Warum der türkische Premier Tayyip Erdogan auf eine Präsidentschaftskandidatur verzichtet, weshalb Außenminister Abdullah Gül nominiert wurde - und was von ihm zu erwarten ist. Ein Gespräch mit dem Europa-Parlamentarier Cem Özdemir.
Cem Özdemir ist seit 2004 Abgeordneter des Europäischen Parlaments für die Grünen/Freie Europäische Allianz. Zu seinen politischen Aufgabengebieten gehört unter anderem das Verhältnis EU-Türkei.
"Die Türkei hat noch viel zu tun": Cem Özdemir (© Foto: AP)
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sueddeutsche.de: Herr Özdemir, Erdogan verzichtet auf eine Präsidentschaftskandidatur. Warum?
Özdemir: Es ist eine kluge Entscheidung, dass er auf eine Kandidatur verzichtet. Aus zwei Gründen: Zum einen hätte er mit einer Kandidatur dazu beigetragen, dass sich die Spaltung der türkischen Gesellschaft weiter vertieft - denn der Name Erdogan polarisiert.
Zum anderen hat die Vergangenheit gezeigt, dass der Wechsel eines Premiers oder Parteivorsitzenden auf den Präsidentenstuhl dazu führen kann, dass die Partei bei anstehenden Wahlen massiv an Stimmen verliert. Und das wäre bei einer Nominierung Erdogans zu befürchten gewesen, denn der Präsident kann nicht parteipolitisch gebunden sein.
sueddeutsche.de: Was bedeutet die Entscheidung konkret für die Parlamentswahlen in der Türkei, die ebenfalls noch in diesem Jahr anstehen?
Özdemir: Erdogans Partei, die AKP, stellt die Regierung und verfügt im Parlament derzeit über eine breite Mehrheit. Nach seiner Entscheidung, nicht für das Präsidentenamt zu kandidieren, geht die AKP gestärkt in die Parlamentswahl, denn Erdogan ist die zentrale Führungsperson der Partei. Von daher ist es gut möglich, dass die AKP auch nach den nächsten Parlamentswahlen die Regierung stellen wird.
sueddeutsche.de: Mit Gül tritt ein enger Vertrauter Erdogans an. Inwieweit kann und wird Erdogan auf seine Amtsführung Einfluss nehmen?
Özdemir: Gül ist ein unabhängiger Kopf, alles andere als eine Marionette. Dass er sich mit Erdogan gut versteht, muss ja nicht von Schaden sein im Hinblick auf die bevorstehenden schwierigen Reformen.
Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass die AKP mit dem bisherigen Staatspräsidenten Ahmet Necdet Sezer nicht glücklich ist, weil er wichtige Gesetzesinitiativen der Regierung blockiert hat - übrigens auch solche, die wir uns in Europa dringend erhofft haben, wie etwa die Verbesserung der rechtlichen Stellung von religiösen Minderheiten. Es ist jedenfalls nicht so, dass der säkulare Sezer der Hüter der Demokratie und der islamisch-konservative Erdogan ihr Totengräber ist.
sueddeutsche.de: Was ist von einem Staatspräsidenten Gül zu erwarten?
Özdemir: Mit Gül tritt jemand an, der ein überzeugter Reformer und als solcher auch in der EU anerkannt ist. Er ist nicht nur Architekt des EU-Kurses, sondern im Vergleich zu Erdogan bislang auch weniger anfällig für nationalistische Rhetorik.
Gül wird sich allerdings auf schwierige Auseinandersetzungen einstellen müssen: Die Haupthürden auf dem Weg zur EU sind nämlich nicht in Paris oder in Wien oder in Berlin, sondern immer noch in Ankara zu suchen, nicht zuletzt bei Teilen des Militärs, dem der Präsident übrigens formal als Oberbefehlshaber vorsteht.
Von großem Vorteil ist sicher, dass Gül in der Wirtschaft und auch in liberalen Kreisen ein hohes Ansehen genießt. Der Name Gül wird sowohl innerhalb wie außerhalb der Türkei für Beruhigung sorgen.
Er wird mit seinen Entscheidungen aber auch eines deutlich machen müssen: An dem Grundprinzip des türkischen Staats - der Trennung von Staat und Religion - wird nicht gerüttelt. Der Sitz des Präsidenten wird quasi als Festung des Laizismus gesehen, er hat auch Einfluss auf die Berufung von Richtern an das Verfassungsgericht.
sueddeutsche.de: Welche Auswirkungen hat die zu erwartende Wahl Güls zum Staatspräsidenten auf das Verhältnis zwischen EU und Türkei?
