Präsidentenwahl in Frankreich François Hollande wird neuer französischer Präsident

Historischer Machtwechsel in Frankreich: Erstmals nach 17 Jahren wird mit François Hollande wieder ein Sozialist Präsident. Der 57-Jährige gewann die Stichwahl am Sonntag laut erster offizieller Prognose mit 51.9 vor dem konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy, der mit höchstens 48 Prozent rechnen kann.

François Hollande hat die französischen Präsidentenwahlen klar gegen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy gewonnen. Laut ersten Hochrechnungen kam der 57-Jährige in der Stichwahl auf 52 bis 53,3 Prozent der Stimmen. Der Sozialist wird damit der erste linke Präsident Frankreichs seit 17 Jahren.

Der Sprecher der Sozialisten, Benoît Hamon, sprach direkt nach Bekanntwerden der ersten Hochrechnungen von einem "sehr großen Glück", mit dem die "17-jährige Herrschaft der Rechten im Elysée-Palast zu Ende geht". Hollande ist der erste Sozialist an der Staatsspitze seit dem Ende der Amtszeit von François Mitterrand, der von 1981 bis 1995 Präsident war. Der frühere Parteichef der Sozialisten übernimmt das Amt von Sarkozy, der seit 2007 die Geschicke des Landes bestimmte.

Der scheidende Staatschef hatte bereits die erste Runde der Präsidentenwahl am 22. April knapp gegen Hollande verloren. Danach versuchte der 57-Jährige, vor allem die Wähler der rechtsextremen Front National (FN) auf seine Seite zu ziehen.

FN-Chefin Marine Le Pen, die in der ersten Runde mit knapp 18 Prozent das beste Ergebnis aller Zeiten für ihre Partei erzielt hatte, sprach aber keine Empfehlung für Sarkozy aus. Statt dessen gab sie einen leeren Stimmzettel ab. Auch der Kandidat der Zentrumspartei MoDem, François Bayrou, der in der ersten Runde auf gut neun Prozent gekommen war, versagte Sarkozy die Unterstützung.

Damit galt eine Niederlage Sarkozys, der zusammen mit seiner Frau Carla Bruni-Sarkozy im schicken 16. Bezirk von Paris zur Wahl ging, als sicher. Vor fünf Jahren hatte Sarkozy die Stichwahl mit 53 Prozent deutlich vor der Sozialistin Ségolène Royal gewonnen, die auf 47 Prozent kam. Royal war damals die Lebensgefährtin Hollandes.

Hollande, der inzwischen mit der Journalistin Valérie Trierweiler zusammenlebt, stimmte in der Kleinstadt Tulle in der zentralfranzösischen Corrèze ab. Die Sozialisten versammelten sich bereits am späten Nachmittag am Bastille-Platz in Paris. Dort hatten die Anhänger der Partei auch 1981 den Wahlsieg Mitterrands bejubelt.

Außenpolitisch dürfte sich mit dem Wahlsieg Hollandes einiges ändern: Der Sozialist kündigte bereits an, er wolle den EU-Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin um eine Wachstumskomponente ergänzen. Direkt nach seiner Amtsübernahme will Hollande nach Berlin reisen, um sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu treffen. Einen ersten Kontakt zu Merkel kündigte Hollandes Sonderberater Jean-Marc Ayrault bereits für Sonntagabend an.