Pegida international Parolen, Pflastersteine, Brandsätze

Rauchbomben, Ausschreitungen: In Prag demonstrieren rund 1500 Islamgegner.

(Foto: Filip Singer/dpa)

In Prag kommt es nach einem Aufmarsch von Islamgegnern zu Gewalttaten.

Auch in anderen europäischen Städten haben am Wochenende deutlich weniger Anhänger von Pegida und anderen islamfeindlichen Bündnissen als erwartet gegen die Aufnahme von Flüchtlingen demonstriert. Lediglich in Prag konnten die Islamgegner mehr als nur ein paar Hundert Anhänger mobilisieren. Etwa 1500 Islamgegner versammelten sich am Samstag mit Spruchbändern wie "Nein zur Einwanderung - Stopp die Merkelisierung" vor der Prager Burg. Es kam zu Zusammenstößen mit Gegendemonstranten, bei denen Pflastersteine, Flaschen und Feuerwerkskörper flogen.

Am Abend griffen 20 bis 30 mutmaßliche Rechtsextreme ein linkes Sozial- und Kulturzentrum in Prag mit Molotowcocktails an. Die Feuerwehr konnte den Brand in der Einrichtung, die unter anderem kostenlose Tschechisch-Sprachkurse für Zuwanderer anbietet, rasch löschen, wie die Agentur CTK am Samstag berichtete. In dem Gebäude hielten sich demnach etwa 20 Personen auf. Mehrere von ihnen erlitten Rauch- oder Schnittverletzungen. Die vermummten Täter entkamen vor dem Eintreffen der tschechischen Polizei.

Aus Polen, Frankreich oder Dänemark wurden jeweils nur wenige Hundert Teilnehmer an dem Aktionstag unter dem Motto "Festung Europa" gemeldet. In Amsterdam kam es zu Rangeleien zwischen Pegida-Anhängern und Teilnehmern einer Gegenkundgebung. 20 meist linke Protestierer wurden vorübergehend festgenommen. Im nordfranzösischen Calais versammelten sich etwa 150 Anhänger der fremdenfeindlichen Bewegung, obwohl Innenminister Bernard Cazeneuve die Demonstration verboten hatte. Die Polizei löste den Aufzug unter Einsatz von Tränengas auf. Auch in Kopenhagen, wo etwa 100 Demonstranten gezählt wurden, gab es einige Festnahmen. Im südfranzösischen Montpellier gingen etwa 200 Demonstranten gegen Migranten auf die Straße, in Warschau etwa 350. Dort rief die Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling auf einer Kundgebung polnischer Nationalisten zum Schulterschluss gegen islamische Einwanderer auf: "Lasst uns gemeinsam die Schlacht gegen die Islamisierung führen." Bei einer Demonstration von 400 Islamgegnern im australischen Canberra wurde skandiert: "Wir lieben Schweinefleisch" und "Wer zum Teufel ist Allah?".