Sieben Jahre brauchte der Jurist Guttenberg für seine Dissertation - dabei hat er sich in langen Passagen bei Texten fremder Urheber bedient. Nach Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" ist er bei mindestens 19 Autoren so verfahren.
Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sieht in den Plagiatsvorwürfen gegen ihn keinen Grund zum Rücktritt. "Die Menschen in diesem Lande erwarten, dass ich mich um das fordernde Amt des Verteidigungsministers mit voller Kraft kümmere, und das kann ich auch", sagte er am Freitag in Berlin. Unterstützung bekam Guttenberg von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Opposition verlangte Aufklärung.
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Originale und Doktorarbeit im Vergleich
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Guttenberg kündigte an, seinen Doktortitel bis zur Klärung der Vorwürfe durch die Universität Bayreuth nicht mehr führen zu wollen. Seine Doktorarbeit enthalte zwar "fraglos Fehler", worüber er selbst am "unglücklichsten" sei. Den Vorwurf, er habe abgeschrieben, wies er aber zurück. "Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat", sagte Guttenberg. Er habe "zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht". Die Arbeit sei "über etwa sieben Jahre neben meiner Berufs- und Abgeordnetentätigkeit als junger Familienvater in mühevoller Kleinstarbeit entstanden". Fühle sich jemand durch unkorrektes Zitieren verletzt, so tue ihm das "aufrichtig leid".
Guttenberg hat sich für seine Dissertation in langen Passagen bei Texten fremder Urheber bedient, ohne diese wie vorgeschrieben zu kennzeichnen. Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung ist er bei mindestens 19 Autoren so verfahren. Er hatte die Arbeit 2006 abgegeben, drei Jahre später erschien sie als Buch. Sein Verlag plant vorerst keine Neuauflage des ausverkauften Werks.
Der Minister machte deutlich, dass er sich vorerst nur noch gegenüber seiner früheren Universität und nicht gegenüber der Öffentlichkeit zu den Vorwürfen erklären will. Art und Zeitpunkt seiner Stellungnahme lösten in Berlin einen Eklat aus. Sie fand zeitgleich mit der Regierungspressekonferenz vor wenigen Vertretern von Agenturen und Fernsehsendern statt. Der größte Teil der Hauptstadtpresse war dadurch ausgeschlossen und hatte keine Gelegenheit zu Nachfragen. Die Pressekonferenz wurde daraufhin abgebrochen.
Zur Begründung für das ungewöhnliche Vorgehen hieß es aus Guttenbergs Umgebung, der Minister habe sich um den Tod eines Soldaten der Bundeswehr in Afghanistan kümmern wollen und deshalb eine für den Nachmittag geplante Presseerklärung vorverlegt. Für sein Verhalten entschuldigte er sich am Nachmittag bei der Bundespressekonferenz.
Das Vorhalten Guttenbergs löste auch in der Bundesregierung Verwunderung aus und provozierte Zweifel am Krisenmanagement des Ministers. Guttenberg war am Donnerstagabend nach der Rückkehr von einer Afghanistanreise von Kanzlerin Angela Merkel ins Kanzleramt gebeten worden. Über den Inhalt des Gesprächs wurde nichts mitgeteilt. Danach hieß es aber, Guttenberg genieße den Rückhalt der CDU-Chefin, sofern er Stellung zu den Vorwürfen nehme.
Aus der CSU erhielt Guttenberg Rückendeckung. Er habe "alles Notwendige erklärt", sagte Generalsekretär Alexander Dobrindt, "es ist ein Gebot der politischen Fairness, dass die Opposition jetzt endgültig ihre Vorverurteilungen einstellt." Die Opposition verschärfte indes ihre Kritik. Der Auftritt von Guttenberg sei "eine Brüskierung der Öffentlichkeit und das in einer Form, die wirklich jedes Gefühl für Stil und für Anstand vermissen lässt", sagte der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Jürgen Trittin.
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(SZ vom 05.02.2011/wolf)
Reiseknigge: Türkei
Ich kann mich nur wundern, wieviele Menschen sich bei dem Thema selber zu Experten erheben und über Herrn Guttenberg urteilen.
Um qualitativ zu den Anschuldigungen Stellung zu nehmen, muss man erst einmal wissen, was von angehenden Doktoranden gefordert wird und dann sollte man sich Herr Guttenbergs Werk zu Gemüte führen und bewerten inwieweit die falsch gekennzeichneten Passagen einen Verstoß gegen die geltende Prüfungsordnung darstellen.
Ich weiß nicht, ob Sie das können, ich kann es nicht.
Die Autoren des Artikels nennen es einen Eklat, dass Guttenberg seine Erklärung nicht vor der Bundespressekonferenz abgegeben hat, als handele es sich um Majestätsbeleidigung gegenüber den Journalisten.
Auch wenn's schwer fällt, liebe Journalisten, ihr seid nicht der Nabel der Welt und der private Verein "Bundespressekonferenz" auch nicht. Wenn ein Politiker ein Statement abgeben will, kann er das überall tun.
Nur damit es klar ist: Bin kein Guttenberg-Fan und fordere in der Sache genaue Aufklärung des Sachverhalts.
Den Doktortitel hat nicht etwa zurückgegeben, er verzichtet lediglich auf die Nennung des Titels vor seinem Namen u.a. auf seinen webseiten, um sich den Druck etwas zu nehmen.
Wie man die Aussage "zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht" eines 180°-Grad-Täuscher einzustufen hat, kann sich jeder selbst ausrechnen. Mit den Aussagen, seine Arbeit sei "über etwa sieben Jahre neben meiner Berufs- und Abgeordnetentätigkeit als junger Familienvater in mühevoller Kleinstarbeit entstanden" drückt er zwar auf die Tränendrüse, gibt aber nichts zu - es wäre ja schliesslich ein Verstoss gegen die CSU-Fehlerverneinungs-Grundregeln. Auch seine Mini-Entschuldigung bei den Autoren, bei denen er abgekupfert hat, ist nur für den Fall, dass sich jemand durch sein Abkupfern verletzt fühlt. Guttenbergs "aufrichtig leid" klingt ganz ähnlich wie das der CSU-Totalversager in Nadelstreifen, die mit fahrlässigen, absolut verantwortungslosem Fehlverhalten und Unterlassung sämtlicher Sorgfaltspflichten einen 3.75 Mrd.-Schaden angerichtet haben und dürfte unter Heuchelei einzuordnen sein.
Aus meiner Sicht hat der selbsternannte "Mr. Authentic" Guttenberg nahezu ganz Deutschland an der Nase herumgeführt und sich auch seine Beliebtheitswerte ertäuscht. Er gab vor, kein Wahltagsdenken zu haben und gerierte sich als der einzig ehrliche Politiker Deutschlands ist. Nun scheint sein Blendwerk haltlos in sich zusammen zu fallen.
Stimmt, Sie haben meine Frage richtig beantwortet. Passiert Ihnen sicher auch nicht oft:)
SEPP58 schrieb doch nur : " Elpupse
Wie war ihre Vorstandssitzung beim der ARGE?"
Schön für Sie, dass Sie sich da angesprochen fühlten.
Mich interessiert allerdings, ob man da auf Stühlen oder auf Sesseln sitzt.
Paging