Hessens SPD wählt Schäfer-Gümbel mit großer Mehrheit zum neuen Vorsitzenden. Seine Vorgängerin Ypsilanti verabschiedet sich mit einem verbalen Rundumschlag - und Tränen in den Augen.

Nach ihrer verheerenden Niederlage bei der Landtagswahl hat die hessische SPD mit Thorsten Schäfer-Gümbel einen neuen Vorsitzenden gewählt. Auf dem Landesparteitag in Darmstadt erhielt der 39-Jährige am Mittag 298 von 332 abgegebenen Stimmen. 22 Delegierte stimmten gegen ihn. Zehn enthielten sich der Stimme. Das entspricht einer Zustimmung von 89,8 Prozent.

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Ypsilanti und Schäfer-Gümbel beim Parteitag in Darmstadt. (© Foto: dpa)

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Schäfer-Gümbel, der bereits die Landtagsfraktion führt, folgt Andrea Ypsilanti nach, die nach der Niederlage bei der Landtagswahl ihren Rücktritt von allen Ämtern erklärt hatte. Ypsilanti wurde vom Parteitag mit stehenden Ovationen verabschiedet. Neue stellvertretende Parteichefin soll die Hofheimer Bürgermeisterin Gisela Stang, neuer Generalsekretär der Bundestagsabgeordnete Michael Roth werden.

Bei der Aufstellung der Landesliste für die Bundestagswahl könnte es zu einzelnen Kampfkandidaturen kommen. Der Landesvorstand hat die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Heidemarie Wieczorek-Zeul, als hessische Spitzenkandidatin vorgeschlagen.

Ypsilanti verteidigte in einem emotionalen Auftritt ihren hochumstrittenen Kurs des vergangenen Jahres. Sie habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Mit ihrem Rückzug habe sie sich der Verantwortung mehr als heute üblich gestellt. Sie müsse sich aber nicht alles gefallen lassen. Sie sei auch in einer die persönliche Integrität verletzende Art und Weise angegriffen worden.

"Ich bleibe eine von euch", sagte Ypsilanti am Ende ihrer Rede unter Tränen. Ypsilanti war im vergangenen Jahr zwei Mal mit dem Versuch gescheitert, eine von den Linken tolerierte rot-grüne Minderheitsregierung zu bilden. Nach der Niederlage der SPD bei den Neuwahlen Mitte Januar war sie als Partei- und Fraktionsvorsitzende zurückgetreten.

Die frühere Parteivorsitzende griff auch scharf die SPD-Abgeordneten an, die sie wegen der geplanten Zusammenarbeit mit den Linken nicht zur Ministerpräsidentin hatten wählen wollen. Sie müssten die Verantwortung für ihre Entscheidung tragen, die die Partei in ein Debakel gestoßen hat.

Gewissensentscheidungen seien immer ganz persönlich, aber eine "organisierte Gewissensentscheidung" sei stets fragwürdig. Ohne eine entscheidungsfähige Partei lasse sich nichts mehr demokratisch durchsetzen, sagte sie mit Blick auf Parteitagsbeschlüsse, die grünes Licht für das geplante Linksbündnis gegeben hatten.

Ypsilanti verteidigte vor allem ihre politische Ideen. Das für die Wahl im Jahr 2008 entworfene Programm der "sozialen Moderne" könne nach wie vor zukunftsweisend dafür sein, wie die SPD wieder Rückhalt gewinnen könne. Dafür werde sie weiter wirken. Sie stehe für ihre Überzeugungen und lasse sich nicht entmutigen.

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(AP/AFP/ihe)