Von Uwe Ritzer und Peter Schmitt

Sie hat geholfen, die CSU von Edmund Stoiber zu befreien, nun ist es ihr selbst zu eng geworden: Gabriele Pauli will über die Landkreisgrenze hinaus - und scheint sich darüber ein wenig verloren zu haben.

Der von ihr selbst so bezeichnete "Alleingang im Namen vieler" endet im gediegenen Marmorsaal des Nürnberger Presseclubs. Noch einmal spult sie ihr Programm der vergangenen Wochen ab. Sie räsoniert über die CSU, in der nur kleine, mächtige Zirkel entscheiden würden, nicht aber die breite Basis, für die sie stellvertretend spreche.

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Sie redet über Edmund Stoibers Sturz und kommt dabei über schon hundertmal wiederholte, oberflächliche Floskeln nicht hinaus. Sie beklagt sich über CSU-Generalsekretär Markus Söder, weil der beim politischen Aschermittwoch in Passau die Pfiffe und die Buh-Rufe gegen sie mitangeheizt habe. Bei all dem klingt Gabriele Pauli lustlos.

Gebrochens Versprechen

Die Frau, die seit Wochen kein Mikrofon auslässt und vor allem keine Kamera, wirkt im Nürnberger Presseclub resigniert und wie jemand, der nichts mehr zu vermelden hat. An diesem Abend, sagt sie vier Tage später, habe sie sich "erstmals so richtig gefragt, warum beiße ich mich so sehr am Landkreis fest, während doch vielleicht ganz andere Aufgaben auf mich warten?"

Und dann habe sie beschlossen, zur Kommunalwahl 2008 nicht wieder anzutreten, weil sie nämlich nicht bis zur Pensionsgrenze Landrätin von Fürth bleiben wolle, denn das sei "eigentlich nicht die Perspektive, die mich mit Freude erfüllt". Man kann aber auch sagen, Gabriele Pauli hat ihr Wort gebrochen.

"Ich bin tief verwurzelt und möchte weiterhin Landrätin von Fürth bleiben", hatte die 49-Jährige stereotyp geantwortet, wenn sie in den vergangenen Wochen nach ihren politischen Ambitionen gefragt wurde. Dabei hatte sie in Parteizirkeln schon vor Monaten keinen Zweifel daran gelassen, dass sie sich zu nahezu allem im Stande fühle.

Nun schwadroniert sie in der von einem unlängst erst engagierten persönlichen Pressesprecher verbreiteten Rückzugserklärung über angebliche "interessante politische und berufliche Perspektiven", "vielen Optionen", "neue Herausforderungen" und eine "Zukunft in der freien Wirtschaft oder auch in Form eines höheren politischen Amtes".

Bei Letzterem bremste der mutmaßlich nächste bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein sie postwendend aus: In Bayern brauche sie sich da keine Hoffnungen machen. Für die CSU ist Paulis Zukunft schon Vergangenheit.

Ihre innerparteilichen Gegner werten die Ambitionen auf "höhere politische Ämter" als Beleg für einen zunehmenden Realitätsverlust: "Als kleiner Bub habe ich auch geglaubt, ich werde Bundeskanzler", höhnt der Fürther CSU-Landtagsabgeordnete Günter Gabsteiger. Er hat Gabriele Pauli einst in der Partei als Landratskandidatin durchgeboxt; nun gehört er zu ihren härtesten Kritikern.

Motorradausflüge und Lederkluft

In den achtziger Jahren war die später von der Boulevardpresse "schöne Landrätin" titulierte Gabriele Pauli die etwas pummelige Ehefrau eines jungen CSU-Stadtrats, der Bürgermeister von Zirndorf werden wollte. Zum Zwecke der Stimmenwerbung setzte sich Gabriele Pauli ganz brav hinten auf das Fahrradtandem. Die Ehe ging in die Brüche, und Ex-Ehemann Siegfried Balleis wurde 1996 Oberbürgermeister von Erlangen.

Da stand Gabriele Pauli schon sechs Jahre als CSU-Vorzeigefrau an der Spitze des Landkreises Fürth. Der war bis dahin eine SPD-Hochburg, und die Politologin, die mit einer Arbeit über politische PR promoviert wurde, hatte diese 1990 sensationell geschliffen. Seither regiert sie Bayerns kleinsten Landkreis, der Fürth heißt, obwohl diese Stadt nicht einmal dazugehört, sondern das Kleinstädtchen Zirndorf die Kapitale ist.

Pauli ist beliebt, lädt zu Motorradausflügen ein und posiert in der engen Lederkluft genauso bereitwillig für die Fotografen, wie im kleinen Schwarzen. In 17 Landratsjahren erfuhr Gabriele Pauli allerdings nicht annähernd so viel öffentliche Aufmerksamkeit wie in den vergangenen drei Monaten. Seit bekannt wurde, dass der Büroleiter Edmund Stoibers ihr Privatleben nach etwaigen Alkoholproblemen und Männerbekanntschaften ausschnüffelte, ist sie ein Medienstar.

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