Das Sparpaket ist nur bei den sozial Schwachen ein Sparpaket. Ansonsten ist es ein Windbeutel - und die Politiker, die es als "sozial ausgewogen" bezeichnen, sind Spruchbeutel.
Die europäische Misere hat nichts mit der deutschen Sozialpolitik zu tun, die Bankenkrise auch nicht. Man kann den Euro nicht damit reparieren, dass man den Hartzern das Elterngeld streicht. Und man domestiziert den Finanzkapitalismus nicht damit, dass man den Wohngeldempfängern den Heizkostenzuschuss versagt.
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Man kann den Euro nicht damit reparieren, dass man den Hartzern das Elterngeld streicht. Und man domestiziert den Finanzkapitalismus nicht damit, dass man den Wohngeldempfängern den Heizkostenzuschuss versagt. (© dpa)
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Und wenn den Arbeitslosen künftig kein Übergangsgeld mehr bezahlt wird, ändert das an den Ursachen der Finanz- und Wirtschaftskrise gar nichts. Der Zugriff auf die sozial Schwachen im sogenannten Sparpaket ist ein Verstoß gegen das Verursacherprinzip. Die Suppe, die die sozial Schwachen jetzt auslöffeln sollen, haben ganz andere eingebrockt. Bei der Verteilung sozialer Folgekosten der wirtschaftlichen Katastrophen ist es also so ähnlich wie bei der Ölpest im Atlantik: Fischer und Fische können am wenigsten dafür, aber sie gehen als erste kaputt.
Das Sparpaket wurde mit der Begründung gepackt, dass "man" nicht länger "über seine Verhältnisse" leben dürfe. Wer lebt über seine Verhältnisse? Die vom Sparpaket primär Betroffenen, zuallererst die Arbeitslosen, sind es eigentlich nicht, die einem bei dieser Beschreibung zuvorderst einfallen. Saus und Braus herrscht nicht so sehr in den Sozialwohnungen als auf den Finanzmärkten.
Ein schwerer Fehler
Die Arbeits- und Sozialministerin Ursula von der Leyen macht einen schweren Fehler, wenn sie die Gerechtigkeit des Sparpakets damit verteidigt, dass ihr Portefeuille zwar die Hälfte des Bundeshaushalts ausmache, sie aber nur ein Drittel des Sparpakets bestreite. Die Frage der Gerechtigkeit stellt sich nicht bei den betroffenen Haushalten, sondern bei den betroffenen Menschen. Und gerecht ist ein Sparpaket nicht schon dann, wenn es der Mehrzahl der Nichtbetroffenen angenehm ist. Ein Sparpaket ist ungerecht, solange es die Leistungsfähigen schont und vor allem bei denen spart, die keine FDP als Lobby hinter sich haben.
Das Sparpaket der schwarz-gelben Koalition erspart sich jedwede Mehrbelastung der Gut- und Sehr-Gut-Verdiener. Es erspart sich jedwede Belastung der Hochvermögenden und der Millionenerben. Es erspart sich fast jeglichen Subventionsabbau. Es erspart sich die Anhebung der verminderten Mehrwertsteuersätze und die Anhebung der Abgeltungssteuer auf Kapitaleinkünfte. Es erspart sich den Zugriff auf diejenigen, die das Desaster auf den Finanzmärkten angerichtet haben.
Die geplante Bankensteuer mit einem Aufkommen von zwei Milliarden Euro bewegt sich für die Banken in einer Größenordnung, den ein Vorstandssprecher der Deutschen Bank einst als "Peanuts" bezeichnet hat. Und die sogenannte Brennelemente-Steuer ist keine Belastung, sondern Teil eines für die Atomindustrie günstigen Deals: Wenn es zur Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke kommt, profitiert die Industrie mit mindestens sechs Milliarden Euro pro Laufjahr - und gibt davon dann zwei an den Staat ab.
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Man müsse also aufhören, über seine Verhältnisse zu leben. Und als Ziel steht nun die Verringerung der Neuverschuldung, und nicht das Einstellen der Neuverschuldung oder gar die Schuldentilgung.
Das nenne ich schwarzen Humor.
Das ist fast so gut, wie mit dem Flieger von Berlin nach Kopenhagen zum Klimagipfel jetten...haha..oder den Bankern den Kampf anzusagen und nicht nur deren Geschäft finanziell abzusichern, sondern auch noch deren Geburtstagsparties zu finanzieren.
Oder sich offiziell um die Bildungsqualität zu sorgen und gleichzeitig die Studiendauer zu drücken. Besser kann Satiere kaum sein und hoffentlich wirbt die ARD ja demnächst ein paar Komiker aus Berlin ab.
Sagt ein Analyst an der Börse: "Wir befinden uns in der finalen Phase unseres Wirtschaftssystems, das von Anfang eine eingebaute Halbwertszeit hat." Gemeint ist der Zinseszins-Effekt, der gerade ins Exponentielle abdriftet. Und für den wir im Bundeshaushalt immer größeren Raum einräumen müssen. Eine Exponentialfunktion kann man aber nicht "runtersparen", sondern nur runterbrechen: Durch eine Währungsreform, einen Schuldenerlaß, oder einen Krieg.
