Ein Kommentar von Thomas Urban

Noch hat Premierministerin Timoschenko ihre Niederlage nicht akzeptiert und droht mit Klagen und Protesten. Doch es wird keine zweite Revolution in der Ukraine geben.

Zwar behält sich Julia Timoschenko vor, das Ergebnis der ukrainischen Präsidentenwahl anzufechten. In der Tat spricht Vieles dafür, dass es Manipulationen zu Gunsten des erklärten Wahlsiegers Viktor Janukowitsch gab. So war es schon vor fünf Jahren gewesen, die dreisten Fälschungen waren damals Auslöser für die "orangene Revolution".

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Die Frau mit dem Gretchenzopf: Die ukrainische Premierministerin Julia Timoschenko bei einer Pressekonferenz nach der Stichwahl. (© Foto: dpa)

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Doch spricht nun im Gegensatz zu 2004 wenig dafür, dass Timoschenko mit ihren Protesten Erfolg haben könnte. Denn die Politikverdrossenheit ist enorm nach all den öffentlich ausgetragenen Konflikten unter dem Spitzenpersonal in Kiew, vor allem auch wegen der Finanzkrise.

Im Video: Nach Auszählung von rund 80 Prozent der Stimmen hat Oppositionsführer Janukowitsch offenbar die Stichwahl um das Präsidentenamt in der Ukraine gewonnen.

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Es ist also kaum anzunehmen, dass sie noch einmal die Massen auf die Straße bringen könnte, so wie sie es bei der "orangenen Revolution" gemeinsam mit dem damaligen Oppositionsführer Viktor Juschtschenko getan hat. Damals spielte sie die Volkstribunin, die für die Benachteiligten kämpfte.

Diese Rolle aber wird sie nun nicht mehr übernehmen können. Sie stand die letzten beiden Jahre an der Spitze der Regierung. Sie wird von einem Großteil ihrer Landsleute für die Folgen der Finanzkrise verantwortlich gemacht, für die steigende Arbeitslosigkeit, die drastischen Lohnkürzungen, das Einfrieren der Sparguthaben.

Zwar hatte die ukrainische Politik in Anbetracht der weggebrochenen Märkte kaum Spielraum, und wohl die meisten Politiker einschließlich Janukowitsch, hätten wohl kaum anders gehandelt als sie. Sie war also während der Krise, die sie in keiner Weise verschuldet hat, am falschen Ort. Und aus dieser Falle hat sie sich nicht mehr befreien können. Schade, denn Timoschenko hatte durch ihre Persönlichkeit ihrem Land stets Aufmerksamkeit gesichert.

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(SZ vom 8.2.2010/mati)