Kulinarisch anspruchsvoll, eitel und absurd: Wie in der politischen Festsaison Berlins im Schatten der Schirme Illusionen gepflegt werden.
Man kann sagen, dass der Höhepunkt vorbei ist. Das Sommerfest, das am höchsten hinaus will, ist für diese Saison schon wieder Geschichte. Es findet alljährlich Anfang Juli auf dem Dach des Auswärtigen Amts statt, von hier aus hat man, in Konkurrenz zu allen anderen Sommerfesten der Hauptstadt, die bei weitem schönste Aussicht.
Günther Oettinger: Bei der Feier in der Vertretung von Baden-Württemberg war es so voll, dass auf die Nachbar-Botschaft ausgewichen werden musste. (© Foto: dpa)
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Wer hier einmal an einem lauen Sommerabend mit Joschka Fischer ein Gläschen Ausblick genossen hat, dabei über die Zukunft der Welt im Speziellen und des Kosmos im Allgemeinen diskutierte, kommt immer wieder.
Das Gefühl der Wichtigkeit ist nirgends größer. Mit Blick auf den Berliner Fernsehturm auf der einen und die Reichstagskuppel auf der anderen Seite verschmelzen die diversen Eitelkeiten bestens.
Nun muss man erwähnen, dass sich seit dem Ministerwechsel von Joschka Fischer zu Frank-Walter Steinmeier etwas verändert hat. Die Gespräche sind mit ihm bodenständiger geworden, mehr down to earth irgendwie, wie Vorgänger Fischer das selbst hier oben wahrscheinlich formulieren würde.
Außerdem stehen in diesem Jahr überall gepolsterte Korbsessel und Korbsofas, "Lounge-Charakter" lautet das Stichwort. Es ist, als habe mit Steinmeier auf der Dachterrasse ein bisschen auch Jürgen Klinsmann Einzug gehalten. Das Vereinsgelände des FC Bayern soll ja seit der Ankunft des Schwaben ganz ähnlich möbliert sein.
Eines freilich kann auch Steinmeier nicht verhindern: Dass hinein in die entspannte, alkoholbeflügelte Atmosphäre immer mal wieder Blitze der Realität saußen. Als ihn am Dienstagabend zu späterer Stunde ein Journalist als Kanzlerkandidaten begrüßt, bleibt Steinmeier nur eine sehr kurze Schrecksekunde, um zu reagieren. Seine Antwort: Er reicht die Hand und bedankt sich. Kommunikation in komplizierten Zeiten.
Was man natürlich nicht total ernst nehmen sollte. Wie man ohnehin nicht alles ernst nehmen sollte auf derlei Sommerfesten. In seiner Ansprache will Steinmeier über das nächste Jahr sprechen, es soll, ganz standesgemäß, um die Beziehung zu den USA gehen. Aber seine Sätze sind allesamt so formuliert, dass man sie auch auf die SPD und die Lage ihres Dann-wohl-Kanzlerkandidaten Steinmeier beziehen könnte.
Gemünzt aufs Jahr 2009 erklärt der SPD-Vize: "Das kann ein Jahr der Möglichkeiten werden, wir stehen vor wichtigen Wegmarken, da wird sich viel entscheiden." Das Publikum schmunzelt, Steinmeier schmunzelt mit. Wer es gehört hat, nickt wissend.
Lesen Sie, welche Feste man unbedingt einmal erlebt haben sollte und was das Besondere an der Feier der Baden-Württemberger war.
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Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
Ein Druckfehler: nun korrigiert!
"Mehr oder weniger sie alle haben das Volk arm gemacht, verraten, da sie anderen dienen."
r.kendel
Was soll dieses Geschichtchen über Leute, deren Weltbild offensichtlich gespalten, die schwafeln über Gott und die Welt, während sie doch real einer Politik der Bosheiten und Gemeinheiten fürs Volk dienen.
mehr oder weniger sie alle haben das Volk arm gemacht, verraten, da sie anderen dienen.
r.kendel