In Indien beginnen an diesem Donnerstag Parlamentswahlen. Die Angst vor Attentaten ist groß - hat aber wenig Einfluss auf das Abstimmungsverhalten. Denn der Feind hat ein Gesicht.
Es mag paradox klingen, doch in Indien haben die jüngsten Terroranschläge offenbar kaum Einfluss auf das Verhalten der Wähler. Andere Themen scheinen wichtiger zu sein - wirtschaftliche, soziale, lokale. Diese Erkenntnis ist neu und widerlegt die Prognose der Analysten.
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Indisches Sicherheitspersonal in Varanasi bekommt Patronen ausgehändigt - zum Schutz der Parlamentswahlen von Donnerstag an. Die Angst vor Terroranschlägen ist groß. (© Foto: dpa)
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Nach dem Überfall von zehn Terroristen auf die Handelsmetropole Mumbai am 26. November letzten Jahres hatte so mancher Experte vorausgesagt, dass die regierende Parlamentsmehrheit in Delhi vor einem Debakel stehe. Die Fernsehbilder des Terrors, so argumentierten sie, die Ohnmacht mangelhaft bewaffneter Polizisten und schlecht informierter Geheimdienste, würde die Wähler zu einem Protestvotum gegen die Regierung verleiten.
Die Hindu-Nationalisten von der oppositionellen Bharatiya Janata Party (BJP) hofften, dass die Anschläge ein wahrer game changer sein würden, ein Faktor, der das Spiel dreht und entscheidet. Sie versuchten, alte Ressentiments zwischen Hindus und Muslimen zu schüren und griffen die Regierung an - die alte Strategie. Doch sie brachte nichts.
Bei den jüngsten Regionalwahlen gewann das Regierungsbündnis um die Kongresspartei Anteile dazu. Und auch vor den nun beginnenden Parlamentswahlen sind die Wähler mehr interessiert an Jobsicherheit, Preisen, Subventionen und Bildungsprogrammen.
Alle Umfragen zeigen, dass sich die Wähler zwar vor dem Terrorismus fürchten. Doch sie sind mehrheitlich der Meinung, dass das Böse erstens von außen komme, nämlich aus Pakistan. Und sie wissen zweitens, dass totale Sicherheit eine Illusion ist. Drittens hat sich die gesamte internationale Bedrohungslage verändert in den vergangenen Jahren. Und viertens glaubt kaum jemand, dass die Opposition das Land besser beschützt hätte. Das erste Argument erscheint besonders wichtig, und bequem: Der ewige Erzfeind Pakistan diente immer schon als Blitzableiter und Sündenbock. Oft auch zu Unrecht.
Der Feind hat ein Gesicht
Diesmal aber hat der Feind ein Gesicht - ein "Babyface". So beschrieben die Medien das Gesicht von Ajmal Amir Kasab aus dem Dorf Faridkot, Provinz Punjab, Pakistan. Das Bild des 21-jährigen, glattrasierten Terroristen von Mumbai mit dem Rucksack und der Kalaschnikow ging um die Welt.
Er ist der einzige der zehn Terroristen des Kommandos, der überlebt hat und verhaftet werden konnte. Er redet. Er bereut nichts. In diesen Tagen beginnt sein Prozess. Die Bekanntgabe von Kasabs Herkunft hat die Lage plötzlich entspannt. Nirgendwo in Indien gab es nach "26/11", wie der Anschlagstag genannt wird, Spannungen zwischen Muslimen und Hindus.
Die Erkenntnis, dass der Überfall in Pakistan geplant und von Pakistanern ausgeführt wurde, womöglich mit der Unterstützung des dortigen Geheimdienstes, entkräftete einen guten Teil der Argumente der Opposition, die der Regierung vorwirft, sie sei zu weich. Und es machte die Angelegenheit zu einer diplomatischen, zu einer internationalen Affäre zwischen Delhi und Islamabad.
Beide Seiten drohten mit Krieg, deuteten Truppenverschiebungen an, brachten Kampfjets in Position. Wirklich ernst gemeint schienen die Manöver jedoch nie zu sein. Doch sie dienten auf beiden Seiten der Demonstration der Stärke. Die indische Regierung lenkte mit martialischen Gebärden gegen den alten Cousin im Norden von ihrem Unvermögen ab, ihre Anti-Terror-Politik auf demokratische Art zu verschärfen.
Die Psychose ist trotz allem groß, gerade in den ersten Tagen der Wahl. Vor jedem Einkaufszentrum stehen Polizisten. Vor jeder Sehenswürdigkeit und vor allen Luxushotels haben sich Soldaten mit Gewehren hinter Sandsäcken verschanzt. Politiker-Konvois werden von imposanten Eskorten zu Wahlkampfveranstaltungen begleitet. Innenminister Chidambaram erließ einen "roten Alarm". Er warnte, dass Terroristen einen "dramatischen Anschlag gegen Indien" versuchen könnten. Material und Männer hätten die Grenze überquert. Es gebe viele Hinweise.
(SZ vom 15.04.2009)
Bildung in Europa
der Mensch endlich einmal begreifen, dass jeder Mensch ein Mensch ist und gleich vor Gott dem Herrn geschaffen. Es geht doch nicht um Rasse, Nationalität oder Religion. Ein Mensch ist und bleibt ein Mensch und wenn jeder diesen primitiven Grundsatz beherzigen würde, dann wären wir glaube ich weltweit schon einen großen Schritt weiter.
Manch einer glaubt ja, er würde durch Gewalt oder Attentate Gott einen Gefallen erweisen. Ich weiß nicht was diese Personen zu sich genommen haben, aber sie haben die Lehren ihrer Religion nicht erkannt. Es wäre gerade auch in der islamischen Welt einfach zu sagen, diese gehören nicht zu uns und sie aus der Umma hinauszubefördern. Doch es geschieht nicht, vielleicht aus Angst, vielleicht weil es ihnen egal ist, schlimmstenfall durch Zustimmung.
Nur wenn wir in die Geschichte schauen, gerade im christlichen Europa und wir an die Übergriffe auf die Juden denken, kommen wir leider nicht umhin zu sagen, dass diese stille Akzeptanz von Terror und Unterdrückung unabhängig der Religion und der Lehre erfolgt.
Es sind die Menschen an denen es liegt. Jeder einzelne hat die Pflicht sich für Gerechtigkeit einzusetzen und wenn es nur im kleinsten Rahmen ist. Und jeder hat auch die Möglichkeit dazu. Nur es muss davon auch gebrauch gemacht werden.