Plagiatsvorwurf gegen Guttenberg 19 Ghostwriter wider Willen

Sieben Jahre brauchte der Jurist Guttenberg für seine Dissertation - dabei hat er sich in langen Passagen bei Texten fremder Urheber bedient. Nach Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" ist er bei mindestens 19 Autoren so verfahren.

Von Daniel Brössler und Roland Preuß

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sieht in den Plagiatsvorwürfen gegen ihn keinen Grund zum Rücktritt. "Die Menschen in diesem Lande erwarten, dass ich mich um das fordernde Amt des Verteidigungsministers mit voller Kraft kümmere, und das kann ich auch", sagte er am Freitag in Berlin. Unterstützung bekam Guttenberg von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Opposition verlangte Aufklärung.

Guttenberg kündigte an, seinen Doktortitel bis zur Klärung der Vorwürfe durch die Universität Bayreuth nicht mehr führen zu wollen. Seine Doktorarbeit enthalte zwar "fraglos Fehler", worüber er selbst am "unglücklichsten" sei. Den Vorwurf, er habe abgeschrieben, wies er aber zurück. "Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat", sagte Guttenberg. Er habe "zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht". Die Arbeit sei "über etwa sieben Jahre neben meiner Berufs- und Abgeordnetentätigkeit als junger Familienvater in mühevoller Kleinstarbeit entstanden". Fühle sich jemand durch unkorrektes Zitieren verletzt, so tue ihm das "aufrichtig leid".

Guttenberg hat sich für seine Dissertation in langen Passagen bei Texten fremder Urheber bedient, ohne diese wie vorgeschrieben zu kennzeichnen. Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung ist er bei mindestens 19 Autoren so verfahren. Er hatte die Arbeit 2006 abgegeben, drei Jahre später erschien sie als Buch. Sein Verlag plant vorerst keine Neuauflage des ausverkauften Werks.

Der Minister machte deutlich, dass er sich vorerst nur noch gegenüber seiner früheren Universität und nicht gegenüber der Öffentlichkeit zu den Vorwürfen erklären will. Art und Zeitpunkt seiner Stellungnahme lösten in Berlin einen Eklat aus. Sie fand zeitgleich mit der Regierungspressekonferenz vor wenigen Vertretern von Agenturen und Fernsehsendern statt. Der größte Teil der Hauptstadtpresse war dadurch ausgeschlossen und hatte keine Gelegenheit zu Nachfragen. Die Pressekonferenz wurde daraufhin abgebrochen.

Zur Begründung für das ungewöhnliche Vorgehen hieß es aus Guttenbergs Umgebung, der Minister habe sich um den Tod eines Soldaten der Bundeswehr in Afghanistan kümmern wollen und deshalb eine für den Nachmittag geplante Presseerklärung vorverlegt. Für sein Verhalten entschuldigte er sich am Nachmittag bei der Bundespressekonferenz.

Das Vorhalten Guttenbergs löste auch in der Bundesregierung Verwunderung aus und provozierte Zweifel am Krisenmanagement des Ministers. Guttenberg war am Donnerstagabend nach der Rückkehr von einer Afghanistanreise von Kanzlerin Angela Merkel ins Kanzleramt gebeten worden. Über den Inhalt des Gesprächs wurde nichts mitgeteilt. Danach hieß es aber, Guttenberg genieße den Rückhalt der CDU-Chefin, sofern er Stellung zu den Vorwürfen nehme.

Aus der CSU erhielt Guttenberg Rückendeckung. Er habe "alles Notwendige erklärt", sagte Generalsekretär Alexander Dobrindt, "es ist ein Gebot der politischen Fairness, dass die Opposition jetzt endgültig ihre Vorverurteilungen einstellt." Die Opposition verschärfte indes ihre Kritik. Der Auftritt von Guttenberg sei "eine Brüskierung der Öffentlichkeit und das in einer Form, die wirklich jedes Gefühl für Stil und für Anstand vermissen lässt", sagte der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Jürgen Trittin.

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