Noch vor wenigen Tagen hatte sich Newsweek für seine Berichte zu dem Thema von der Regierung schelten lassen müssen. Nun sind neue Dokumente aufgetaucht, in denen behauptet wird, US-Militärs hätten irakische Häftlinge mit religiösen Symbolen gedemütigt. Die Quelle diesmal: das Pentagon.

Das US-Verteidigungsministerium hat auf Gerichtsbeschluss neue schockierende Dokumente über die Misshandlung von Häftlingen im Irak und Afghanistan herausgegeben. Auf den mehr als 2000 Seiten werde auch der Vorwurf irakischer Häftlinge unterstützt, sie seien mit religiösen Symbolen erniedrigt und gedemütigt worden, teilte die US-Bürgerrechtsunion (ACLU) am Donnerstag in New York mit.

Muslimische Demonstranten, Reuters

Berichte über Koranschädnungen durch US-Soldaten treiben pakistanische Muslime zu wütenden Protesten auf die Straßen. (© Foto: Reuters)

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Die ACLU hatte vor einem Bundesgericht die Veröffentlichung der Dokumente erwirkt. Darin wird unter anderem von einer Scheinexekution im Juli 2003 im "Rifles"-Lager nahe der westirakischen Stadt Ramadi berichtet. Der Iraker sei dabei von einem Hauptmann der US-Armee aufgefordert worden, in der Wüste sein eigenes Grab zu schaufeln.

Bei einem zweiten Vorfall soll ein US-Hauptmann einen jugendlichen Häftling von einem Fahrzeug gezogen und anschließend mehrere Schüsse knapp an dessen Kopf vorbei abgefeuert haben.

Bei einem weiteren Vorfall habe ein Gefangener die Verschlüsse von Plastikflaschen aus einem Gefäß herausholen müssen, das mit einer Mischung aus Wasser und Exkrementen gefüllt gewesen sei, heißt es weiter. Damit habe der Iraker für die Vernehmung "weich geklopft" werden sollen.

Während das Weiße Haus das Nachrichtenmagazin Newsweek für die Schädigung des Ansehens der USA in der islamischen Welt verantwortlich mache, hätten die eigenen Untersuchungen der Armee systematische Misshandlung und Erniedrigung von Muslimen durch die US-Armee im Irak, in Afghanistan und im US-Gefangenenlager Guantánamo Bay ergeben, sagte ACLU-Direktor Anthony Romero. Newsweek hatte Anfang der Woche einen Bericht über die Schändung des Koran in Guantánamo Bay zurückziehen müssen.

Die New York Times zitierte Pentagon-Sprecher Lawrence DiRita, wonach in einigen Fällen "jedermanns Maßstab für menschliche Behandlung" verletzt worden sei.

Den Koran mit Füßen getreten

Nach Angaben der ACLU habe ein irakischer Häftling angegeben, er sei von Soldaten verhöhnt worden, indem Hunde den Koran vom Boden aufgehoben hätten, hieß es. In einem anderen Fall erhebe ein Iraker den Vorwurf, dass US-Soldaten den Koran auf den Boden geworfen und auf dem heiligen Buch der Muslime herumgesprungen seien.

Gefangene in Guantánamo beklagten sich vor längerer Zeit auch beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) über einen respektlosen Umgang mit dem Koran. IKRK-Sprecher Vincent Lusser sagte in Genf, dabei handele es sich um Begebenheiten aus der Zeit "um 2003". "Wir haben dies dann an die US-Behörden weitergegeben." Bei späteren Gefangenenbesuchen habe das IKRK den Eindruck gewonnen, dass diese Vorfälle "korrigiert" worden seien.

Schulung für respektvollen Umgang

Nach den Worten von Außenamtssprecher Richard Boucher gibt es umfangreiche Richtlinien für den Umgang mit dem Koran. Diese Instruktionen des Pentagons seien seit Januar 2003 - noch vor Beginn des Irak-Krieges - in Kraft. Das Pentagon habe versichert, dass es bereits zuvor eine Schulung für den Umgang mit dem Koran gegeben habe, sagte Boucher.

Unterdessen demonstrierten in Teheran erneut 2000 Iraner gegen die angeblichen Koran-Entweihung in Guantánamo. Sie riefen "Tod Amerika!" und "Tod Israel!" und verbrannten Flaggen beider Länder.

(dpa)

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