Was bei Flick, Kohl und Co. noch greifbar war, ist mittlerweile viel subtiler. Das Spendensystem des Glücksspielkönigs Gauselmann ist scheinbar grundehrlich und doch nur raffiniert - es ist die neueste Methode der Parteienfinanzierung.
Die Katze lässt das Mausen nicht, sagt das Sprichwort. Auf die Parteispenden-Praxis übertragen bedeutet das: Der Drang, das Parteiengesetz zu umgehen, oder es zumindest großzügig zu interpretieren, ist übermächtig. Was bei Flick, Kohl und Co. noch mit Händen zu greifen war, ist mittlerweile, wie auch das Sponsoring der Parteien zeigt, viel subtiler geworden. Aber auch von filigranen Produkten und erfinderischen Methoden kann ein übler Geruch ausgehen.
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Vorstandschef der Gauselmann AG, Paul Gauselmann: Das Spendensystem Gauselmann als neueste Methode der Parteienfinanzierung (© dpa)
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Möglicherweise wird in die Parteispenden-Geschichte, die eine Geschichte der Skandale ist, nun das Gauselmann-System eingehen. Der deutsche Pionier der Spielautomatenbranche, Paul Gauselmann, hat es entwickelt. Es ist scheinbar grundehrlich und doch nur raffiniert. Es ist ein neues Produkt der in diesen Parteispenderkreisen seit Jahrzehnten üblichen Schlaumeierei.
Die Produktbeschreibung ist kompliziert: Der Chef des Unternehmens bittet seine leitenden Angestellten, ihm "im Rahmen Ihrer Möglichkeiten und Ihres Interesses" jedes Jahr Parteispenden zur Verfügung zu stellen. In guten Jahren macht jeder zweite Mitarbeiter mit. Die Spenden sammelt der Chef ein. Er sucht dann - allein oder gemeinsam mit den Mitarbeitern - unterstützungswürdiges politisches Personal aus, schickt den Politikern mit einem von ihm gefertigten Anschreiben die Schecks seiner Leute (immerhin vierstellige Beträge) und erbittet Spendenbescheinigungen für die Mitarbeiter.
Nicht alles, was nicht strafbar ist, ist auch korrekt
Die Summen, die derart zusammenkommen, liegen in der Regel deutlich über 50.000 Euro im Jahr, tauchen aber in keinem Rechenschaftsbericht der Parteien auf, obwohl Spenden über zehntausend Euro wegen der gebotenen Transparenz veröffentlichungspflichtig sind. Auf dem Papier hat ja nicht der Chef, sondern haben seine Mitarbeiter gespendet.
Der derart bedachte Politiker wird allerdings in der Regel davon ausgehen, dass das Geld vom Chef kommt. Nur den kennt er und von dem weiß er auch, was der gern hätte: Verständnis für seine Anliegen. Das Bundesverfassungsgericht, das die Parteien immer wieder wegen ihrer Spendenpraxis abwatschte und so ein passables Parteispendenrecht erzwungen hat, wies aber schon vor knapp zwanzig Jahren ausdrücklich darauf hin, dass es bei der Transparenz immer auf den wirklichen Spender und nicht auf den "äußeren Anschein" ankomme.
Die meisten Leser der Produktbeschreibung werden sich jetzt fragen, auf welchen Wegen und wie das Geld an die Mitarbeiter zurückfließt. Man sucht vergeblich. Angeblich zahlen die Mitarbeiter bis zu 6000 Euro im Jahr freiwillig aus eigener Tasche und bekommen dafür keinen Euro zurück; auch nicht über Boni oder versteckte Gehaltszuwendungen. Sie zahlen, so die Beschreibung, freiwillig, ganz ohne Druck. Ist das lebensnah?
