Geht es nach Landwirtschaftsministerin Aigner, sollen Züchter ihre Pferde nicht mehr brandmarken dürfen. Die sehen nun ihre Zunft in Gefahr: Der Schenkelbrand sei eine jahrhundertealte Tradition, die bleiben soll.
Es ging natürlich nicht zu wie damals bei Roots, dieser Fernsehserie über den Sklavenjungen Kunta Kinte, der in Gambia gefangen und mit einem glühenden Eisen gebrandmarkt wurde. Es hat auch keiner vor Schmerz gebrüllt bei dem Spektakel, das am Montagnachmittag im Grunewald aufgeführt wurde. Im Dressurstall Eichkamp weit im Berliner Westen wurde demonstriert, was Eingeweihte den Schenkelbrand nennen. Drei Fohlen wurden da heiße Eisen auf die Hinterbacken gedrückt, vor großem Publikum, und um - wie es hieß - eine hitzige Debatte zu versachlichen.
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Alle Bundestagsabgeordneten und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner waren in die Reithalle eingeladen, die CSU-Ministerin allerdings zog es vor, der Vorführung fernzubleiben. Dafür folgten einige Mitglieder des Agrarausschusses dem Ruf von Breido Graf zu Rantzau, der "aufklären" wollte an diesem Tag.
Der Schlossherr und Pferdezüchter ist Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Sein Verband vertritt 760.000 Pferdefreunde und -züchter und ist eine selbstbewusste Lobby des Reitsports. Fünf Milliarden Euro werden laut dem Verband jedes Jahr in der deutschen Pferdebranche umgesetzt. Ein begabtes Markentier wechselt schon einmal für ein paar hunderttausend Euro die Hände. Jetzt aber sieht die Zunft Gefahr.
Die Bundesregierung will den Schenkelbrand verbieten. Durch das Logo am Hinterteil ist der Trakehner auf den ersten Blick vom Hannoveraner zu unterscheiden, eine eingebrannte Nummer zeigt das Geburtsjahr. So ist das seit Jahrhunderten, so soll es bleiben, finden Züchter. Unnötige Tierquälerei, findet Agrarministerin Aigner. Sie verweist auf ein EU-Gesetz von 2009, das Züchter verpflichtet, jedem Pferd einen Transponder einzupflanzen, einen elektronischen Personalausweis. Der Chip wird mit Hilfe einer Kanüle am Hals implantiert, eine Mini-Antenne sendet eine Nummer an ein Lesegerät. Das Tier wird so unverwechselbar. Ein zusätzliches Brandzeichen ist überflüssig, sagt Aigner, die aus Tierschutzgründen die Brennerei verbieten will.
Im Grunewald wurde am Montag zweierlei vorgeführt: der Schenkelbrand und die Chip-Implantation. Beide Methoden verursachten nur "einen kleinen Schmerz", sagte Dieter Stier, Pferdezüchter und Tierschutzbeauftragter der Union im Bundestag. Der CDU-Mann führt den Kampf gegen die CSU-Ministerin an. Es sei "Unsinn", sagte er, Heißbrand eine Quälerei zu nennen. Zudem sei das Verfahren mit dem Chip "noch nicht ausgereift". Wenn er technisch versage, verliere ein Pferd seine Identität.
Tierschützer sehen das anders. Der Heißbrand sei "mit erheblichen Schmerzen verbunden", sagte Tierschutzbundpräsident Wolfgang Apel. Verbrennungen dritten Grades entstünden da, das Mal am Po diene "nur kommerziellen Interessen", ein Pferd sei keine Werbewand. Tierärzte warnten vor der "grausamen Tradition", die Fohlen stumm, aber wochenlang unter Schwellung und Wundschmerz leiden lasse. Eine Studie ergab, dass das Pferdeherz beim Schenkelbrand deutlich schneller schlägt als bei einer Chip-Implantation.
Was wirklich vorgeht im Tier, lässt auch das Experiment in Berlin nicht erkennen. Die Fohlen werden gepackt, es qualmt, es stinkt. Eines steigt hoch, als es das Brandzeichen bekommt. Ein anderes bockt, als ihm der Chip implantiert wird. Das dritte steht still und senkt den Kopf. Sekunden dauert das, dann machen die drei sich davon.
