Per Internetvideo rüttelt ein russischer Polizist das ganze Land auf - indem er über seinen miserablen Arbeitsalltag spricht. Nun wird er von Unbekannten verfolgt und fürchtet um seine Frau.
Er hat für das Video seine Polizeiuniform angezogen und trägt darauf die Schulterklappen eines Majors. Er spricht deutlich, aber die Schultern hängen herab, als würden sie von einer gewaltigen Last niedergedrückt. Alexej Dymowskij macht hin und wieder einen tiefen Seufzer und eine Pause, wie um sich zu sammeln für seine offenherzige Rede an Wladimir Putin.
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Russische Polizisten vor einem Bild des damaligen Präsidenten Wladimir Putin. (© Archivfoto: AP)
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Er nennt ihn Wladimir Wladimirowitsch - und doch spricht Dymowskij viel mehr Menschen an als nur den russischen Ministerpräsidenten. Hunderttausende haben auf YouTube die Videobotschaft des 32 Jahre alten Polizeioffiziers angeklickt, die für ihn eine Art persönliche Befreiung sein sollte und eine aufrüttelnde Rede an das ganze Land. Das hat ihn den Job gekostet.
Dymowskij arbeitete jahrelang bei der Miliz in der Stadt Noworossijsk, doch so wie bisher wollte er nicht weitermachen. Von 31 Tagen im Monat müsse er 30 zum Dienst erscheinen, klagt er, an Samstagen auch noch ohne Bezahlung, die sowieso nur bei 14.000 Rubel liege, etwa 325 Euro. Zehn Jahre sei er nun bei der Miliz, zwei Frauen hätten ihn bereits verlassen, weil er für das Familienleben keine Zeit mehr habe. Dymowskij kritisiert in dem Film, dass er im Krankenhaus auf Druck seiner Vorgesetzten nicht behandelt worden sei, weil er angeblich nicht genug Fälle aufgeklärt habe. Und er sei gedrängt worden, Unschuldige zu verhaften.
Etwa sechs Minuten dauern die zwei Videobotschaften, die wie Hilferufe wirken und nun auch die russische Politik alarmiert haben. Innenminister Raschid Nurgalijew ordnete die Entlassung des Milizionärs an, dem auch ein Gerichtsverfahren wegen Verleumdung droht. Doch auch Kollegen stören sich an Dymowskijs Offenheit.
"Wir sind nicht einverstanden mit unserem Kollegen, den wir kaum einen Kollegen nennen können, weil der Major seit August nicht mehr zur Arbeit erschienen ist", erklärte die örtliche Polizei. Und eine Miliz-Sprecherin sagte der Nachrichtenagentur Interfax, "Menschen werden nicht Ermittler bei der Polizei, um reich zu werden, sondern weil es ihre Berufung ist."
Von Autos verfolgt
Nach seiner Brandrede sprach Dymowskij von Autos, die ihn verfolgten. Seine dritte Frau, die laut russischen Medien schwanger ist, wolle er nach Moskau in Sicherheit bringen. Im Notfall könne er auch unter Polizeischutz gestellt werden, sagte ein Anwalt. Doch am Montag tauchten auch Vorwürfe gegen Dymowskij auf. Interfax berichtete, dass es zum Zeitpunkt der Videobotschaften eine Untersuchung gegen ihn gegeben habe, weil er es in einem Fall unterlassen habe, gegen Drogenhandel vorzugehen.
Der Major scheint dennoch einen Nerv getroffen zu haben, wie die Zahl der Blogger und die Medienresonanz zeigt. Die Zeitung Wedomosti machte ihn zum Mann der Woche. "Dymowskij hat ausgesprochen, was fast jeder Polizeibeamte in Russland denkt", sagte Michail Paschkin von der Moskauer Polizeigewerkschaft im Radiosender Echo Moskau.
Die Videos des Beamten fallen in eine Zeit, in der das russische Innenministerium das Problem der Korruption härter denn je bekämpfen will. Der Ruf der Polizei muss verbessert werden, das hat Moskau nicht erst erkannt, als vor wenigen Monaten ein uniformierter Beamter in einem Supermarkt mehrere Menschen erschoss.
