Ein Kommentar von R. Klüver, Denver

Hillary Clinton hat ihre Parteifreunde mit ihrer Rede für Barack Obama elektrisiert. Die Hoffnung, es doch noch einmal ins Weiße Haus zu schaffen, hat sie nicht aufgegeben.

Es war eine große Rede. Eine präsidentielle Rede, eine staatsmännische Rede, mit der Hillary Clinton den Parteitag der amerikanischen Demokraten elektrisiert hat.

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Hillary Clinton vor ihrer umjubelten Rede (© Foto: AP)

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Es ist der Parteitag, auf dem nun nicht sie, sondern ihr siegreicher Konkurrent Barack Obama zum Präsidentschaftskandidaten gekürt wird. Ihre Rede aber ließ erkennen, dass Hillary Clinton ebenfalls mit Fug und Recht als Kandidatin hätte ins Rennen gehen können.

Doch sie machte unmissverständlich klar, dass die Zeit für derlei Gedankenspiele nun vorbei ist. Eindringlich rief sie die Partei zur Einheit und ihre Anhänger zur Wahl Barack Obamas auf.

Wie am Tag zuvor Michelle Obama hat auch Hillary Clinton all das gesagt, was von ihr erwartet wurde, zu Recht erwartet wurde. Sie hat ihre Anhänger ermahnt, nicht der vergebenen Chance nachzutrauen. Sie hat sie stattdessen zur bedingungslosen Unterstützung Barack Obamas aufgerufen. "Barack Obama ist mein Kandidat. Er muss unser Präsident werden."

Sie hat dargelegt, warum sich die Partei nun um Obama scharen soll: Weil er dieselben Wahlziele wie sie verfolgt. Tatsächlich lagen die Positionen der beiden im Vorwahlkampf nie weit auseinander.

Und Clinton griff zur Freude der Delegierten John McCain frontal an. Amerika, sagte sie, kann sich vier weitere Jahre republikanischer Regierung einfach nicht mehr leisten.

Wenn man so will, gibt es nach dieser Rede zwei Gewinner - und einen Verlierer. Gewonnen hat zum einen Barack Obama, der dieses Zeichen der Solidarität seiner Rivalin dringend braucht.

Fast ein Drittel aller Demokraten, die in den Vorwahlen für Clinton votiert haben, wollen bei der Präsidentschaftswahl im November nicht für ihn stimmen, sondern für den Republikaner John McCain. Er braucht die Stimmen dieser meist weißen Clinton-Demokraten, um in der Wahl zu bestehen.

Gewonnen hat aber auch Hillary Clinton, deren hinhaltendes Taktieren vor dem Parteitag das Obama-Lager erzürnte. Sie darf nun bei einem Wahlsieg eine Belohnung verlangen. Im Falle einer Wahlniederlage aber kann sie sagen, dass sie alles getan hat, dem Kandidaten über die Hürde zu helfen.

Verloren aber hat in jedem Fall John McCain. Nicht weniger als vier Wahlspots haben die Republikaner mittlerweile laufen, in denen sie kritische Äußerungen Clintons aus dem Vorwahlkampf gegen Barack Obama verwenden. Nach dieser Rede wird es ihnen schwerer fallen, Clinton weiterhin als Kronzeugin gegen Obama zu missbrauchen.

Und sie hat noch etwas gesagt, im emotionalen Höhepunkt ihrer Rede, als sie die Sklavenbefreierin Harriet Tubman zitierte mit der Mahnung, nie aufzugeben, selbst in scheinbar aussichtsloser Situation, sondern weiterzumachen.

Diesem Grundsatz wird Hillary Clinton folgen. Das war ein Versprechen an ihre Anhänger. Die Hoffnung, es vielleicht doch noch einmal ins Weiße Haus zu schaffen, hat sie nicht aufgegeben.

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(sueddeutsche.de/odg)