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(SZ vom 22.03.2011/olkl)
Reiseknigge: Türkei
Was für ein Polittheater! Und die Tierärztelobby, die an den Transpondern richtig Geld verdient, reibt sich die Hände! Deshalb sind die auch so "schmerzempfindlich".
Tierschutz ist das oberste Gebot, keine Frage! Man kann mit guten Argumenten über die Frage diskutieren, ob der Reitsport nicht generell aus dem Ruder läuft. Aber das Ansetzen am Heißbrand - einem minimalinvasiven Eingriff - ist völlig verfehlt.
Die Tierschützer sollten sich mal fragen, warum in Deutschland zumindest Pferdediebstahl ein zu vernachlässigendes Problem ist, auch wenn sehr wertvolle Tiere auf den Koppeln stehen. Ein Grund dafür ist, dass das System der Identifikation offenbar funktioniert. Solange die Chips nicht fälschungssicher sind - und welche Elektronik kann das von sich je behaupten - ist er kein Ersatz. Vorausschauend gedacht wird das Chippen dazu führen, dass ganze Bestände weggeschlossen werden. Artgerechte Boxenhaltung - gute Nacht, Tierschutz!
wenn Sie es ernst meinen und nicht auf das Pseudo-Kennen incl. Geschnarre angeblicher Pferdehalter eingehen möchten, dann machen Sie den Selbsttest. Es muss nicht gleich der ganze Schenkel sein, nehmen Sie den Oberarm, wobei ich davon ausgehe, dass Sie keine Pferdehaut haben.
Hier über Schenkelbrand zu jammern, aber beim Spanier schöne "PaprikaWurst" essen oder in Frankreich auch schon mal Pferdefleisch - welch ein Ulk.
Wo ist Ihr Dauerbericht über den Pferdetransport? Da können Sie aus tiefster Seele schreien!
Wo ist Ihr Dauerbericht zu den überwiegend etwas "schwerfälligen" Freizeitreitern, insbesondere den Damen und da wiederum die älteren bzw. die ganz jungen?
Wo ist Ihr Dauerbericht zu den "ReiternInnen", die nicht mal das Handwerk halb beherrschen, dafür aber unentwegt am Klagen sind.
Wo ist Ihr Dauerbericht zur Hengsthaltung?
Wo, zu guter Letzt aber längst nicht zuletzt: Wo ist Ihr Dauerbericht zur unsäglichen kleinkarierten Freizeitpferd-Haltung?
so zu halten, dass sie keine Qualen, vermeidbare Schäden oder Schmerzen erleiden. Oberstes Gebot bei der Pferdehaltung sollte, wie bei jeder Tierhaltung, die Erfüllung der Bedürfnisse des Pferdes sein, und verlangt vom Pferdehalter die entsprechenden Kenntnisse und Fähigkeiten. In der Pferdehaltungspraxis stehen jedoch den Bedürfnissen des Pferdes die Interessen des Pferdebesitzers teilweise entgegen. Bedürfnisse des Pferdes (für Offenstallhaltung) -> Bewegung: In freier Natur ist ein Pferd 10 bis 16 Stunden am Tag – meist zur Futtersuche – unterwegs und legt dabei 30–40 km zurück. Das Pferd ist somit ein Lauftier. Da dieser Bewegungsbedarf allein über den Reit- und Fahrsport meist nicht gedeckt werden kann, sollte möglichst viel Gelegenheit zur selbständigen unbehinderten Bewegung gegeben werden. Sozialkontakte: Pferde sind ausgeprägte Herden- bzw. Gruppentiere. Jedes Pferd braucht die Möglichkeit Sozialkontakte mit Artgenossen aufzunehmen. Einzelhaltung ist tierschutzwidrig. Gesundheit: Das Pferd ist auf ein Leben unter freiem Himmel eingestellt und braucht den Kontakt zu Licht und Luft genauso wie staubfreie Luft und möglichst staubfreies Futter. Staub ist das größte Problem für die empfindlichen Atmungsorgane des Pferdes.
Sleipnir ist mit seinen acht Beinen unverwechselbar. Da braucht´s weder Ohrmarke noch Chip noch sonstiger Zeichen. Svadilfari und Loki werden es bestätigen. :-)
Bitte, bitte, Sleipnir weder ohrmarken noch brandschatzen!!! Wär schade um das schöne Tier.
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