Parteienforscher Peter Lösche "SPD droht Durststrecke von 15 Jahren"

Düstere Aussichten: Laut dem Politologen Peter Lösche muss sich die SPD auf ein jahrelanges politisches Tief einstellen. Eine aktuelle Umfrage bestätigt seine Einschätzung.

Die SPD steht nach Ansicht des Göttinger Parteienforschers Peter Lösche vor einer zehn bis 15 Jahre langen politischen Durststrecke. Erst dann können die Sozialdemokraten seiner Ansicht nach wieder aus dem politischen Tief herauskommen und wieder eine Volkspartei mit mehr als 35 Prozent der Stimmen werden.

Nach Ansicht

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Die SPD sei nicht nur auf 25 Prozent gefallen, weil der damalige Kanzler Gerhard Schröder die Reformen der Agenda 2010 gegen die eigene Partei und das eigene Wählerklientel durchgesetzt und traditionelle SPD-Anhänger vergrault hat, sagte Lösche in einem Interview mit den Lübecker Nachrichten.

Auch die vom heutigen SPD-Chef Franz Müntefering durchgeboxte Rente mit 67 habe die Partei hinter die CDU/CSU zurückgeworfen. Dritter und langfristig wichtigster Grund sei aber, so Lösche, dass die traditionelle Stammwählerschicht der SPD, die protestantischen, gewerkschaftlich gebundenen Facharbeiter, immer mehr verschwinde. "Und die neue Mittelschicht hat die SPD nicht an sich binden können."

Um wieder breitere Wählerschichten anzusprechen, müsse die SPD "den Spagat schaffen, sowohl Facharbeiterschaft als auch die neuen Mittelschichten anzusprechen. "Das dauert zehn bis 15 Jahre - eine lange Durststrecke", sagte Lösche.

Eine Emnid-Umfrage vom Wochenende zeigt, dass auch die meisten Deutschen nicht mit baldigen Erfolgen der SPD rechnen. Nur 13 Prozent der Deutschen rechnen demnach damit, dass SPD-Kandidat Frank-Walter Steinmeier Kanzler wird. 78 Prozent der Befragten erwarten, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werde im Amt bleiben. Elf Prozent der Deutschen wollen der Umfrage zufolge bei der Wahl in neun Wochen auf keinen Fall ihre Stimme abgeben. Emnid befragte am 23. Juli insgesamt 500 Personen.