Plagiatsskandal FDP-Spitze stellt sich vor Koch-Mehrin

Trotz Plagiaten in der Dissertation und Aberkennung ihres Doktortitels klammert sich die langjährige FDP-Spitzenpolitikerin an ihren Sitz im Europaparlament - zu Recht, wie die Parteizentrale findet. Nicht alle Liberale sind glücklich darüber.

Trotz der Aberkennung ihres Doktortitels soll die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin nach dem Willen der Spitze der Liberalen ihr Mandat im Europaparlament behalten. Koch-Mehrins Abgeordnetensitz stehe "für uns nicht zur Disposition", hieß es nun aus der FDP-Führung. Namentlich ist diese Wortmeldung allerdings nicht.

Koch-Mehrin hatte bereits im Mai wegen der Plagiatsvorwürfe ihren Posten als Vizechefin des Europaparlaments und im FDP-Präsidium abgegeben, ihr Abgeordnetenmandat aber behalten.

Bislang war aus der FDP-Führungsebene kaum Kritisches in der Causa Koch-Mehrin gedrungen - das Gegenteil war der Fall: Als die Freidemokratin aufgrund der Plagiatsaffäre ihren Rückzug aus der FDP-Spitze und dem EU-Parlamentspräsidium bekannt gegeben hatte, kamen aus der Berliner Parteizentrale warme Worte: Silvana Koch-Mehrin habe "Europas Attraktivität erhöht", ließ Generalsekretär Christian Lindner damals lobend mitteilen.

Unterhalb der Führungsebene regt sich in der FDP nun allerdings Widerstand gegen Koch-Mehrins Festhalten am Mandat. Der forschungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Martin Neumann, legte ihr nahe, "zu durchdenken, welche Verantwortung sie dem Mandat gegenüber hat". Koch-Mehrin habe Fehler gemacht, sagte Neumann der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS). Von seiner Partei verlangte der Abgeordnete eine "klare Positionierung". Durch den Plagiatsfall sei schwerer Schaden nicht nur für die FDP, sondern auch für die Wissenschaft entstanden.

Der Europaabgeordneten Koch-Mehrin war der Doktortitel am Mittwoch aberkannt worden, nachdem eine Kommission der Universität Heidelberg eine Vielzahl von Plagiaten nachgewiesen hatte. Die Politikerin reagierte überrascht und mit massiver Kritik an der Universität. Tenor: Die Schwächen ihrer Doktorarbeit seien den Prüfern schon vor elf Jahren bekannt gewesen - einer Behauptung, der die Hochschule entschieden widersprach.

Schavan kritisiert "Titelhuberei"

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) forderte die deutschen Universitäten zu einem selbstkritischen Umgang mit den Plagiatsfällen bei Doktorarbeiten auf. "Man kann den Universitäten nur raten, sehr bewusst und selbstkritisch mit dem Thema umzugehen und nicht auf eine möglichst hohe Zahl von Titelvergaben zu zielen", sagte Schavan der FAS.

Der Doktortitel müsse "Ausdruck einer wissenschaftlichen Qualifikation und nicht ein Statussymbol oder Titelhuberei sein". Nach dem früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) war Koch-Mehrin der Doktortitel wegen massiver Plagiate aberkannt worden. Die Universitäten müssten das Thema "für sich klären und Transparenz schaffen", sagte Schavan. "Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass da jetzt ein paar Fälle aufgefallen sind, das Ganze aber ein zu vernachlässigendes Phänomen an der Universität ist."

Politischen Handlungsbedarf sieht die Ministerin aber nicht. Das sei ein klassisches Beispiel für die Souveränität der Wissenschaft. "Da soll sich die Politik nicht einmischen", sagte Schavan dem Blatt.

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