutze sie!

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  1. Der Sanfte und der Redner
  2. Yes, we Gauck?
  3. Sie lesen jetzt Du hast keine Chance, also nutze sie!
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(sueddeutsche.de/dana/jja/ehr)