Parlamentswahl in Italien Montis Drahtseilakt

Mario Monti steht vor der Parlamentswahl im Februar unter gewaltigem Druck. Der parteilose Politiker will seine Reformen weiterführen, doch das könnte schwierig werden: Auch Silvio Berlusconi erwägt, wieder zu kandidieren. Und Zuspruch aus dem Ausland könnte Monti eher schaden als nutzen.

Von Andrea Bachstein, Rom

In Mario Montis Haut möchte man nicht stecken. Italiens Premier, der nur 14 Monate als Krisenmanager dienen wollte, steht unter gewaltigem Druck weiterzumachen. Es deutet nun viel darauf hin, dass er zu einer weiteren Amtszeit bereit ist - was er an Reformen bereits geschafft oder angefangen hat, will er nicht zerstört sehen.

Mit seiner Kandidatur könnte Monti den größten Störfaktor in Italiens Politik weiter schwächen: seinen Vorgänger Silvio Berlusconi. Der wird zwar die Wahl nicht gewinnen. Aber er kann jede Menge Unruhe stiften, das zeigen sein haarsträubender Zickzack-Kurs und sein deutsch- und europafeindliches Wahlkampfgerede. Monti ginge ein großes Risiko ein mit einer Kandidatur. Der Wahlsieg wäre unsicher, das ganze Unterfangen ein Drahtseilakt. So wie es aussieht, müsste eine neuartige Konstruktion von Wahllisten Monti tragen - für nur eine Partei als normaler Kandidat anzutreten, will er offenbar vermeiden. Das könnte einen Teil seiner jetzigen Handlungsfreiheit und Autorität als parteiloser Premier retten. Aber es würde ihn auch angreifbar machen: Er hätte wieder keine echte demokratische Legitimierung durch die Bürger.

Die Politiker im Rest der EU sollten sich nun übrigens zurückhalten, um Montis Wahlchancen zu wahren. Auf ausländische Werbung für Monti reagieren in Italien auch die empfindlich, die nichts mit Berlusconi am Hut haben.