Nie in den vergangenen drei Jahrzehnten, seit Chinas Politik der "Reform und Öffnung" begonnen hat, war eine ganze Region der Volksrepublik dermaßen von der Außenwelt abgeriegelt und von Truppen besetzt. Entlang der Überlandstraßen auf dem Hochland sind neue Checkpoints entstanden. Soldaten liegen dort hinter Sandsäcken, ihre Schnellfeuergewehre im Anschlag. Während es tagsüber nur sporadisch Kontrollen gibt, wird nach Einbruch der Dunkelheit jedes einzelne Fahrzeug durchsucht.

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Vereinzelte Demonstrationen

Trotz dieser massiven Überwachung kommt es immer wieder zu vereinzelten Demonstrationen. Ende Februar marschierte ein tibetischer Mönch aus dem Kloster Kirti in Sichuan auf die Straße, dabei hatte er eine selbstgemalte tibetische Flagge mit einem Bild des Dalai Lama. Dann übergoss er sich mit Benzin und setzte sich vor den Augen einiger Zuschauer in Flammen.

Protibetische Menschenrechtsgruppen im Ausland und die chinesische Regierung sind sich uneinig, was anschließend geschah. Die Tibeter behaupten, Sicherheitskräfte hätten den brennenden Mönch erschossen. Dies seien Lügen, behauptet die chinesische Regierung. Die Polizisten hätten nur die Flammen gelöscht. Auf jeden Fall wurde der Mönch in einem Fahrzeug der Polizei abtransportiert. Es ist unbekannt, ob er noch lebt. Mehr als tausend Tibeter, die nach den Unruhen des vergangenen Jahres verhaftet worden waren, sind noch immer im Gefängnis.

Schon vor den Unruhen 2008 waren es vor allem anhaltende Repressalien der Behörden gegen die Mönche gewesen, die Unmut hervorgerufen hatten. So waren Tausende Mönche und Nonnen gezwungen worden, in politischen Schulungssitzungen den Dalai Lama zu verunglimpfen.

Da einem gläubigen Tibeter, ganz besonders aber einem tibetischen Mönch oder einer tibetischen Nonne nichts auf Erden heiliger ist als der Dalai Lama, schürten diese Sitzungen viel Hass. Diese Schulungen sind erneut verschärft worden. Den Tibetern in abgelegenen Dörfern wird Augenzeugenberichten zufolge auch mit standrechtlichen Erschießungen gedroht, sollten sie für den Dalai Lama protestieren.

Geschichtsumzuschreibung mit plumpen Mitteln

Historische Daten wie der 10.März sind jedoch mehr als nur der Anlass für solche tragischen Szenen. Die Auseinandersetzung über die Geschichte steht im Zentrum des Konflikts zwischen der chinesischen Führung und den Tibetern. Peking versucht, die Geschichte umzuschreiben. Auch dies geschieht in diesem Jahr mit plumpen Mitteln.

Als Antwort auf den 10. März hat die Zentrale gerade den 28. März zu einem tibetischen Feiertag erklärt, zum "Tag der Emanzipation der Leibeigenen". Es ist der Tag, an dem 1959 die siegreichen chinesischen Truppen in Tibet nach der Flucht des Dalai Lama die Auflösung der alten tibetischen Regierung erklärten.

Für die Tibeter ist es ein Tag der Schmach, und ihnen ausgerechnet an diesem Tag Feiern zu verordnen, wirkt wie eine bewusste Provokation. Es ist, als wäre den Hardlinern in Peking dieser März noch nicht heiß genug.

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  1. Militär gegen Mönche
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(SZ vom 06.03.2009/af)