Planungsdesaster Berlin-Brandenburg Berliner Flughafen gilt schon jetzt als zu klein

Der Flughafen BER ist derzeit für rund 27 Millionen Passagiere im Jahr ausgelegt. Die bisherigen Berliner Airports Schönefeld und Tegel hätten diese Schwelle bei andauerndem Wachstum bereits 2013 erreicht, heißt es.

(Foto: dapd)

Noch vor der Eröffnung gilt der neue Flughafen Berlin-Brandenburg als ausbaubedürftig. In einem internen Protokoll des Bundesverkehrsministeriums übt der Technikchef Kritik. Ärger gibt es auch mit der Gewerkschafft IG Bau wegen vier toten Bauarbeitern.

So oft wurde die Eröffnung verschoben, und jetzt könnte am Ende der Platz gar nicht reichen: Der neue Großflughafen Berlin-Brandenburg (BER) gilt einem internen Bericht zufolge schon vor der Oktober 2013 geplanten Eröffnung als ausbaubedürftig. Man operiere von vornherein an der Kapazitätsgrenze, das System sei ausgelastet, heißt es nach Informationen der Wirtschaftswoche in einem Protokoll der "Soko BER" des Bundesverkehrsministeriums. Technikchef Horst Amann soll diese Aussage getätigt haben. Der Flughafenbetreiber hatte Vorwürfe, der neue Airport sei zu klein ausgefallen, stets zurückgewiesen.

Das dem Magazin vorliegende Protokoll mit Fragen zu geplanten Erweiterungsinvestitionen datiert vom 31. August. Der Flughafen BER ist derzeit für etwa 27 Millionen Passagiere im Jahr ausgelegt. Die bisherigen Berliner Airports Schönefeld und Tegel hätten diese Schwelle bei andauerndem Wachstum bereits 2013 erreicht, heißt es laut Wirtschaftswoche in dem Protokoll. Weitere Investitionen an dem 4,3 Milliarden teuren Großflughafen müssten nach der Eröffnung zügig folgen. "Die Frage einer Erweiterung werde sich bald stellen", zitiert das Protokoll den Technikchef weiter. Der Bau hat bereits viel Kritik provoziert, weil das Eröffnungsdatum wegen schlechter Planung und zu langsamer Fortschritte mehrfach verschoben werden musste.

Kosten für Schallschutz werden immer höher

Ein am Dienstag veröffentlichtes Gutachten kommt zum selben Ergebnis. "Die Kapazitäten des neu errichteten Flughafens liegen deutlich unterhalb der Nachfrage", heißt es dort. Auftraggeber war die CDU-Fraktion im brandenburgischen Landtag.

Wie das Magazin Focus berichtet, drohen auch die Kosten für den Schallschutz weiter aus dem Ruder zu laufen. Bislang seien maximale Mehrausgaben von 591 Millionen Euro vorgesehen, nachdem das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg für einen strengen Schallschutz plädiert hatte. Bei der endgültigen Entscheidung im Dezember rechnen die Experten dem Bericht zufolge mit noch strengeren Auflagen, die den Flughafen sogar 750 Millionen Euro kosten würden. Der Mehrbedarf sei in die Mehrkosten für den Flughafen noch nicht einkalkuliert, heißt es im Focus.

IG Bau fordert mehr Sicherheit nach Todesfällen

Ärger gibt es auch mit der Gewerkschafft IG Bau. Sie fordert, die Sicherheitsrichtlinien auf der Baustelle stärker zu kontrollieren. Es müsse gewährleistet sein, dass die Vorschriften durchgesetzt würden, sagte der Regionalleiter der Gewerkschaft in Berlin und Brandenburg, Rainer Knerler.

Er reagierte mit seiner Forderung auf die Antwort auf eine Kleine Anfrage der Piratenpartei im Abgeordnetenhaus. Diese ergab, dass es auf der Baustelle bereits vier Tote gegeben hat. Knerler kritisierte, die Zahl hätte schon früher bekanntgemacht werden müssen. Er habe lediglich von einem Todesfall gewusst: "Dass es vier sind, hat mich überrascht."

Der Berliner Morgenpost sagte der Sprecher der Flughafengesellschaft, Ralf Kunkel: "Diese tödlichen Unfälle sind sehr bedauerlich, aber der BER ist eine vergleichsweise sichere Baustelle."

Knerler reagierte empört auf die Aussage. "So etwas zu behaupten, ist zynisch", sagte er. "Null tödliche Unfälle sind auch auf Großbaustellen möglich."