Von Kathrin Haimerl

Es ist Europatag und sie sorgen dafür, dass es jemand merkt: die PR-Strategen der Europäischen Union. Das geht in manchen Mitgliedsländern einfacher. Schwieriger wird es in Großbritannien.

Caroline Boyle ist Einzelkämpferin. Sie fällt auf. Denn egal, auf welchen Termin sie geht, mit wem sie sich ablichten lässt, mit ihren 1,82 Metern überragt sie fast alle. Und Größe ist für ihre Aufgabe wahrlich von Nöten: Sie wirbt in Großbritannien für das Europäische Parlament.

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Die Briten mögen's bunt und verspielt: Der Titel einer britischen Broschüre zum EU-Parlament. (© Foto: oh)

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Caroline Boyle ist Pressereferentin beim britischen Informationsbüro des Parlaments in London. In jedem Mitgliedstaat unterhält das Europäische Parlament ein solches Büro. Ziel ist es, die Bevölkerung über die Arbeit der EU-Parlamentarier zu informieren.

Das Hauptproblem in Großbritannien ist die Europa-Skepsis der Briten. Sie haben elf Abgeordnete der UK Independence Party in das EU-Parlament geschickt, die den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union fordern. In allen Fragen im Eurobarometer, die das Image der Europäischen Union abprüfen, erscheint die britische Flagge zuverlässig an letzter Stelle.

Und noch auf etwas anderes ist Verlass: die Europafeindlichkeit der britischen Presse. Besonders dann, wenn die beiden Reizwörter Europa und Deutschland aufeinander treffen. Bevor Angela Merkel im Januar vergangenen Jahres den EU-Ratsvorsitz übernahm, schrieb die Sun: "Germany is plotting to wipe Britain off the map" - Deutschland will Großbritannien von der Landkarte streichen. Dahinter steckte eine harmlose Landvermessungsgeschichte: Deutsche Kartografen hatten im Rahmen eines Regionalprogramms der Europäischen Union die Regionen mit ähnlichen Strukturen und Problemzonen neu eingeteilt.

"Der leidet wie ein Hund"

Caroline Boyles Büro liegt im Zentrum der Macht. In London, nahe der Houses of Parliament. Den Glockenschlag von Big Ben hört sie jede Viertelstunde. Ein Stockwerk über ihr sitzt ihr Kollege Simon Duffin. Auch er ist Pressereferent des britischen Informationsbüros des Europäischen Parlaments. Sein Hauptaufgabengebiet: Schadensbegrenzung, wenn die Blätter wieder über vermeintliche EU-Verschwörungen berichten.

"Wir sind nicht hier, um die Idee Europas als etwas Gutes anzupreisen", stellt Caroline klar. In politische Belange etwa, mischt sich das Büro nicht ein. Als die Sun gegen Gordon Brown eine Kampagne fuhr, damit dieser doch noch ein Referendum über den Vertrag von Lissabon ansetzt, blieb das Büro neutral.

Jens Pottharst vom Berliner Informationsbüro will dennoch nicht mit seinen Kollegen in London tauschen. "Simon Duffin leidet schon manchmal wie ein Hund", sagt er. "Diese Feindseligkeit, diese frappierenden, zum Teil völlig absurden Thesen, das haben wir hier nicht."

Doch die Mitarbeiter im UK Office sind Schlimmeres gewöhnt. Von 1999 bis 2002 betrieb Caroline Boyle Werbung für den Euro in Schottland. Zwar ist Schottland etwas europafreundlicher als der Rest der Insel. Doch der Euro ist auch hier Reizthema. Abend für Abend geht Caroline auf Veranstaltungen, redet, debattiert, wirbt, lässt sich Beleidigungen an den Kopf werfen.

Die Stimmung zwischen Befürwortern und Gegnern sei gehässig. "Irgendwann verliert man die Motivation. Es greift einen körperlich und psychisch an", sagt sie. Nun, als Pressereferentin für das Europäische Parlament, zieht sie eine strikte Trennlinie zwischen werben und informieren. Dem britischen Euroskeptizismus kann sie mittlerweile etwas Gutes abgewinnen: "Immerhin haben wir eine leidenschaftliche Debatte über Europa."

Lesen Sie auf Seite 2, wie die Kommission für sich wirbt

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