Vergeblich hat sich die Finanzverwaltung bemüht, dieses verblüffende System zu knacken. Nicht alles, was nicht strafbar ist, ist deshalb auch korrekt. Da intern bei Gauselmann der Zweck dieser Spenden mit der Stellung des Unternehmens und der Branche "am Markt" und dem "Erhalt vieler Arbeitsplätze einschließlich Führungspersonal" begründet wird, könnte es sich um Einflussspenden handeln.
Spenden, die einer Partei "erkennbar in Erwartung eines bestimmten Vorteils versprochen werden", sind laut Gesetz verboten. Nicht verboten sind Spenden, die aus Sympathie für eine bestimmte Politik gemacht werden. Der eine oder andere Empfänger hat versprochen, sich für die Belange der Automatenwirtschaft einzusetzen; aus Überzeugung natürlich.
Die CDU reagierte vergleichsweise sensibel mit einer vorsorglichen Selbstanzeige beim Bundestagspräsidenten. Die SPD zeigte kein Unbehagen, sondern winkte gleich ab. Die Abwiegelei der Bundesschatzmeisterin der Partei, die auf den "jeweiligen Spenderwillen" abstellen will, hat Gauselmannsches Format.
Clever, sehr clever. Zu clever?
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(SZ vom 05.02.2011/lala)
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Hallo Herr Leyendecker,
also zuerst, volle Übereinstimmung zu den Intentionen bzgl. Parteispenden durch Mitarbeiter der Firma Gauselmann.
Und die Parteispenden dienten ausschliesslich dem Zweck, geplante, erwogene Verbote gegen Spielautomatenbetreiber etc., zu verhindern oder zu relativieren.
Sie rücken die Spender/en in die Nähe von Flick und Konsorten, Demokratie ist in Gefahr, Parteiengesetze sind löchrig, aber das " System " ist oberflächlich gesehen nicht strafbar, Finanzamt ratlos.
Hier in Minden-Lübbecke ist Gauselmann & Co. Sponsor einer ganzen Sportregion, kleine Vereine, aber auch TuS Nettelstedt partizipiert, Arminia etc., und er ist immens großzügig bei sozialen Projekten, viele Einrichtungen wären ohne sein soz. Engagement gar nicht möglich, grosser Arbeitgeber - 6.000 Arbeiter - und guter Steuerzahler, ist doch auch etwas, finanziefrt u.a. Hartz IV damit !!
Schlechtes Gewissen ? Unterzeichner devoter Anhänger ? Nichts dergleichen, spiele nicht, bin dafür zu alt , nur nicht so verkniffen wie Ihr Kommentar, v.g. könnte ja sein Geld auch in die Karibik bringen, noch ein Segelboot - hat er schon eins ? - oder sonstwo anlegen.
Warum nur immer wieder mit Verve gegen Einzelpersonen/Unternehmen dieser unmässige, missionarische Eifer, was ist dann mit Lotto, Toto, Spielcasinos, Wetten das etc., Rauchverbot ist durch, was kommt als Nächstes in der SZ ?
Mal darüber nachgedacht, was passiert, wenn Glücksspiele " in den Untergrund beziehungsweise in die Illegalität wandern ", wollen Sie im Ernst dem Leser glauben machen, dass v.g. Neigungen dem Menschen ausgetrieben werden können, Prohibition ?
Und dann dieser Unsinn vom " leitenden Angestellten und Stellung zum Chef etc. ", das ist doch ganz o.k. normal, auch Sie wollen Anerkennung vom Chefredakteur durch gute Artikel/Leistung, auch wenn das, was Sie schreiben, nicht immer dem geneigten Leser gefällt.
Auch hier wieder aus meiner Sicht: Null Ahnung von der Wirtschaft, Ablehnung all dessen, was Spass macht, eigene Person und daraus resultierende Vorteile natürlich ausgenommen, ausblendend, und immer den vermeintlichen Untergang der Demokratie vor Augen, gerne würde man Sie einmal persönlich kennen lernen.
Ihr Leser Bernd L. Müller
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