Bestand die "Rückkehr des Staates" also nur in seinem spektakulären Auftritt als Sanitäter, der fleißig und professionell die Wunden verbinden musste, damit die Verletzten zur Truppe zurückkehren und weitermachen konnten? Und wer kümmert sich später um die Sanitäter? Sie haben ihre Schuldigkeit getan.
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Nach der Krise werden Bund, Länder und Gemeinden nicht stärker, sondern schwächer sein als vorher. Sie werden noch mehr danach beurteilt werden, was sie für das Aufholen der Wirtschaft tun. In den Kommunen wird weiter privatisiert werden; nicht mehr, weil eine Mehrheit der Gemeinderäte dies für nützlich hielte, sondern weil man sonst keinen ausgeglichenen Etat zustande bringt. In den Ländern werden weiterhin Polizeistellen abgebaut, während das private Sicherheitsgewerbe wächst; nicht, weil eine Mehrheit des Landtags dies gut fände, sondern weil der Finanzminister den Etat des Innenministers kürzen muss.
Studiengebühren werden eher erhöht als gesenkt oder abgeschafft; nicht, weil dies die Qualität der Lehre verbessern würde, sondern weil nicht genug Geld für das Nötigste da ist. Die Einwerbung von Drittmitteln wird noch mehr Zeit von Professoren binden; nicht, weil dies unsere Wissenschaft beflügelt, sondern weil sonst gar nichts mehr läuft. Public Private Partnership dürfte sich ausdehnen; nicht, weil die Erfahrungen damit besonders gut wären, sondern weil Unerlässliches sonst unterbleiben müsste.
Kurz: Es wird genau das sich fortsetzen, und zwar mit gesteigerter Intensität, was die Marktradikalen uns angepriesen haben. Nein, die unbegrenzte Freiheit bei wachsendem Wohlstand wird nicht mehr versprochen. Aber der Sachzwang, die behauptete Alternativlosigkeit wird ausreichen, uns in Richtung Marktstaat zu drängen. Die Spaltung der Gesellschaft in Gewinner und Verlierer wird sich beschleunigen, und niemand weiß, ob sich die Konflikte, die dann entstehen, noch in demokratischen Formen austragen lassen. Spaltung der Gesellschaft ist auf allen Kontinenten verbunden mit Privatisierung der Gewalt und Zerbröseln des staatlichen Gewaltmonopols, also auch der Rechtssicherheit, ohne die auch Märkte nicht gedeihen. Wir könnten von der Finanzkrise über die Wirtschaftskrise in die Staatskrise schlittern.
Das alles lässt sich ohne große Phantasie absehen. Aber es bedeutet nicht, dass alle, die jetzt Steuersenkungen versprechen, dies wollen. Der FDP darf man ohne Bosheit unterstellen, dass sie durch solche Aussichten nicht um den Schlaf gebracht wird. Einem Teil der Union auch. Er ist wohl eher eine Minderheit. Aber sie werden bei Schwarz-Gelb die besseren Karten haben.
Und die, dies alles nicht wollen? Die überzeugt sind, dass Demokratie nur möglich ist, wenn der Wille der Mehrheit sich gegen jene Minderheit durchsetzen kann, die sich durch die Finanzkrise diskreditiert hat? Sie müssen zumindest klarmachen, vor welchen Alternativen wir stehen und dass sie den Staat nicht als Sanitäter, sondern als Arzt verstehen, der auch dafür verantwortlich ist, dass nicht die alten Dummheiten den Genesenen wieder ins Krankenhaus bringen.
Erhard Eppler, 82, leitete die SPD-Grundwertekommission von 1973 bis 1992. Er war Bundesminister für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Präsident des Evangelischen Kirchentags.
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(SZ vom 3. August 2009/mati/gba)
Reiseknigge: Türkei
natuerlich hat er mit (fast) jedem Wort recht, dass er jetzt von sich gibt, aber es ist der gleiche Eppler, der warum auch immer der Agenda 2010 das Wort geredet hat, der Lafontaine der "unseriositaet und Unanstaendigkeit" bezichtigt hat., der somit bei der Zerstoerung der sozialen Sicherungssysteme einen unruehmlichen Beitrag geleistet hat.
Bevor die SPD sich nicht von der Politik der letzten 10 Jahre verabschiedet und deren "Lichtgestalten" ihre schlimmen Fehler einrauemen, bleibt SPD und mithin auch Eppler vollkommen unglaubwuerdig.
zeigt den momentanen Zustand Deutschlands auf,das machten aber schon einige vor ihm.
Eine Lösung hat er nicht parat und seine Partei war es die den Stein ins Rollen brachte.
Wer damals die SPD wählte müsste sich noch 10 Jahre bei den Deutschen entschuldigen,also Herr Eppler ,halten sie ihren Mund.
@ Ankur: Na dann freuen Sie sich schon mal auf eine gewisse neue Vernunft. Gutes Gelingen!
@ankur
"Wenigstens schaut die SPD mit dem Programm nun vorwärts..."
Ja richtig, aber in Richtung Projekt 18. Da wird sich der Spaßonkel der Liberalen am Wahlabend sicher das Feixen nich verkneifen können. Ansonsten setzen sie auf die Vergeßlichkeit des Publikums.
Wem zum Sieg verholfen wird ist mir fast egal. Hauptsache es regiert irgendwann die Vernunft.
Die SPD scheint immerhin was gelernt zu haben - die Wende ende der sechziger kam mit neuen Ideen zur Bildung, die siebziger und achtiger wurden damit verplempert, Kohle und Stahl künstlich mit Subventionen am Leben zu erhalten. Das hat unglaublich viel Geld gekostet, Gelder die für Bildung und "neue" Industrien wie Halbleiter / Maschinenbau und die boomenden Automobilzulieferer nicht zur Verfügung standen.
Wenigstens schaut die SPD mit dem Programm nun vorwärts und nicht zurück wie die Konkurrenz am linken Rand.
Paging