Von Verena Wolff

Beschaulich geht es zu in der Kuppenrhön - doch der Schein trog viele Jahre lang. Denn hier standen sich Ost und West Aug' in Aug' gegenüber. So nah wie sonst nirgendwo.

Sie hießen Taylor, Smith und Mosites. Sie kamen aus allen Winkeln der Vereinigten Staaten und dienten ihrer Army mitten in der Rhön. Zwischen Hessen und Thüringen, zwischen Rasdorf und Geisa. Am heißesten Punkt im Kalten Krieg, wie Sir Peter Ustinov den Streifen zwischen den beiden heutigen Bundesländern einst nannte. Sie lebten in Baracken, durch die im Winter der eisige Wind zog und in die in den heißen Sommern kein Lüftchen drang. Eng war es dort, nicht besonders komfortabel und vor allem - mitten im Nirgendwo.

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Am Point Alpha wurden die stationierten US-Soldaten Zeugen von verzweifelten Fluchtversuchen. (© Foto: dpa)

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Denn hier, mitten in der Rhön, ist wahrlich nicht der Nabel der Welt. Im Osten Geisa, ein verschlafenes Dorf, im Westen Rasdorf, in dem es ebenfalls beschaulich zugeht. Rund 50 Kilometer sind es nach Eisenach, 30 etwa nach Fulda. Immer auf der Landstraße, durch die Kuppenrhön. Felder und Wiesen säumen den Weg, und immer wieder Wald. Für die 140 Kilometer nach Frankfurt braucht man gut zwei Stunden. Etwa doppelt so weit ist der Weg nach Leipzig.

Taylor, Smith, Mosites und die Hunderte anderen Soldaten, die die Army in dieses beschauliche, aber einsame Fleckchen Erde beordert hat, hatten nicht viel Abwechslung. Aber sie hatten wohl mit die gefährlichsten Jobs, die in Zeiten des Kalten Krieges zu vergeben waren. Sie schützten die deutsch-deutsche Grenze.

Die sogenannte Fulda Gap, die Lücke bei Fulda, war ein spannender und spannungsgeladener Punkt. Hier, mitten in den Hügeln der Rhön, standen sich während des Kalten Krieges amerikanische Truppen und DDR-Grenzpolizisten buchstäblich Auge in Auge gegenüber. Die Amerikaner sicherten die Grenze nach Westen, die DDR-Grenzpolizei war dafür zuständig, ihre Bürger im Land zu halten.

Rund um die Uhr wurde die frühere deutsch-deutsche Grenze bewacht. Und so nah wie dort waren sich die Soldaten nur an wenigen Stellen. Diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs waren Tausende Soldaten stationiert. Die US-Army allein hatte mehr als 5000 Soldaten in der Region. Die westlichen Kriegsszenarien gingen davon aus, dass sich Truppen des Warschauer Paktes diese Senke zwischen Rhön und Vogelsberg für einen Angriff aussuchen würden.

Die US-Soldaten, die bei Wind und Wetter an der Grenze standen oder in so genannten Fuchslöchern unter der Erde über die Grenze spähten, hatten nicht nur den Feind im Blick - sie sahen auch die verzweifelten Menschen, die nicht anderes wollten als über die Grenze, zu Verwandten, Bekannten, Freunden.

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