Die Erschütterung und die Scham des Papstes in seinem Brief an Irlands Katholiken sind echt. Doch er macht die Liberalisierung der Kirche für die Missbrauchsfälle verantwortlich. Das ist Unsinn. Zu den wahren Ursachen der Krise schweigt er leider.
Papst Benedikt XVI. hat einen starken schwachen Brief an die Katholiken Irlands - und darüber hinaus der ganzen Welt - geschrieben. Stark ist er, weil er die Betroffenheit und Trauer des Papstes angesichts der Gewalt zeigt, die Priester und Ordensleute Kindern und Jugendlichen angetan haben. Die Erschütterung und die Scham des Kirchenoberhauptes sind echt.
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Papst Benedikt XVI. ordnet die Missbrauchsfälle einfach in sein Denksystem ein. Das hilft weder seiner Kirche noch den Opfern. (© Foto: ddp)
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Stark ist der Brief auch, weil er ankündigt, dass der Vatikan die Zustände in einigen irischen Bistümern untersuchen möchte - das ist ein Zeichen für andere Länder: Kommt ihr mit dem Problem nicht alleine zurecht, dann kommen wir und sehen nach dem Rechten. Nie wieder soll es so werden wie in den USA und Irland, wo über Jahrzehnte auch Bischöfe sexuellen Missbrauch von Kirchenmitarbeitern deckten.
Schwach ist der Brief allerdings dann doch dort, wo er über die Ursachen des Missbrauchs nachzudenken versucht, wo er, über die Verwaltungsmaßnahmen hinaus, in die Zukunft blicken möchte. Benedikt legt nahe, dass der Missbrauch vor allem durch die moralische Laxheit in Klerus und Kirchenvolk begünstigt wurde, dadurch, dass die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils als Beginn einer weichen Welle missverstanden worden seien.
Spiritualisieren statt konkret werden
Ist die Kirche also dort, wo streng geglaubt und eifrig von Keuschheit geredet wird, vor Missbrauch sicher? Dies ist, mit Verlaub, Unsinn. Viele gerade der älteren Missbrauchsfälle, die nun offenbar werden, zeigen das: Pädophile suchen sich in konservativen Milieus genauso Begründungen für ihr Tun wie in liberalen oder linken. Benedikt XVI. ordnet die Missbrauchsfälle einfach in sein Denksystem ein - das hilft den Opfern so wenig wie der katholischen Kirche.
Und hilft es tatsächlich, gegen die Verunsicherung in Klerus und Kirchenvolk den heiligen Jean-Marie Vianney im Gebet anzurufen, weil der so schöne Dinge über das Mysterium des Priestertums geschrieben hat? Hier spiritualisiert der Papst, wo er besser konkret geworden wäre, wo er hätte über die Priesterausbildung und die Einsamkeit vieler Priester reden sollen, über Geschlossenheitskulturen in der katholischen Kirche.
So bleibt der Papstbrief stark in der Emotion, klar in der Wahrnehmung der geistigen und geistlichen Krise, die über die katholische Kirche gekommen ist - aber schwach, wenn es um die Ursachen der Krise geht, die diese Kirche tiefer verändern wird als so viele päpstliche Rundschreiben.
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(sueddeutsche.de/mel/jab)
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Solche Priester werden gebraucht! Priester die aufstehen und sich bekennen. Ich hoffe mit dem gleichen Mut bekämpfen Sie die Mißstände. Meine Hochachtung!
Der im Meer versenkt werden soll? Ach so an den soll man Kinderschänder binden. Aber der Papst hat da einen besseren Vorschlag. "Den heiligen Jean-Marie Vianney im Gebet anzurufen!" Damit hat er anscheinend selbst schon gute Erfahrungen gemacht, sonst würde er es ja seinen Schäfchen nicht empfehlen.
Jesus sieht's so, sein Stellvertreter halt anders. Da kann man nix machen.
Über die Gründe, die Papst Benedikt für das Auftreten des sexuellen Missbrauchs in der Kirche nennt, kann man diskutieren. Die vermeintliche Aufdeckung der wahren Probleme, die M. Dobrinksy nennt, insbesondere die Einsamkeit der Priester, ist allerdings ebenso abwegig wie diffamierend. Ich bin Priester, ich fühle mich Gott sei Dank nicht oft einsam, aber selbst wenn ich es tue, kommt mir deshalb noch lange nicht in den Sinn, dass ich als Gegenmittel dafür ein Kind missbrauchen könnte. Die Vereinsamung von Priestern ist tatsächlich ein Problem unserer Zeit, über das dringend nachgedacht werden muss. Es mit dem Thema des Missbrauchs in Zusammenhang zu bringen, der auf eine krankhafte sexuelle Neigung zurückgeht, das ist mit Verlaub blanker Unsinn.
Kaplan Andreas Schmidt