Polizeieinsatz gegen Albaner Kämpfe erschüttern Mazedonien - Nato beunruhigt

  • Ein großangelegter Polizeieinsatz gegen eine bewaffnete Gruppe mit mindestens 22 Toten erschüttert Mazedonien. Bei den Kämpfern soll es sich um ethnische Albaner handeln.
  • Viele Einwohner des Kampfgebietes sind nach Serbien geflüchtet.
  • Die zweitägigen Gefechte hatten mit einer Razzia in der Stadt Kumanovo begonnen.
  • EU und Nato zeigen sich besorgt über die Auseinandersetzung in dem Beitrittskandidaten-Land.

Schwere Zusammenstöße in Makedonien

In Mazedonien sind bei einer großangelegten Polizeiaktion gegen eine Gruppe von Bewaffneten mindestens 22 Menschen getötet worden. Bei dem zweitägigen Einsatz der Sicherheitskräfte in der Stadt Kumanovo wurden acht Polizisten getötet und 37 Beamte zum Teil schwer verletzt, sagte Regierungschef Nikola Gruevski am Sonntag in Skopje.

Auf Seiten der Gegner - Gruevski sprach von "Terroristen" - seien mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen. 30 Männer seien verhaftet worden. Nach Darstellung des Innenministeriums kann sich die Zahl der Toten noch erhöhen. Der Polizeieinsatz sei mittlerweise beendet, die bewaffnete Gruppe "neutralisiert".

EU und Nato beunruhigt

Die EU-Kommission und die Nato zeigten sich besorgt über die blutigen Auseinandersetzungen in dem Balkanland. Alle Verantwortlichen müssten zusammenarbeiten, um wieder Ruhe herzustellen, forderte Nato- Generalsekretär Jens Stoltenberg in Brüssel. Mazedonien ist seit zehn Jahren EU-Beitrittskandidat und strebt auch eine Aufnahme in die Nato an.

Die mazedonische Opposition beschuldigte die Regierung, den Konflikt inmitten einer politischen Dauerkrise gezielt angeheizt zu haben. Der frühere mazedonische General Ilija Nikolovski sah Söldner hinter den Kämpfen in der drittgrößten Stadt des Landes: "Ich weiß nicht, wer der Organisator ist und wer die Krise kontrolliert, aber ich habe den Eindruck, dass ihm die Ereignisse außer Kontrolle geraten sind."

Kumanovo liegt 40 Kilometer nordöstlich von Skopje und hat einen hohen albanischen Bevölkerungsanteil. Die Albaner stellen insgesamt bis zu 30 Prozent der zwei Millionen Einwohner Mazedoniens. Die Mehrheit sind orthodoxe Slawen. Schon 2001 war es zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen gekommen, die durch Vermittlung der EU beendet werden konnten. Seitdem beschweren sich Albaner, die Absprachen seien von der Regierung nicht eingehalten worden.

Razzia löst Gefechte aus

Die Zusammenstöße hatten am Samstagmorgen mit einer Razzia in einem mehrheitlich von ethnischen Albanern bewohnten Viertel begonnen. Die Polizei verdächtigte die Gruppe, einen "Terroranschlag" auf staatliche Einrichtungen und Zivilisten zu planen. Die Polizei ließ Gebäude räumen und durchsuchte in einem überwiegend von Albanern bewohnten Viertel Haus für Haus. Das Innenministerium bezifferte die Zahl der Bewaffneten auf bis zu 70. Regierungschef Gruevski sprach von 40 Bewaffneten, die das Land destabilisieren wollten.

Am Samstagabend ergaben sich 27 Personen den Sicherheitskräften. Ihre Anführer sollen laut Regierung aus dem benachbarten Kosovo stammen, das fast nur noch von Albanern bewohnt wird. Tausende Menschen flohen aus Kumanovo ins benachbarten Serbien. Auch dort lebt eine albanische Minderheit, die oft auf Konfrontationskurs mit der Regierung in Belgrad geht. Serbien entsandte Spezialpolizei an die Grenze.

Unter den "Terroristen" seien Kämpfer gewesen, die Kriegserfahrungen im Nahen und Mittleren Osten gesammelt hätten, erläuterte Regierungschef Gruevski. Sie seien auch für den Überfall auf eine mazedonische Grenzstation vor zwei Wochen verantwortlich. Die Kämpfe in Kumanovo seien keinesfalls ein Konflikt zwischen der slawischen Mehrheitsbevölkerung des Landes und der albanischen Minderheit.