Wegen des knappen Wahlausgangs wird die Regierungsbildung in Kroatien vermutlich schwierig. Ministerpräsident Sanader meldete Anspruch auf die Führung der künftigen Regierung an - Oppositionsführer Milanovic aber auch.

Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen bei den Parlamentswahlen in Kroatien zeichnet sich eine schwierige Regierungsbildung ab. Sowohl der amtierende Ministerpräsident Ivo Sanader als auch Oppositionsführer Zoran Milanovic riefen sich zum Sieger der Wahl aus.

Ivo Sanader, Kroatien, AFP Bild vergrößern

Der konservative Ministerpräsident Ivo Sanader freut sich über die Ergebnisse der ersten Hochrechnungen (© Foto: AFP)

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Nach ersten, auf Grundlage noch unvollständiger Ergebnisse erstellten Berechnungen des kroatischen Fernsehens könnten beide Lager jeweils mit Koalitionspartnern eine Regierung stellen. Sanaders konservative HDZ konnte nach der Teilauszählung einen leichten Vorsprung in dem Kopf-an-Kopf-Rennen verbuchen. Wie die Wahlkommission am frühen Montagmorgen in Zagreb mitteilte, erhielt die Partei laut Teilergebnissen allein nach den bis dahin in Kroatien ausgezählten Stimmen 59 Sitze.

Dazu dürften mindestens sechs weitere Sitze von den im Ausland, insbesondere von den Kroaten in Bosnien-Herzegowina abgegebenen Stimmen kommen. Milanovics sozialdemokratische SDP wird laut der Wahlkommission 57 Abgeordnete in dem etwa 150 Sitze umfassenden neuen Parlament stellen.

"Der Sieg ist gewiss", erklärte Sanader in der Nacht vor jubelnden Anhängern. Er habe bereits Staatspräsident Stjepan Mesic angekündigt, dass er auch die neue Regierung führen wolle. Milovanovic hielt dagegen: Jetzt bilde seine Partei eine Regierung mit all denjenigen, "die die Wende wollen" und die glaubten, dass das Land "eine neue, fähigere und ehrlichere Regierung", sagte er. Auch er habe mit Mesic gesprochen.

Schlüsselrolle der kleineren Parteien

Das Staatsoberhaupt erklärte, wer ihm "den Beweis" für eine eigene Parlamentsmehrheit erbringe, erhalte den Auftrag zur Regierungsbildung. Nach der Verfassung kann Mesic ohne Vorgaben entscheiden.

Die Schlüsselrolle bei der Regierungsbildung dürfte den kleineren Parteien zufallen, die sich erst zum Teil auf eine der beiden größeren festgelegt haben. Während die HDZ mit ihren Verbündeten am Ende auf 70 bis 78 Abgeordnete im Sabor kommen könnte, käme die SDP maximal auf 72 bis 80 Sitze, rechnete das Fernsehen in Planspielen vor.

Verliererin der Wahl war die Rentnerpartei HSU, die nach allen Umfragen die "Königsmacherin" sein sollte und nun wohl nur mit einem einzigen Abgeordneten im Parlament vertreten sein wird. Die Beteiligung lag mit gut 62 Prozent um vier Prozent niedriger als bei der letzten Wahl.

Das gute Abschneiden der HDZ haben nicht zuletzt 400.000 Wähler im benachbarten Bosnien-Herzegowina sichergestellt. Dort habe die Partei wenigstens sechs Mandate errungen, hieß es nach vorläufigen Angaben. Diese meist nationalistisch orientierten Kroaten stimmen traditionell für die HDZ.

Regierungschef Sanader begründete vor Anhängern das Wahlrecht damit, dass die Kroaten aus der Herzegowina dem Mutterland im Bürgerkrieg, der von 1991 bis 1995 dauerte, beigestanden hätten. Die Sozialdemokraten wollen den Landsleuten im Nachbarland das Wahlrecht nehmen und hatten dort auf jeden Wahlkampf verzichtet.

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(AFP/dpa/gal/sma)