Das sind die Optionen für die nächste Zeit.
Es liegt auf der Hand, dass wir, der deutsche Staat mit allen Körperschaften, von dem derzeitigen Schuldenstand herunter müssen, bzw. dass dessen weiterer Anstieg zu begrenzen ist.
Das Schuldenproblem ist im Prinzip aber nur durch eine moderat erhöhte Inflationsrate über einen längeren Zeitraum von 10 bis 20 Jahren zu lösen. Denn die Gesamtverpflichtungen, einschl. Pensionsansprüche der heutigen Beamten, liegen bei gut 8 Billionen Euro. Die Bedienung aller Verpflichtungen sind auch mit wildesten Sparanstrengungen nicht zu stemmen.
Die Schulden durch gemeinsames und solidarisches Sparen zurück zu führen und gleichzeitig ein starkes Wachstum zu generieren, wäre der Königsweg. Dies muss aber scheitern.
Denn erstens sind unsere sog. Eliten nicht wirklich bereit, angemessene Einkommens- oder Erbschaftsteuern – wie in vergleichbaren Ländern - zu zahlen. Da gibt es bereits Signale, eine leichte, eher kosmetische Steuererhöhung nur begrenzt auf ein oder zwei Jahre zu akzeptieren. (Siehe Interview des SZ-Neoliberalen Marc Beise mit Gerhard Cromme.) Weite Kreise der Wirtschaft und der Großvermögensbesitzer setzten dagegen weiterhin auf Steuervermeidung und die Null-Steuer.
Soweit der Sparwille unserer Führungselite, zu denen auch als Brüder im Geiste unsere Politiker zählen.
Und zweitens werden durch Sparen bei den unteren Einkommensschichten der Binnenkonsum geschwächt, Wachstum gedämpft und deflationäre Tendenzen verstärkt. Unsere Wirtschaftselite setzt dagegen weiterhin auf Wachstum über den Export; D.h. hohe Exportüberschüsse durch reale Einkommenssenkungen. Die daraus entstehenden wirtschaftlichen Ungleichgewichte und Verwerfungen werden akzeptiert. Staaten, die unsere Waren aufnehmen, ohne diese durch eigene Produkte bezahlen zu können, alimentiert ja schließlich der deutsche (und europäische) Steuerzahler.
Da es auf Dauer keine Lösung ist, wenn unsere Partner Handelsbilanzdefizite und Schulden aufbauen um die deutsche Wirtschaft zu fördern, zusätzlich mit Deflationsgefahr im Binnenmarkt, werden wir eine Schaukelpolitik erleben. Im Augenblick dominiert Sparen zum Schuldenabbau. Wenn die Deflationsgefahr zu groß wird, sind mit Sicherheit Konjunkturprogramme an der Reihe, welche die Schulden wieder vergrößern. Zu befürchten ist ein Jo-Jo-Spiel über viele Jahre, in denen sich nichts zum Besseren ändert. Wobei beim Sparen immer die unteren Einkommensschichten und bei der Nachfragestärkung eher mittlere und geh
Modellwechsel per Fallbeil. http://opalkatze.wordpress.com/2010/06/08/ausgewogen-fair-und-gerecht/comment-page-1/
Da gehen aber halt dann unsere Ansichten sehr weit auseinander.
ich halte tatsächlich das Sparprogramm der Regierung in der Grundtendenz für richtig und auch moderat.
Daraus den Untergang des Sozialstaates abzuleiten, wie man bei den meisten nervösen Kommentaren dazu entnehmen könnte, ist über alle Massen übertrieben.
Der ständige Ausbau des Haushaltes in den letzten Jahren ist dabei auch nicht wesentlich eine Frage der Finanzkrise - das war vorher auch schon so.
Ich habe die schwarz-gelbe Koalition schon als letzte, beste Hoffnung gesehen, dass der weitere Ausbau der Umverteilung durch den Staat mit seinem unsäglichen Anspruch an Gerechtigkeit, der einfach nicht zu erfüllen ist, endlich Einhalt und Umkehr geboten wird.
Sicher wäre mir dabei das liebste - weil ich denke auch das erfolgreichste - ein Steuerpolitik im Krichhof'schen Sinne.
Enttäuschend ist allerdings, dass diese Regierung es nicht geschafft hat, schon weit vor der Wahl in NRW ein Programm der Steuererleichterung in Kombination mit einem Sparprogramm (in dem auch alle Ausnahme-Tatbestände und Subventionen eingeflossen wären) vorgetragen hat.
Da hat der Mut gefehlt. Das ist allerdings auch der Glücksfall gewesen für eine komplett desolate Opposition in toto, die jetzt wieder aufatmen kann, ohne dass sie substantiell etwas anzubieten hätte.
Paging