Parteiübertritt nach Geschlechtsumwandlung Linke Frau, rechter Mann

"Ich bin eine aufrichtige Sozialistin": Ein früheres NPD-Mitglied tritt als Kandidatin der Linken bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg an. Monika Strub bestätigte der Süddeutschen Zeitung, Mitglied bei den Rechtsextremen gewesen zu sein - damals noch als Mann.

Von Jan Bielicki

Auf ihren Wahlplakaten wendet sich Monika Strub "gegen Hartz IV und prekäre Beschäftigung". Die 35-Jährige steht links. Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg tritt die gelernte Krankenpflegerin und Fotografin als Kandidatin der Linken an.

Vor zehn Jahren stand sie noch rechts, ganz rechts. Sie bestätigte der Süddeutschen Zeitung, sie sei von 2000 bis 2002 Mitglied der Neonazi-Partei NPD gewesen - damals noch als Mann unter dem Namen Horst Strub, Mitgliedsnummer 79879.

Fotos von damals zeigen einen jungen Mann in Bomberjacke, mit Bart und kurzgeschorenen Haaren.

Heute, nach ihrer Geschlechtsumwandlung, trägt sie das Haar lang. "Ich habe mit der NPD vollständig gebrochen", sagte Strub, "ich bin eine aufrichtige Sozialistin."

Der Linken habe sie ihre rechtsextreme Vergangenheit nicht verheimlicht.

Das bestätigt Christoph Kröpel, der Sprecher der baden-württembergischen Linken: Strub habe sich gegenüber der Partei im Land und im Wahlkreis von NPD und Rechtsextremismus "so deutlich distanziert, das an ihrer politischen Haltung überhaupt kein Zweifel besteht", sagt Kröpel.

Ihre einstige NPD-Mitgliedschaft sei "als Jugendsünde einzustufen", sagt Kröpel: "Sie hat sich grundsätzlich gewandelt."

Heute gelten ihr selbst die Hassattacken der Rechtextremisten: Sie habe zahlreiche Drohungen erhalten, sagt sie. Erst am Donnerstag seien Fenster und Türen ihrer Wohnung mit NPD-Aufklebern verschandelt worden.