Frankreich vor der Stichwahl um das höchste Staatsamt: Das eindringliche Werben von Ségolène Royal um die Wähler der Mitte war offenbar erfolglos.

"Bayrou wird keinerlei Wahlempfehlung für die Stichwahl" zwischen Royal und dem konservativen Nicolas Sarkozy abgeben, bestätigte der UDF-Abgeordnete Gille Artigues am Mittwoch in Le Parisien.

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"Das ist auch logisch, denn keiner der beiden Finalisten ist fähig, eine andere Art des Regierens vorzuschlagen", fügte der Abgeordnete hinzu. Er will bei der Stichwahl am 6. Mai einen leeren Wahlzettel abgeben.

"Zu spät" und "nichtig" seien die Bemühungen der Sozialistin, sie auf ihre Seite ziehen zu wollen, meinten die Abgeordneten nach einer Sitzung mit dem ausgeschiedenen Präsidentschaftskandidaten und Parteichef François Bayrou am Dienstagabend in Paris. Royal hatte Bayrou Gespräche über ein Bündnis angeboten und der Zentrumspartei Ministerposten in Aussicht gestellt, sollte sie Präsidentin werden.

Die kleine Zentrumspartei stellt 29 der 577 Abgeordneten in der Nationalversammlung, von denen mindestens sieben bereits in das Lager von Sarkozy übergelaufen sind. Bayrou hatte in der ersten Wahlrunde am vergangenen Sonntag beachtliche 18,6 Prozent der Stimmen erhalten.

"Historische Chance"

Der sozialistische frühere Wirtschaftsminister Dominique Strauss-Kahn sprach dagegen am Mittwoch von der "historischen Chance, die Gesamtlage zu verändern", falls Royal und Bayrou sich annäherten. Es wurde aber erwartet, dass der Drittplatzierte der ersten Wahlrunde bei seiner am Nachmittag angesetzten Begegnung mit den Medien keine Wahlempfehlung aussprechen würde.

Bayrou schwebt nach Berichten aus seinem Umfeld die Gründung einer neuen "Demokratischen Partei" vor, die auch offen für sozialdemokratisch Gesinnte sein soll. Erfolg in der ersten Runde hatte Bayrou vor allem bei linken Wählern gehabt.

Sarkozy erwägt nach Aussagen von Abgeordneten, Bayrous Pläne mit der Hilfe von Überläufern aus der historisch eher rechts der Mitte stehenden UDF zu durchkreuzen. Der konservative frühere Innenminister könnte nach den Angaben eine "neue Zentrumspartei" unterstützen, die sich entweder an seine UMP-Regierungspartei anlehnt oder jedoch aus Bayrous bisheriger UDF entsteht.

Das Werben um die Wähler der Mitte zielt damit auch schon auf die kommenden Parlamentswahlen im Juni ab.

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(dpa/AFP)