Wahlkampf für US-Republikaner Clint Eastwood spricht mit leerem Stuhl

Mit einem ungewöhnlichen Auftritt verblüfft Hollywoodstar Clint Eastwood auf dem Parteitag der Republikaner. Die Delegierten jubeln, andere nennen den Autritt "traurig" und fühlen sich an den wirren Großvater der Simpsons erinnert. Barack Obama, über den der Schauspieler mit der Einlage spottete, reagiert prompt.

Von Lilith Volkert

Dirty Harry kommt zurück. Doch anstatt seinen Revolver sprechen zu lassen wie in den fünf erfolgreichen Filmen über den zynischen Inspektor Harry Callahan, schimpft er mit einem Möbelstück. Hollywood-Star Clint Eastwood, der den zwiespältigen Helden vor 40 Jahren verkörperte, hat auf dem Parteitag der US-Republikaner einen überraschenden Auftritt hingelegt.

"Hebt euch etwas Begeisterung für Mitt auf", beginnt der 82-Jährige seine Ansprache und wendet sich dann an einen schlichten Stuhl mit Holzlehne, der einige Meter neben ihm auf der großen Bühne steht. "Also, Mr. President, wie gehen Sie mit den vielen Versprechen um, die Sie im letzten Wahlkampf gemacht haben? Ich meine, was sagen Sie den Leuten?" Er neigt den Kopf zur Seite und freut sich sichtlich über das Lachen des Publikums, als er mit heiserer Stimme fortfährt: "Was heißt das, halt den Mund?"

In seinem Gespräch mit dem unsichtbaren Barack Obama erinnert Eastwood diesen an die 23 Millionen Arbeitslosen. Er kritisiert das nicht eingehaltene Versprechen des Präsidenten, das Gefangenenlager Guantanamo zu schließen und offenbart ein merkwürdiges Demokratieverständnis. "Ich hielt es nie für eine gute Idee, Juristen zu Präsidenten zu machen. Immer sind sie so geschäftig, ihnen wurde beigebracht, alles zu diskutieren und abzuwägen, immer müssen sie beide Seiten betrachten. Vielleicht ist es jetzt mal Zeit für einen Geschäftsmann?" Eastwoods 40 Jahre jüngeres Leinwand-Alter-Ego blickt ihm bei diesen Überlegungen mit gezücktem Revolver von einem riesigen Bildschirm über die Schulter.

Schließlich erinnert der zweifache Regie-Oscar-Gewinner daran, dass die Amerikaner unabhängig von der Parteizugehörigkeit "die Besten der Welt" seien. Die sich zurecht nicht alles gefallen ließen: "Wenn jemand seine Arbeit schlecht macht, dann schicken wir ihn wieder nach Hause."

Während die Delegierten in Tampa den Hollywoodstar euphorisch bejubeln, stößt der Auftritt des 82-Jährigen im Internet auf Spott. Das Internetmagazin Salon nennt die Einlage die "bizarrste Wahlkampfrede der jüngeren Geschichte" und titelt "Clint Eastwood befiehlt Stuhl, Afghanistan zu verlassen". Die Partei habe Eastwood gebeten, über die Gesundheitsreform ObamaCare zu sprechen und dieser habe ObamaChair verstanden, wird auf Twitter gewitzelt. Auch die Argumente des ehemaligen Bürgermeisters des kalifornischen Ortes Carmel überzeugen nicht jeden: "Ich habe gerade Clint Eastwood mit einem Stuhl diskutieren sehen und der Stuhl hat gewonnen."

Andere fühlen sich an den wirren Großvater der TV-Familie Simpsons erinnert - ein Eindruck, der wohl dadurch entsteht, dass der hagere Leinwandheld, der ohne Teleprompter spricht, sich immer wieder verhaspelt und zum Teil halbe Worte verschluckt. Unter dem Twitteraccount "Invisible Obama" widmen sich Spötter ausgiebig der unfreiwilligen Komik des Auftritts. Traurig und seiner unwürdig nennt der renommierte Filmkritiker Roger Ebert die Einlage seines "Helden Clint". Auch der Amtsinhaber reagiert prompt. Über seinen Twitteraccount veröffentlicht Obama dieses Bild mit dem Kommentar: "Dieser Stuhl ist besetzt."

Bevor Eastwood nach gut zehn Minuten die Bühne verlässt, bemüht er das bekannteste Dirty-Harry-Zitat. "Go ahead!", ruft er. "Make my day!", schallt es aus dem Publikum zurück. Der Rest ist Jubel und Begeisterung. Es sieht nicht so aus, als würde sich Eastwood in Zukunft an seinen anderen bekannten Filmrollen orientieren. Obwohl er neben Dirty Harry auch einige ziemlich wortkarge Westernhelden gespielt hat.

Dialog mit leeren Sitzmöbeln

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