Viele Milizionäre gelten als rüde und wenig hilfsbereit. Immer wieder gibt es Berichte über prügelnde und bestechliche Polizisten, weshalb Innenminister Nurgalijew eine Reform der Polizeiausbildung angekündigt hat, nach der es keine unprofessionellen Beamten mehr geben solle. Neben der Aufklärung von Straftaten sollen die Beamten künftig vor allem Wert auf einen besseren Umgang mit der Bevölkerung legen. Ob es etwas nutzt, wird sich zeigen. Das gilt auch für die Videos des Majors. Mehrere Blogger schrieben, "Dymowskij, du bist ein echter Kerl!" Ein anderer fragte nur skeptisch: "Was nützt das Ganze?"
(SZ vom 10.11.2009/mati)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
Im Internet kursieren Gerüchte das Bankkonto dieses Mannes sei plötzlich leer gewesen. Zudem seien in Russland Beiträge im Internet über ihn plötzlich ohne Text. Ob das stimmt oder nicht: Daß Russlands Polizei am Ar*** ist ist Fakt. Bei derartig mieser Bezahlung leidet zum einen die Würde und zum anderen steigt natürlich die Gefahr daß Korruption zum Ersatzerwerbszweig wird - wenn sich das in Ruslland nicht ohnehin schon seit sehr, sehr langer Zeit als Quasi-"Tradition" eingeschliffen hat (jeder der nicht mitspielt wird dann zum "Außenseiter").
Mir hat ein Russe den ich in München traf Folgendes berichtet: In das Haus seiner Familie in Moskau wurde eingebrochen. Man rief die Polizei. Die kam auch und traf noch auf den Einbrecher. Die Polizei schoß auf den Einbrecher, der getroffen auf der Straße zusammenbrach. Dann hat die Polizei eine Stunde lang dabei zugeschaut wie der Einbrecher langsam starb. Weder empfand sie es als nötig Erste Hilfe zu leisten, noch einen Notarztwagen zu rufen. Ich bin einigermaßen verzeifelt wenn ich mir überlege wie man diesem Russland nur helfen könnte. Man möchte sich nicht besserwisserisch "einmischen", aber hat Mitgefühl. Und es macht einen sauer daß so gute Menschen wie dieser Polizist vom Staat verfolgt werden.
mittlerweile sind die U / S-bahnhöfe auch nicht mehr so sicher wie früher, da haben sie völlig Recht, jedoch liegt es wahrscheinlich daran, dass die Verkehrsvereine die meisten Kameras, die dort installiert sind, nicht einschalten, s. MVV-Berichte der letzten Monate.
Hartz4? eigentlich studiere ich momenan Jura nach einem erfolgreich absolvierten bayerischen Abitur... nein, nein lieber Freund ich bin noch rechtlich gesehen, ein weißrussischer Staatsbürger, da es noch einige Zeit bis zu meiner deutschen Staatsbürgerschaft braucht. Mein Patriotismus gegenüber den alten UDSSR-Staaten hat aber leider schon vor Jahren ausgesetzt.
p.s. wenn sie schon den guten Onkel Adenauer zitieren, schreiben sie es aus Copyrightgründen am besten drunter, es könnte ja jemand denken, der Spruch stamme von ihnen.
auf Kritik wird reagiert in der Stalinzeit: Den Kritiker verunglimpfen und kriminalisieren, Kollegen als Zeugen gegen den Kritiker in Stellung bringen. Es folgt der Prozeß, wenn der Kritiker Glück hat, hört die Gegenreaktion hier auf. Ansonsten folgt die physische Vernichtung, also der Tod.
Schrecklich.
Russland ist auch nicht demokratischer als Afghanistan. Aber, kommt die Weltpolizei auf die Idee, dort einzufallen?
(Respekt, der Mann hat Mumm)
Hallo Vigor, gehen Sie doch mal um diese Zeit, in eine deutsche U-Bahn Station, nur einfach mal so. Im übrigen verstehe ich nicht, dass es auch belarussische Hartz4ler gibt.
Aber wahrscheinlich sind Sie ja jetzt ein lupenreiner Deutscher.
Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont
Paging