Özdemir: Die Nominierung macht Hoffnung, dass sich die Türkei der EU weiter annähert. Der Wechsel von Sezer zu Gül könnte dazu führen, dass der Reformmotor wieder anspringt und die Demokratisierung des Landes weiter vorangetrieben wird. Die Regierung hat ja angekündigt, dass sie mehrere hundert Gesetze verändern möchte. Dem müssen jetzt Taten folgen.
Ich denke dabei insbesondere an den Paragraphen 301 im Strafgesetzbuch, der die Meinungsfreiheit einschränkt. Ich bin gespannt, wie ein Präsident Gül auf entsprechende Gesetze reagieren wird. Bei Sezer konnte man von einem Veto ausgehen.
Ich denke aber auch an die Aufklärung der Morde an dem armenischstämmigen Journalisten Hrant Dink und an den Christen in der osttürkischen Stadt Malatya und anderen bisher nicht gelösten Fällen. Da hat die Türkei noch viel zu tun. Wir müssen aber auch zur Kenntnis nehmen: Mit Gül könnte die Türkei erstmals einen Präsidenten haben, der nicht aus der kemalistisch-laizistischen Elite der Türkei entstammt. So gesehen ist auch das ein Beitrag zur demokratischen Normalisierung.
(sueddeutsche.de)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
Die Türkei steckt in einem Dilemma. Islamisten möchten die laizistische Ordnung gegen die Sharia ablösen. Wird dieses Ziel erreicht, kann die Türkei die Mitgliedschaft der EU abschreiben. Schreitet aber das Militär ein, um die laizistische Ordnung zu schützen, dann gilt das Land als nicht demokratisch und wird ebenfalls von der EU ausgestoßen.
Die Islamisten (AKP) benutzen die EU als Schild für ihre Aktionen. Sie haben vor einigen Wochen den Auftrag gegeben 20000 Schuldirektoren auszuwechseln. Die Absicht ist doch klar, oder?
Das türkische Militär hat die Aufgabe und das Vermächtnis des türkischen Staatsgründers ATATÜRK, die Türkei laizistisch / säkular zu halten. Die Armee funktionierte bisher immer wie eine elektrische Sicherung und ist immer zur richtigen Zeit, wenn die Spannung zu hoch wurde, herausgesprungen. Genauso wie jetzt.
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@honkHH
sie schreiben/ nennen wolle gust. er behauptet, dass manipulationen vorgenommen wurden und interpretiert. warum gestehen sie ihm realitätsnähe zu? soweit ich weiss, war er auch nicht dabei als alles "geschah". und sein "background", sein anliegen ist ebenso offensichtlich.
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Na wenigstens hat es sich auch bei Ihnen herumgesprochen, dass Özgönül nicht das wahre ist. War er nie gewesen, er hat laut Derya Tulga nicht mal nen Studienabschluss.
Und ich habe nirgends etwas derartiges behauptet, dass Özgönül Manipulationen vorgenommen habe, was Sie mir oben unterstellen.
Nein, Gusts konnte detailliert nachweisen, dass Özgönlül schlicht die meisten in seinem Buch genannten Quellen einfach von Gust's Webseite http://www.armenocide.de heruntegeladen und als eigene Quellenforschung verkauft hat. Damit hat er keine neuen Erkenntnisgewinn generiert und einenen wissenschaftlich zu nennenden schon mal gar nicht, gelle. ;-)
So etwas nennt man Plagiat.
guter Freund Deutschlands.
Einige Neonazis hier haben allerdings unser Ansehen in der Türkei beschmutzt.
Die Hetze in Deutschland von obskuren Sekten und Vereinen :
( Islamfreihes Europa ) sind zwar schwer erträglich aber es ist wie bei kleinen Fiffis ,
die einem nachkläffen , irgendwann hören die auf....
Man muss Cem da widersprechen - Gül ist sehr wohl ein Hardliner. Er kommt aus dem streng islamischen Lager und möchte wie Erdogan die schwierige Gradwanderung zwischen Annährung an Europa und islamischem Glaubensstaat andererseits hinbekommen.
Das das nicht möglich ist, weiss er. Und die Kraft, die Türkei europareif zu machen, wird auch er nicht haben. Denn die Propaganda gegen Christen, gegen Kurden und Armenier sitzt tief.
Das Land brauch noch lange Jahre, bis es sich öffnet - aber die jungen Türken wollen das z.Zt. gar nicht, die Tendenz ist eher islamistisch. Es kann jederzeit kippen, die Stimmung ist gerade sehr labil. Das hat man zuletzt an den Demonstrationen der Kemalisten gesehen.
Paging