Papst Pius XII. Der falsche Selige

Benedikt XVI. treibt die Seligsprechung seines Vorgängers Pius voran - gegen alle Bedenken. Das zeigt erneut, wie wenig der Papst die Wirkungen seiner Entscheidungen bedenkt.

Ein Kommentar von Matthias Drobinski

Nein, Papst Pius XII., den sein Nachfolger Benedikt XVI. nun selig sprechen will, war nicht Hitlers Helfer. Er war auch nicht jener "Stellvertreter", den Rolf Hochhuth 1963 auf die Bühne brachte.

Eugenio Pacelli war gegen die Nazis, gegen ihre Lehre von den höher- und minderwertige Rassen. Er bemühte sich mit den Mitteln der Diplomatie, die Deportation von Juden zu verhindern - in der Slowakei mit, in Rom ohne Erfolg.

Ein Fall für die Forschung

Der Papst war der letzte Monarch auf dem Stuhl Petri, ein Kind seiner Zeit, mit seinen Stärken und Schwächen.

Er war deshalb aber auch nicht der heldenhafte Widerstandskämpfer, zu dem ihn der Vatikan nun stilisieren will, um ihn erst selig- und dann heiligsprechen zu können.

Pius XII. ließ die weitgehend fertige Enzyklika gegen Rassismus und Judenverfolgung im Archiv verschwinden, weil er fürchtete, sie würde mehr schaden als nutzen.

Er sympathisierte mit den faschistischen Regimen in Spanien und Kroatien, er wollte vor allem den Binnenraum seiner Kirche schützen.

Entscheiden statt Nachdenken

Dieser Papst sollte ein Fall für die historische Forschung sein und nicht Gegenstand eines Seligsprechungsverfahrens.

Dass Papst Benedikt nun gegen alle Bedenken dieses Verfahren vorantreibt, gegen die eigene Zusage, eine Zeit des Nachdenkens einzuhalten, schadet der nüchternen Bewertung des Eugenio Pacelli.

Wieder einmal zeigt sich, wie wenig Benedikt die politischen Wirkungen seiner Entscheidungen bedenkt.

Erst die Karfreitagsbitte für die Bekehrung der Juden, dann die Wiederaufnahme des Holocaustleugners Williamson, nun die Ehrung von Papst Pius XII. - was Johannes Paul II. an gutem Verhältnis zu den Juden in der Welt aufgebaut hat, droht nun zerstört zu werden.

Papst Pius XII. in Bildern

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