Die pikanten Partyfotos aus Berlusconis Villa erreichen Italien - und der Premier versucht sich in Schadensbegrenzung. "Skandalös" sei nur eines: die Veröffentlichung der Bilder.

Lange konnte Silvio Berlusconi nicht verhindern, dass die beschlagnahmten und teils pikanten Fotos von einem seiner Anwesen an die Öffentlichkeit gelangen. Jetzt versucht Italiens Regierungschef die nächste Stufe der Schadensbegrenzung: Er verharmlost die Aufnahmen.

Silvio Berlusconi hält die Fotos vom Treiben in seiner Luxusvilla Certosa für "harmlos". (© Foto: AP)

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Als erste Zeitung veröffentlichte das spanische Blatt El País fünf Fotos vom Treiben in Berlusconis Luxusvilla Certosa auf Sardinien. "El País veröffentlicht die in Italien verbotenen Fotos", schreibt daraufhin die linksliberale römische La Repubblica - und bildet den Artikel und die Fotos ab.

Nachdem sich die Bilder nun in Italien verbreiten dürften, gibt sich Berlusconi betont gelassen. Er fürchte nichts, es handele sich um harmlose Fotos, sagte er einem Radiosender: "Die Fotos zeigen Personen, die in einem Jacuzzi im Innern eines Gästehauses baden." Seiner Meinung sei nur eines "skandalös": die Veröffentlichung der Fotos.

Die Fotos zeigen das lockere Treiben in Berlusconis Luxusvilla Certosa auf Sardinien. Zu sehen sind: barbusige Frauen beim Sonnenbaden am Pool, schlanke Damen im Stringtanga zwischen Natursteinen in der Sonne und mittendrin der Cavaliere selbst - ein Satyr im Amt.

Auf einem der Bilder ist auch ein vollkommen entblößter Mann zu sehen. Dessen Penis ist erigiert. Auch wenn Berlusconi von sich behauptet, besser bestückt als alle seine Minister zu sein, so ist er wohl nicht der Abgebildete - dessen Gesicht ist verpixelt.

Der sardische Fotograf Antonello Zappadu hat - bis auf das von Berlusconi - die Gesichter auf den Fotos unkenntlich gemacht. Die Menschen sind reduziert auf nackte Haut und Ideal-Maße - solche Maße, die eine blutjunge Italienerin braucht, um Showgirl in dem von Berlusconi voll und ganz beherrschten Privatfernsehen Italiens zu werden.

Wo Berlusconi in Begleitung einer jungen Dame durch seinen Garten wandelt, warten Damen in knappen Miniröcken unter Terrakottadächern neben schwerbewaffneten Bodyguards: die abgeschirmte Villa Certosa, ein Hort des lockeren Vergnügens. Ein Park der Lust.

In der gedruckten Freitagausgabe wollte El País weitere Aufnahmen veröffentlichen.

Auf Betreiben Berlusconis hatte die Staatsanwaltschaft in Rom Anfang der Woche angeordnet, mehrere hundert auf Sardinien gemachte Fotos zu beschlagnahmen. Es bestehe der Verdacht, dass eine Veröffentlichung die Privatsphäre verletze, hieß es.

Zappadu zufolge sollen jedes Wochenende Gäste des Cavaliere auf Staatskosten auf Sardinien eintreffen - "Künstler, Starlets und andere Freunde Berlusconis", wie El País im Internet berichtet.

Berlusconi wird von seinen politischen Gegnern vorgeworfen, staatliche Fugzeuge für private Zwecke zu missbrauchen - unter anderem dafür, seine Partygäste in die Villa Certosa zu holen.

Aber womöglich gefällt sich ja der 72-Jährige in der Rolle des virilen Alten, der Nymphen tanzen lässt und den Wirrnissen des Lebens im Anblick des Tangas trotzt.

Im August 2008 hatte Berlusconi die Gesetze dergestalt geändert, dass auch seine Privatgäste Flüge auf Staatskosten in Anspruch nehmen können. Die Fotos belegen jedoch, dass Berlusconi bereits vier Monate zuvor mit seinem Freund Mariano Apicella und einer Flamencotänzerin in einem staatlichen Flugzeug gereist war.

Unter den beschlagnahmten Schnappschüssen sollen Fotos einer von dem 72-jährigen Milliardär und Medienzar veranstalteten Silvesterparty sein, zu der auch die damals noch 17-jährige Schülerin Noemi Letizia aus Neapel eingeladen war, mit der Berlusconi nach Angaben seiner Noch-Ehefrau Veronica Lario eine Affäre haben soll.

Laut Berlusconi hatte der Fotograf die Bilder "illegal" von einer Terrasse außerhalb seiner Luxusvilla geschossen. Wie El País an die Bilder gekommen ist, schreibt das Blatt in seiner Online-Ausgabe nicht.

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(sueddeutsche.de/dpa/AFP/cag/odg/woja)