Die Partei der früheren Ministerpräsidentin Timoschenko ist Hochrechnungen zufolge stärkste Kraft. Eine Regierung der Reformparteien der "Orangenen Revolution" wird immer wahrscheinlicher.
Bei der Parlamentswahl in der Ukraine ist die pro-westliche Partei der früheren Ministerpräsidentin Julia Timoschenko Hochrechnungen zufolge stärkste Kraft geworden. Der Block Julia Timoschenko kam bei dem Urnengang am Sonntag nach Auszählung von einem Viertel der abgegebenen Stimmen auf knapp 34 Prozent, wie die Wahlleitung am Montagmorgen in Kiew mitteilte.
Julia Timoschenko im Kreise ihrer Anhänger (© Foto: dpa)
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Die Partei der Regionen des pro-russischen Regierungschefs Viktor Janukowitsch wurde demnach zweitstärkste Kraft knapp 30 Prozent der Stimmen. Die Partei Unsere Ukraine von Staatschef Viktor Juschtschenko erhielt demnach etwas mehr als 16 Prozent der Stimmen, die zum Janukowitsch-Lager zählende Kommunistische Partei erzielte fünf Prozent. Über die Drei-Prozent-Hürde kamen auch die Sozialisten mit 3,26 Prozent.
Nachwahlbefragungen vom Sonntagabend hatten noch Janukowitschs Partei als stärkste Kraft gesehen. Insgesamt hatte sich aber ein Sieg des pro-westlichen Lagers aus Timoschenkos Partei und der Partei Unsere Ukraine abgezeichnet. Das Ergebnis kann sich im Verlauf der Auszählung jedoch noch deutlich ändern, da das Wählerverhalten in den einzelnen Regionen des Landes stark voneinander abweicht.
Einsatz für stärkere Europa-Integration
Tymoschenko kündigte nach Veröffentlichung der ersten Wählernachfragen am Sonntag bereits an, sich noch am Montag mit Juschtschenko treffen und ein neues Bündnis abschließen zu wollen. "In ein oder zwei Tagen werden wir die Koalition bekanntgeben", sagte sie.
Juri Lutsenko, der Vorsitzende von Juschtschenkos Partei, erklärte, diese werde nach der Bildung einer Koalition Tymoschenko als Ministerpräsidentin unterstützen. Tymoschenko sagte, die neue Regierung werde sich für eine stärkere Integration der Ukraine in Europa und einen schnellen Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) einsetzen.
Zugleich werde sie sich um gute Beziehungen zu Russland bemühen. Juschtschenko und Timoschenko verständigten sich kurz vor der Wahl auf eine Erneuerung ihres Reformbündnisses, um die monatelange politische Krise zu beenden.
Beide führten Ende 2004 die "Orangene Revolution"an, überwarfen sich dann aber in einem erbitterten Streit. Daraufhin entließ Juschtschenko 2005 Ministerpräsidentin Tymoschenko nach nur siebenmonatiger Amtszeit.
Regional geprägtes Wählerverhalten
Janukowitsch hatte sich im April heftig gegen die Entscheidung Juschtschenkos gewehrt, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen anzusetzen. Erst nach monatelangem Ringen erklärte er sein Einverständnis mit der vorgezogenen Wahl.
Die vorgezogene Parlamentswahl sollte nach dem Wunsch Juschtschenkos die politische Blockade beenden, die durch die Rivalität zwischen dem pro-westlichen Staatschef und dem nach Russland orientierten Ministerpräsidenten entstanden war.
An der Wahl am Sonntag beteiligten sich nach Angaben der Zentralen Wahlkommission rund 60 Prozent der 37,5 Millionen berechtigten Ukrainer.
(AP/dpa/Reuters)
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