Eva Köhler mischt sich ein - charmant, aber unübersehbar.
Die Geschichte mit dem Zettel steht in jedem Porträt über die Gattin des neuen Bundespräsidenten zu lesen, weil sie einfach zu schön ist, um sie auszulassen. Sie sagt mehr aus über die 57jährige, als es all die diplomatischen Sätze tun, mit denen sich Eva Köhler in den vergangenen Wochen an ihre neue Rolle herangetastet hat.
Eva Köhler (© Foto: dpa)
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Als ihr Mann an der Universität Tübingen einen Vortrag hielt und sich darüber ausließ, die Wirtschaft müsse mehr dafür tun, dass Frauen Familie und Beruf unter einen Hut bekommen, da hielt seine Frau einen Zettel hoch. "Männer auch", stand darauf.
Eva Köhler mischt sich also ein, charmant, aber unübersehbar. Sie habe sich oft wie eine allein erziehende Mutter gefühlt, berichtete sie kürzlich - mit einem Mann, der im Finanzministerium, beim deutschen Sparkassen- und Giroverband, zuletzt dann als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) Karriere gemacht hat und selten zu Hause war.
Nach der Geburt der Kinder Ulrike und Jochen hatte sie für eine Weile ihre Arbeit als Lehrerin an einer Schule für lernbehinderte Kinder aufgegeben, und als Tochter Ulrike eine unheilbare Augenkrankheit bekam und blind wurde, gab sie ihren Beruf als Lehrerin für Deutsch, Geschichte und Religion ganz auf.
Sie wurde "Hausfrau" - was eine grobe Untertreibung ist beim Leben einer Frau, die an der Seite ihres Mannes den IWF repräsentieren musste, die Wohltätigkeitsveranstaltungen ausrichtete, die Ehrenvorsitzende des Vereins war, der sich um IWF-Angehörige kümmerte, die ein Jugendbuch über die Arbeit des IWF betreute. Und die eine behinderte, inzwischen erwachsene Tochter hat.
Eva Köhler gilt als "nett". Dieses Wort kommt mindestens ebenso häufig in allen Erzählungen über die gebürtige Ludwigsburgerin vor wie die Geschichte mit dem Zettel. Dieses unscheinbare Wort erzählt vermutlich mehr über sie als höfliche Sätze wie: "Falls mein Mann gewählt werden sollte, fände ich es schön, wenn Frau Rau mir etwas von ihren Erfahrungen mitteilen könnte." Oder: "Als Lehrerin liegen mir natürlich die Nöte der Kinder am Herzen. Aber ich finde, man darf auch die Sorgen unserer älteren Mitbürger nicht vergessen."
Nett bedeutet, wenn es eine Präsidentengattin beschreibt: unprätentiös, locker, uneingebildet, unkompliziert. Ihre Wortwahl, ihre Reaktionen zeigen das. Auf die Frage, ob sie auf Druck ihres Mannes aus der SPD ausgetreten sei, der sie wegen Willy Brandts Ostpolitik Anfang der 70er Jahre beigetreten war, lacht sie und sagt: "Im Leben nicht." Schließlich habe sie ihm ja auch nicht verboten, in die CDU einzutreten. Sie habe ganz gern ihre eigene Meinung, und die Politik Oskar Lafontaines habe sie aus der SPD getrieben, nicht ihr Mann.
Sie erzählt von netten Nachbarn in Washington und von den Plänen für die Einrichtung der Wohnung in Berlin-Charlottenburg, vom unehelichen Kind, das Sohn Jochen mit 17 zeugte und von den Ängsten und Sorgen um die blinde Tochter - nett eben, und offen.Eva Köhler hat auf ihren Reisen viel Kinderarmut gesehen. Sie will etwas für Kinder in Not tun. Oder ein Projekt für Blinde ins Leben rufen. Denn diese Not kennt sie aus eigener Erfahrung.
(SZ vom 24. Mai 2004)
Debatte über Militäreinsatz in Syrien