Die Taliban kehrten zurück - und seitdem gibt es einen Propaganda-Krieg um die Herzen und Köpfe der Afghanen. Dabei sind die Islamisten im Vorteil.
Die Stimme des Dschihad ist schrill und eifrig. "Gotteskrieger töten fünf US-Soldaten in Helmand", "Explosion tötet drei afghanische Soldaten in Khost." Zwei von vier Meldungen, die die Taliban allein an diesem Donnerstag in alle Welt verbreiten.
Taliban-Chef Mullah Omar will, dass seine radikalen Islamisten beliebter bei der afghanischen Bevölkerung werden. Nato-Soldaten gelingt das immer weniger. (© Foto: AP, dpa)
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In Minutenschnelle reagieren die Taliban auf ihrer Website auf alles, was ihren Zwecken dient, interpretieren es oder erfinden gleich ihre eigene Wahrheit.
Die offizielle Taliban-Website Stimme des Dschihad ist dafür nur ein Kanal unter vielen. Die Taliban haben in Afghanistan einen Propaganda-Apparat aufgebaut, den hinter vorgehaltener Hand sogar Nato-Mitarbeiter als "äußerst effektiv" bezeichnen. Längst haben auch die radikalen Islamisten erkannt, dass der Krieg in Afghanistan nicht nur mit Waffen entschieden wird.
Seit der Rückkehr der Taliban nach Afghanistan tobt zwischen dem Westen und den radikalen Islamisten ein immer perfiderer Krieg der Worte. Es ist ein Kampf um die Herzen und Köpfe der afghanischen Bevölkerung, der auch darüber entscheiden wird, ob die Isaf-Mission zu einem Erfolg wird oder ob die Taliban am Ende die Oberhand behalten. Und es ist ein Kampf um die Stimmung im Ausland - vor allem in den Ländern, die die Isaf-Mission personell und finanziell unterstützen.
Die International Crisis Group, ein führender Sicherheitspolitik-Think-Tank, untersuchte bereits 2008 in der Studie "Taliban Propaganda: Winning the War of Words" die Strategie der Taliban. Das Fazit: Die Taliban nutzen die Fehler der Regierung in Kabul und der Alliierten erfolgreich aus und schwächen die öffentliche Unterstützung für den Aufbau des Landes.
"Seit wir die Studie veröffentlicht haben, ist das Propaganda-Netzwerk der Taliban noch dichter geworden", sagte Candace Rondeaux, Analystin der International Crisis Group in Kabul zu sueddeutsche.de. "Immer mehr Attentate der Taliban oder Angriffe der Isaf verbreiten die Taliban sofort in entlegene afghanische Dörfer und rund um den Globus."
Die Taliban haben in dem Kampf strategisch gleich mehrere Vorteile. Jeder durch Nato-Truppen getötete afghanische Zivilist bietet Aufständischen genauso Material für ihre Propaganda-Maschine wie ein erfolgreicher Anschlag auf die Nato-Truppen, die die Taliban als "Besatzer" bezeichnen. Für die Nato ist beides ein Fiasko: Tote Zivilisten oder tote Soldaten schaden dem Ruf der Mission in Afghanistan wie im Ausland.
Der zweite große Vorteil der Taliban: Mit der Wahrheit müssen sie es nicht genau nehmen. Während die Isaf-Abteilung für die Öffentlichkeitsarbeit noch damit beschäftigt ist, die Hintergründe eines Anschlags oder die Folgen eines Angriffs zu recherchieren, haben die Taliban ihre Nachricht längst mit dem gewünschten Tenor verbreitet.
Das Problem hat die Nato längst erkannt. "Im Propagandakrieg muss man schnell reagieren. Man darf keine Mitteilung herausgeben, in der es heißt: 'Wir untersuchen erst alle Fakten, bevor wir uns äußern'", sagt Bruce Riedel, der für US-Präsident Barack Obama federführend die neue Strategie für Afghanistan und Pakistan vorbereitet hat. Andererseits kann es sich die Nato nicht leisten, ständig falsche Zahlen herauszugeben.
Das scheint die Stimme des Dschihad überhaupt nicht zu stören. Die beiden Talibansprecher Zabihullah Mujahid und Qari Yusouf Ahmadi vermelden auf der Seite in drei Tagen mehr getötete Nato-Soldaten als die offiziellen Statistiken in einem Monat.
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Szene München
manchmal hab ich auch hier das Gefühl auf einer Außenstelle der Stimme des Dschihad gelandet zu sein.
Da schwelgen manche User euphorisch über jeden Toten Soldaten in der Zeitung, und eine generelle Schadenfreude scheint fast Pflicht geworden zu sein.
Auch die Medien hier im Lande können sich schön selbst an die Nase fassen, während diese aus Sensationsgier 5 Meldungen mit minimalem Unterschied zu jedem toten ISAF Soldaten kommen (wobei wieder Absatz 1 beginnt).
