Zwar ist die Unions-Begeisterung wieder etwas abgeflaut, der Vorsprung des bürgerlichen Lagers ist aber weiter enorm. Einen Aufschwung erleben zurzeit die kleineren Parteien.

In der politischen Stimmung Anfang Juni hat die Union erstmals seit Jahresbeginn wieder Einbußen, bewegt sich jedoch weiter auf hohem Niveau. Während auch die SPD leicht verliert, geht es für Grüne, FDP und PDS, aber auch für die sonstigen Parteien etwas nach oben.

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Der Vorsprung von Schwarz-Gelb vor Rot-Grün beträgt aktuell 19 Prozentpunkte, 100 Tage vor der letzten Bundestagswahl im Juni 2002 waren dies elf Punkte. Nach einem klaren Stimmungsplus als unmittelbare Folge der NRW-Wahl Ende Mai erreicht die CDU/CSU jetzt noch 47% (-5), die SPD kommt auf 26% (-1), die Grünen können sich auf 9% (+2), die FDP auf 7% (+2) und die PDS auf 5% (+1) steigern, die sonstigen Parteien verbessern sich auf insgesamt 6% (+1).

Merkel sieben Prozentpunkte vor Schröder

Bei der Frage nach dem gewünschten Bundeskanzler erreicht Angela Merkel nach 50% Ende Mai nun 48%, für Gerhard Schröder entscheiden sich nach zuletzt 44% jetzt 41%. Die Herausforderin kann somit ihren Vorsprung minimal auf sieben Prozentpunkte ausbauen, gleichzeitig ist aber auch der Anteil der Unentschlossenen von 7% auf 11% angewachsen. Und während es für die CDU-Chefin im Westen kaum Veränderungen gibt, hat Angela Merkel im Osten Verluste und liegt mit 44% nur noch knapp vor Gerhard Schröder mit 42%. Im Westen kommt der amtierende Regierungschef auf 41%, Angela Merkel hingegen wollen hier 49% lieber als Bundeskanzlerin.

Beliebtester Politiker bleibt trotz Imageeinbußen der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (1,4), weiterhin gefolgt von Angela Merkel (0,8), sowie Außenminister Joschka Fischer (0,3), beide mit leichten Verlusten. Obwohl beim Ansehen auch Edmund Stoiber (0,1) verliert, gelingt ihm der Sprung von Platz Sechs auf Vier. Bundeskanzler Gerhard Schröder (0,0) rangiert bei ebenfalls rückläufiger Reputation weiter auf Position fünf.

Resultat der Unzufriedenheit mit den Leistungen der Bundesregierung sowie der Ablehnung des rot-grünen Koalitionsmodells ist eine ausgeprägte Wechselstimmung: Nach 60% Ende Mai meinen nun 64% der Wahlberechtigten, dass es an der Zeit für andere Parteien in der Regierung wäre. Im Juni 2002, drei Monate vor der letzten Bundestagswahl, wollten 46% eine Neubesetzung der Regierungsbank, im Juni 1998 forderten dagegen 72% den - dann auch eingetretenen - Wechsel.

Die EU-Mitgliedschaft Deutschlands bewerten die Bundesbürger auch nach dem Scheitern der Referenden zur europäischen Verfassung in Frankreich und den Niederlanden weiterhin ambivalent: Während 32% darin eher Nachteile und 24% eher Vorteile für unser Land sehen, hat die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft für 41% gleichermaßen positive wie negative Seiten - eine relative Mehrheit, die trotz Schwankungen und diverser anderer Krisen bereits seit Inkrafttreten der Verträge von Maastricht im Jahr 1992 Bestand hat.

Im Politbarometer werden die Haupttrends der Befragung in der Zeit vom 7. bis 9. Juni 2005 in Deutschland dargestellt. Dabei hat die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen 1298 Interviews ausgewertet, 1041 aus dem Westen und 257 aus dem Osten. Die Politbarometer-Untersuchungen werden im Auftrag des ZDF erhoben.

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(sueddeutsche.de)