Peinlicher Patzer bei der GSG 9 Wie Ritter in der Rüstung

"Dann habe ich ihn nicht mehr gesehen": Bei der Festnahme der terroristischen Sauerland-Gruppe scheiterte das hochgerüstete Spezialeinsatzkommando an der eigenen Kleidung.

Bei der Festnahme der terroristischen Sauerland-Gruppe sind dem Spezialeinsatzkommando GSG 9 massive Pannen unterlaufen. Die Verfolgung des geflüchteten Daniel Schneider durch zwei GSG-9-Beamte scheiterte im Herbst 2007 unter anderem an ihrer schweren Schutzkleidung, wie aus Zeugenaussagen der beiden Beamten am Dienstag vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf hervorging.

Festgenommen wurde Schneider schließlich von Beamten des Bundeskriminalamts, die einen Absperrring um das von der Gruppe angemietete Ferienhaus in Oberschledorn im nordrhein-westfälischen Hochsauerlandkreis gebildet hatten.

Auch dabei kam es zu Pannen. Bei der Erstürmung des Hauses durch die GSG 9 sprang Schneider, 24, durch das Badezimmerfenster in den Garten und konnte dort auf engem Raum vor Augen der GSG 9 flüchten. Die zwei mit Overall, Schutzhelm, Schutzweste, Pistole und Maschinenpistole ausgerüsteten GSG-9-Beamten sollten die Rückseite des Hauses sichern. Einer der Polizisten kam nach eigener Aussage aber erst um die Hausecke, als Schneider bereits barfuß auf dem Rasen stand.

Schneider sei zwei bis drei Meter an ihm vorbeigerannt. Er selbst sei "ins Straucheln" gekommen, als er ihn ergreifen wollte, sagte der Spezialpolizist. Sein Kollege habe Schneider weiter verfolgt, der über einen Zaun kletterte. "Dann habe ich ihn nicht mehr gesehen", sagte der GSG-9-Mann. Wegen der schweren Ausrüstung hätte "das Überwinden des Zauns zu viel Zeit gekostet".

Auch der zweite GSG-9-Beamte scheiterte mit dem Versuch, Schneider zu ergreifen. Er hatte als Erster Schneider hinter dem Haus erblickt. "Mein Kollege war bis dahin noch nicht zu sehen", sagte er. Bei der Verfolgung Schneiders habe er beim Übersteigen des Zauns nur noch dessen Hose fassen können. "Ich habe dann leider niemanden mehr angetroffen", sagte der Beamte. Er habe noch einen Nachbarn gefragt, ob er Schneider gesehen habe. Dieser habe aber mit "nein" geantwortet.

Der vierköpfigen Sauerland-Gruppe wird die Vorbereitung von Bombenanschlägen in Deutschland sowie die Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung vorgeworfen. Die Gruppe war vor der Festnahme bereits monatelang von der Polizei observiert worden. Schneider muss sich als einziger Angeklagter auch wegen versuchten Mordes verantworten. Er hatte bei einem Gerangel mit einem BKA-Beamten dessen Dienstwaffe entrissen. Bei dem Kampf um die Pistole löste sich ein Schuss, der ins Leere ging.