Parlamentsbericht in Japan Super-GAU in Fukushima war vermeidbar

"Ein Desaster von Menschenhand": Die Tragödie von Fukushima-1 wurde zwar vom Erdbeben und Tsunami ausgelöst, für den Unfall im Atomkraftwerk sind jedoch Menschen verantwortlich. Zu diesem Ergebnis kommt ein Untersuchungsbericht des japanischen Parlaments. Zugleich ist erstmals seit der Katastrophe wieder ein Atomkraftwerk ans Netz gegangen.

Die Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi war keine Naturkatastrophe, sondern geht auf menschliches Versagen zurück - und wäre somit vermeidbar gewesen. Zu diesem Schluss kommt ein Untersuchungsausschuss des japanischen Parlaments. In dem nun vorgelegten offiziellen Bericht heißt es, die Katastrophe sei zwar vom Erdbeben und Tsunami am 11. März 2011 ausgelöst worden. Dennoch könne "der folgende Unfall im Atomkraftwerk Fukushima-1 (...) nicht als Naturkatastrophe angesehen werden. Es war ein schwerwiegendes Desaster von Menschenhand." Der Unfall sei vorhersehbar und vermeidbar gewesen.

Die Auswirkungen hätten zudem durch effektivere Maßnahmen verringert werden können. Der britischen BBC zufolge listet der Bericht schwere Defizite sowohl in der Reaktion der Regierung als auch in der des Betreibers Tepco auf. Zudem würden darin gesellschaftliche Konventionen wie die Neigung, Autoritäten nicht in Frage zu stellen, für die Katastrophe mitverantwortlich gemacht.

Zugleich ist im Westen des Landes erstmals seit der Katastrophe wieder ein Atomkraftwerk ans Netz gegangen. Reaktorblock Nummer 3 habe am Morgen wieder begonnen, Strom zu erzeugen, teilte der Betreiber des Atomkraftwerks Ohi in der Präfektur Fukui mit.

Gegen die Inbetriebnahme hatte es massive Proteste gegeben. Erst am Wochenende war der Meiler hochgefahren worden, nachdem Ministerpräsident Yoshihiko Noda dies im vergangenen Monat für die Reaktoren drei und vier des Atomkraftwerkes Ohi angeordnet hatte. Japan könne ohne Atomenergie seinen Lebensstandard nicht halten, erklärte er.

Die Region um Ohi war vor dem GAU in Fukushima-1 besonders stark auf Atomenergie angewiesen gewesen. Der Kraftwerksbetreiber Kansai Electric Power (Kepco) erklärte, dass die Inbetriebnahme der beiden Reaktoren nötig sei, um eine Energieknappheit in der zweitgrößten japanischen Stadt Osaka und anderen Regionen im Westen Japans während der heißen Sommermonate zu verhindern.

Reaktor in Tsunami-Region wird repariert

Derweil lässt der Kraftwerksbetreiber Tepco trotz Protesten von Anwohnern vier Reaktoren eines beschädigten Atomkraftwerks in der Tsunami-Region reparieren. Bewohner der Region fordern die Verschrottung der Anlage Fukushima-Daini (Fukushima-2), ebenso wie die von Fukushima-Daiichi. Das Kraftwerk Fukushima-Daini liegt zwölf Kilometer südlich des Unglücks-AKWs und wurde im März 2011 von einem kleineren Flutwelle getroffen und weniger stark beschädigt, Anwohner befürchten aber, dass es unsicher ist.

Nach Angaben von Tepco sollen die vier Reaktoren in Fukushima-Daiichi stillgelegt werden. Über das Schicksal der Anlage Fukushima-Daini sei noch nicht entschieden, erklärte Tepco-Präsident Naomi Hirose am Mittwoch.

In dem AKW Fukushima-1 war es im März 2011 nach einem schweren Erdbeben sowie einem anschließenden Tsunami zu einer dreifachen Kernschmelze gekommen. Radioaktivität in großen Mengen trat aus, Zehntausende Menschen mussten fliehen. Nach dem Unglück nahm Japan alle 50 betriebsbereiten Reaktoren für Sicherheitsüberprüfungen vom Netz.

Im Angesicht der Zerstörung

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