Piratin Weisband nennt sich "Tschernobyl-Kind"

Sie war das prominenteste Gesicht der Piratenpartei, dann zog sie sich wegen ihres Studiums und gesundheitlicher Probleme ins Private zurück. Jetzt ist Marina Weisband wieder präsent - und nennt Details zu ihrer Krankheit: Sie leide an einer Immunschwäche, ausgelöst durch die Atomkatastrophe in Tschernobyl.

Sie war die Ikone der Piraten - einer Partei, die erst den Einzug in vier Landesparlamente schaffte und es nun in Umfragen nur noch auf drei Prozent bringt. Noch nicht mal ein Jahr ist es her, dass sich die ehemalige politische Geschäftsführerin der Piratenpartei, Marina Weisband, ins Privatleben zurückzog.

Weisband, die sich auf Twitter Afelia nennt, stellte sich auf dem Parteitag in Neumünstler im April 2012 nicht wieder zur Wahl. Als Gründe führte sie die Arbeitsüberlastung wegen ihrer Diplomarbeit und ihrer angegriffenen Gesundheit an.

Die Piratenpartei verlor ein junges, markantes und einprägsames Gesicht und Politikinteressierte fragten sich: Was für gesundheitliche Probleme wird die Mittzwanzigerin wohl haben? Nun äußert sich Weisband erstmals konkreter zu ihrem Gesundheitszustand: Die 25-Jährige ist eigenen Angaben zufolge ein "Tschernobyl-Kind". In einem Interview mit dem Zeit Magazin sprach sie über ihre Immunschwäche und den Auslöser: die Atomkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986. "Das haben die Ärzte damals meinen Eltern gesagt, als sie verzweifelt zu ihnen kamen", sagt Weisband. "Was wollen Sie - sie ist ein Tschernobyl-Kind."

Was die Piraten bremst

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Lange hörte man wenig von Weisband, nun findet sie binnen kürzester Zeit zu alter Präsenz zurück: Denn in der kommenden Woche erscheint ihr Buch mit dem Titel: "Wir nennen es Politik. Ideen für eine zeitgemäße Demokratie".

Und in diesem Buch schreibt sie nach Informationen des Zeit Magazins: "Es begann etwa in meinem zweiten Lebensjahr als Immunschwäche und setzte sich in einer Reihe von Folgekrankheiten fort." Weisband wurde 1987 in der ukrainischen Hauptstadt Kiew geboren, 100 Kilometer entfernt von Tschernobyl, wo ein Jahr zuvor die Nuklearkatastrophe passiert war.

Die Ärzte in Kiew seien ratlos gewesen. "Schließlich haben sie meiner Mutter gesagt: Wenn Ihre Tochter hierbleibt, wird sie sterben", sagte sie dem Zeit Magazin. Der anschließende Umzug der Familie nach Deutschland habe ihr das Leben gerettet, mehrere Nachbarskinder von damals seien mittlerweile tot.