Noch "besser" für unsere Medien: Tote DURCH ISAF Soldaten! Da hat man auch ohne tiefer gehende Infos ( Oft sind es auch nur Mutmaßungen) Stoff für die ganze Woche, was anderweitige kostspielige Recherchen überflüssig macht. Deutsche Reporter sind bei den Kollegen im Ausland eh bekannt- als Stubenhocker, die warten was der britische Kollege von draußen ( Vor dem Feldlager / gesicherten Hotel an Infos mitgebracht hat.
Und die Schlimmste Kategorie überhaupt sind eh unsere Politiker und Prominente die von dem Zeug keine Ahnung haben, dies oft aber als Willkommene Ablenkung von Pleiten Pech und Pannen ihrer Partei o.ä. benutzen.
Manche wetten sogar dass unser Verteidigungsminister nicht mal weiß, wo Afg. überhaupt liegt. Wenn diese Leute dann durch die Gegend schwurbeln braucht es keine Talibanprobaganda mehr...
Der Afg. Widerstandskämpfer liest genauso wie wir im Internet die SZ, Bild und schaut Deutsches Fernsehen, der kennt die Stimmung im Land recht gut und weiß diese mit ein paar Bömbchen u.ä. zu seinen Gunsten zu manipulieren.
P.s. Es gibt nicht DIE omnipräsenten Taliban. Das sind Verschiedene Gruppen mit den verschiedensten Ziele, die sich zumeist auch nicht mal untereinander leiden können. Die allzu bekannten Taliban gibt es z.B. im Süden des Landes und sind derzeit auf dem Absteigenden Ast, während die TTP von Pakistan über die Grenze hinaus nach Afg wirken.
Vielleicht ist es ja auch so, dass Kritikfähigkeit und Skepsis nicht gerade die Eigenschaften sind, die im afghanischen Erzeihungs- und Bildungssystem gefördert werden. Dann geht man der Talibanpropaganda eben schneller auf den Leim. Auch scheint es mit dem Erinnerungsvermögen einiger Leute nicht weit her zu sein: Die Talibanherrschaft war ja nun erst recht kein Goldenes Zeitalter, in dem Milch und Honig flossen.
Warum erinnern Sie nicht daran, daß dieser Propagandakrieg
der Taliban eine Folge des völkerrechtswidrigen Krieges des Westens ist?
Merkt der Westen nun endlich, daß in der weiten Welt die nichtwestlichen Menschen auch nicht dümmer sind als die aus der sogenannten westlichen Zivilisation?
Wie wird sich unsere Welt nun entwickeln, wo unser Westen ein dermaßen mißrables Vorbild in der Welt vorgezeigt hat?
Oha, wer schreibt denn nur solche Sätze: "Seit der Rückkehr der Taliban nach Afghanistan tobt zwischen dem Westen und den radikalen Islamisten ein immer perfiderer Krieg der Worte. Es ist ein Kampf um die Herzen und Köpfe der afghanischen Bevölkerung, der auch darüber entscheiden wird, ob die Isaf-Mission zu einem Erfolg wird oder ob die Taliban am Ende die Oberhand behalten."
Da sind also die Meldungen auf den Taliban Webseiten einfach "perfide"??? Die Auflistungt von im Kampf getöteter Feinde ist also perfide... Aber wie perfid sind denn dann eigentlich unsere "freie" und vor allem immer "investigative" Presse???
Da werden die Pressekonferenzen der US Militärs ausführlich zitiert, besonders natürlich die immer euphorischen "Erfolgsmeldungen"... Da wird voller Stolz vermeldet, dass bei einem Drohnen Angriff der US Luftwaffe ein erfolgreicher Schlag gegen den Feind geführt wurde...
Da frägt nicht ein Jorunalist nach, wie die heldenhaften US Luftwaffe wissen kann, dass alle 30 - 40 oder 50 zerfetzen Menschen Terroristen waren...
Warum stört sich eigentlich kein Journalist daran, wenn diese erfolgreichen Drohnen Angriffe auf pakistanischem Staatsgebiet stattfinden???
Diese art der "Erfolgsmeldungen" erinnert doch recht stark an den "Bodycount" während des Vietnamkrieges. Nun ja auch dort wurde ohne unterbrechung gesiegt und natürlich die Freiheit verteidigt...
Ach ja, die US Streitkräfte warfen im Vietnam mehr Bomben ab, als während des ganzen Zweiten Weltkrieges eingesetzt wurden, dazu kam der grossflächige Einsatz von Napalm grossflächig und chemischen Kampfstoffen um ganze Wälder zu entlauben....
Ja und auch in Vietnam hat der pöse, pöse Feind den Krieg der Worte gewonnen...
Zitat: 'Wir untersuchen erst alle Fakten, bevor wir uns äußern'", sagt Bruce Riedel, der für US-Präsident Barack Obama federführend die neue Strategie für Afghanistan und Pakistan vorbereitet hat."